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Politik Ausland
08/18/2021

Wahlkampf in Deutschland: SPD überholt Grüne

Mit Spitzenkandidat Scholz rücken die Sozialdemokraten so dicht an die Union heran wie zuletzt im Wahljahr 2017.

von Sandra Lumetsberger

Sie nannten ihn "Roter Messias", "Gottkanzler" oder einfach nur "The Schulz" – die Nominierung von Martin Schulz zum Kanzlerkandidaten im März 2017 elektrisierte die SPD. In Umfragen kam sie immer dichter an CDU/CSU heran, nur zwei Prozentpunkte trennte sie noch von der Kanzlerinnenpartei – bis der Schulz-Zug ins Stocken geriet, auch durch verlorene Landtagswahlen oder das Reingrätschen der eigenen Leute in den Wahlkampf.

Nun erleben die Sozialdemokraten um Kanzlerkandidat Olaf Scholz ein Déjà-vu der erfreulichen Art: Sie holen weiter auf, ziehen beim Meinungsforschungsinstitut Forsa an den Grünen vorbei und legen im RTL/ntv-Trendbarometer zur Vorwoche zwei Prozentpunkte zu – mit 21 Prozent sind sie nur mehr zwei Punkte hinter der Union (23 Prozent). Die Grünen sind bei 19 Prozent.

Es ist noch nicht lange her, da sprangen die Ökos nach der Nominierung ihrer Kanzlerkandidatin vor die Union, die SPD sackte nochmals ab und war zwischen 12 und 15 Prozent einbetoniert. Damals wirkte es so, als könne Scholz trotz seines politischen Schwergewichts nicht viel dagegen tun. Beobachter waren sich einig: Zu wenig Charisma und das Pech, ein Vorsitzendenduo im Nacken zu haben, das für einen linkeren Kurs steht als der mittige Scholz. Wie will man da reüssieren?

Doch jetzt scheint das zu klappen. Könnten die Leute den Kanzler direkt wählen, würde er mit 29 Prozent vor Annalena Baerbock (15 Prozent) und Armin Laschet (12 Prozent) liegen. Forsa-Chef Manfred Güllner sieht die Zahlen mit Vorsicht: "Viele trauen ihm das Amt des Kanzlers durchaus zu, werden ihn aber nicht wählen, weil er die SPD am Bein hat. Die wird weiterhin sehr kritisch gesehen."

Immerhin hält sie derzeit geschlossen wie nie zu ihrem Spitzenkandidaten. "Wir haben da viel Arbeit reingesteckt", erklärte Kevin Kühnert. Der frühere Juso-Chef mobilisierte einst gegen Scholz’ Koalitionsbestrebungen mit der CDU. Nun wirbt man mit seiner Regierungserfahrung. "Scholz packt’s an", heißt die Kampagne, die auf ihn zugeschnitten ist. Zugute kommt ihm letztlich auch die Schwäche von Laschet und Baerbock. Während sie Fehler machten, verteilte Scholz Corona- und Fluthilfen. In diesen unsicheren Zeiten "vereint er Stabilität, Ruhe und Kompetenz", sagt Politologe Wolfgang Schroeder.

Zwar böte er Angriffsflächen, etwa durch Versäumnisse seines Ministeriums im Fall Wirecard und seine Rolle als Hamburger Bürgermeister im Cum-Ex-Skandal. Doch daran scheint sich niemand abzuarbeiten.

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