Nach Wahlen in Pakistan: Gleich 2 Parteien beanspruchen den Sieg für sich

Unterstützer der pakistanischen PTI-Partei nach der Wahl
Gleich 2 Parteien reklamieren in Pakistan den Wahlsieg für sich. Die USA, Großbritannien und die EU äußerten Zweifel am korrekten Ablauf der Wahl.

In Pakistan will die PTI-Partei des inhaftierten Ex-Ministerpräsidenten Imran Khan eine Regierung bilden. Die von ihr unterstützten unabhängigen Kandidaten wollten sich darum bemühen, sie hätten bei der Parlamentswahl die meisten Sitze errungen, erklärte der Interims-Chef der PTI, Gohar Khan, am Samstag. Er sprach erneut von Wahlbetrug und forderte die Institutionen des südasiatischen Landes auf, den Wählerwillen zu respektieren. 

Sollte bis Samstagabend kein Endergebnis vorliegen, rief er für Sonntag zu friedlichen Protesten auf.

Sowohl Imran Khan als auch der in jüngster Vergangenheit aus dem Exil zurückgekehrte frühere Ministerpräsident und Wirtschaftsmogul Nawaz Sharif reklamierten den Sieg bei der Wahl vom Donnerstag für sich und die Muslimliga PML-N. Khans Partei war von der Abstimmung ausgeschlossen worden.

Der populäre ehemalige Cricket-Spieler Imran Khan sitzt im Gefängnis. Er war Ende Jänner zu zehn Jahren Haft wegen der Preisgabe von Staatsgeheimnissen verurteilt worden. Bereits früher erhielt er in einem Korruptionsfall eine dreijährige Haftstrafe. Der 71-Jährige beschuldigt das Militär, für seinen Sturz verantwortlich zu sein.

Auf wie viele Sitze die pakistanischen Parteien kamen:

  • PML-N: Sharif, von vielen als klarer Favorit bezeichnet, verfehlte mit seiner Partei PML-N eine Mehrheit und kam nach der Auszählung von 95 Prozent der Wahlkreise nur auf 71 Sitze im Parlament. 
  • Unabhängige Kandidaten: Die unabhängigen Kandidaten, die pakistanischen Medienberichten zufolge zum größten Teil Verbindungen zum inhaftierten Ex-Premier Imran Khan und dessen Oppositionspartei PTI haben, erzielten überraschend 100 der 266 Mandate.

Sharifs PML-N hat inzwischen Gespräche mit der drittplatzierten Volkspartei PPP um den 35-jährigen Bilawal Bhutto Zardari geführt und strebt ebenfalls an, die Regierung zu stellen. Sharif dürfte um Überläufer der unabhängigen Kandidaten werben, um eine Mehrheit zu finden. 

Diese haben 72 Stunden nach der Wahl Zeit, sich anderen Parteien anzuschließen oder eigene Fraktionen zu gründen. Auch ein Bündnis mit einer Kleinpartei wäre denkbar und würde Sharif die nötige Mehrheit von 134 Sitzen sichern.

Viele Länder zweifeln am korrekten Ablauf der Wahlen in Pakistan

Armeechef Asim Munir gratulierte seinem Land am Samstag zu der erfolgreichen Ausführung der Wahl.  Er mahnte, führende Politiker sollten ihre Eigeninteressen überwinden. Der einflussreiche General forderte die Parteien dazu auf, dem Volk zu dienen. „Denn das ist vielleicht der einzige Weg, um die Demokratie funktionsfähig und zweckmäßig zu machen.“

Die USA, Großbritannien und die EU äußerten Zweifel am korrekten Ablauf der Wahl und regten Untersuchungen über mutmaßliche Unregelmäßigkeiten an.

Pakistans Wahlen waren überschattet von Internetsperren und Manipulationsvorwürfen. Seit der Unabhängigkeit Pakistans vor über 75 Jahren infolge der Teilung Britisch-Indiens kam es immer wieder zu Unruhen und Instabilität im Land. Mehr als die Hälfte dieser Zeit regierte das Militär. Und auch unter den zivilen Regierungen galten Generäle als die Kraft, die über Erfolg oder Scheitern der politischen Führung entscheiden konnten.

Kommentare