Politik | Ausland
10.03.2018

Nordkorea-Gipfel sorgt für Stress und Skepsis im Weißen Haus

Nach der überraschenden Ankündigung Trumps starten hektische Planungen.

Dass der US-Präsident zu Hauruck-Entscheidungen neigt, sind seine Mitarbeiter und Minister inzwischen gewöhnt. Doch der am Donnerstag von Trump verkündete Plan, den nordkoreanischen Diktator Kim Jong-un persönlich treffen zu wollen, hat das politische Washington, aber auch die Verbündeten der USA offensichtlich völlig aus heiterem Himmel erwischt.

Außenminister Rex Tillerson etwa, der samt seinem State Department ohnehin von Trump seit Monaten außen vor gelassen wird, musste sich auf seiner Afrika-Reise plötzlich eine vernünftige Stellungnahme zu den Plänen seines Chefs abringen. Das Ganze sei natürlich keineswegs eine Überraschung gewesen, meinte er im ostafrikanischen Dschibuti, "das ist ihm schon einige Zeit durch den Kopf gegangen". Immerhin gestand Tillerson ein, dass allein die Festlegung von Termin und Schauplatz des Treffens Wochen dauern könnte.

Gipfel im Niemandsland

Doch allzu viel Vorbereitungszeit hat Trump seinem Team nicht gegönnt. Schließlich soll der Gipfel bis spätestens Mai stattfinden. Der Schauplatz dafür, den man – wie die New York Times erfuhr – vorrangig anpeilt, ist die sogenannte entmilitarisierte Zone an der Grenze zwischen Nord- und Südkorea. Hier soll ja auch das ebenfalls bereits vereinbarte Treffen zwischen Kim Jong-un und dem südkoreanischen Präsidenten Moon Jae-in stattfinden.

Die nächste wesentliche Frage ist die Zusammensetzung und Größe der Delegationen beider Staaten: Ein bei einem Treffen derart historischer Dimension heikler Balanceakt. Dazu kommt die völlig ungeklärte Agenda für die Begegnung der zwei Staatschefs, die sich vor wenigen Wochen noch fernmündlich mit Drohungen und Beleidigungen überhäuft hatten. Sollen die Delegationen zuerst ohne die beiden verhandeln, um dann erst im Finale den Auftritt der beiden einzuplanen? Oder sollen Trump und Kim den pompösen Auftakt machen, um dann die Detailarbeit den Delegationen zu überlassen? Man habe, so gestanden Regierungsmitarbeiter offenherzig ein, die letzten Monate eben eher mit der Planung von Sanktionen und militärischen Drohgebärden gegen Nordkorea verbracht. Auch wird die Vorbereitung des Ereignisses schlicht dadurch erschwert, dass es überhaupt keine diplomatischen Gesprächskanäle zwischen den beiden Ländern gibt.

Gedämpfte Erwartung

Merklich überrumpelt zeigten sich auch enge US-Verbündete in der Region wie etwa Japan. Premier Shinzo Abe, den Trump anrief, meinte vorerst nur, dass sein Land den Druck auf Nordkorea nicht verringern werde.

Entsprechend war auch das Weiße Haus am Tag nach der ersten Verkündung darauf bedacht, die Erwartungen eher zu dämpfen. Nordkorea müsse zuerst seine Versprechen einlösen, die es gemacht habe. Ohne überprüfbare erste Schritte zur Stilllegung des Atomprogramms werde es kein Treffen geben. Der Präsident aber, so erklärte seine Sprecherin Sarah Sanders, sei "voller Hoffnung, dass wir Fortschritte machen können". Immerhin scheint Trump persönlich fürs Erste Freude mit seiner überraschenden Entscheidung zu haben. Der Präsident, so teilte Sanders mit, "ist in großartiger Stimmung".