Volksnaher Orbán und weggeschmissene Stimmzettel: Ungarns Wahlkampf läuft heiß

Volksnaher Orbán und weggeschmissene Stimmzettel: Ungarns Wahlkampf läuft heiß
Am Sonntag wird in Ungarn gewählt: Die Opposition kämpft gegen weggeworfene Briefwahlstimmen, Orbán gegen Hackerangriffe und steigt auf einen Kinderstuhl.

Viktor Orbán gilt alles andere als volksnah, verzichtet gerne auf unkontrollierbare, öffentliche Auftritte und ein Fernsehduell mit dem Spitzenkandidaten der Opposition Péter Márki-Zay; sein letzter öffentlicher Auftritt war anlässlich des Nationalfeiertags am 15. März - ein großer Kritikpunkt der Opposition.

Das wollte Orbán auf den letzten Metern des Wahlkampfs ändern: In der südöstlichen Stadt Bekescsaba sprach er vor Anhängern, stieg dafür sogar auf einen Kinderstuhl. Die mediale Inszenierung war perfekt.

Volksnaher Orbán und weggeschmissene Stimmzettel: Ungarns Wahlkampf läuft heiß

Orbán in Bekescsaba.

Am Sonntag wird in Ungarn gewählt, ein wesentlicher Großteil der Wähler ist laut Umfragen noch unentschlossen. Fidesz und Opposition kämpfen heiß. Das ungarische Satiremagazin Hócipő bringt die Wahl am Sonntag auf den Punkt: EU oder Sowjetunion?

In den sozialen Medien ist von weggeworfenen Briefwahlstimmen aus Rumänien die Rede: Angeblich wurden Säcke voller Wahlzettel auf einer Autobahn nahe Marosvásárhely in Siebenbürgen, wo eine große ungarische Minderheit lebt, gefunden. Viele von ihnen zeigen Stimmen für die Opposition. Oppositionsführer Márki-Zay fordert, dass alle Briefwahlstimmen für ungültig erklärt werden.

Tendenziell stimmen die ungarischen Staatsbürger in Rumänien und der Ukraine eher für Orbán: Bei der letzten Wahl 2018 sollen es 95 Prozent der dort ansässigen Bevölkerung gewesen sein.

Mehrere regierungsnahe Zeitungen wurden am Montagmorgen gehackt, berichtet das regierungskritische online-Medium telex.hu. Sie zeigten regierungskritische Inhalte und Infografiken über die hohe Zahl von Gerichtsverfahren, die diese Zeitungen im Vergleich zu unabhängigen Medien verloren haben.

"Diese Website ist Teil der Regierungspropaganda-Medien! Wir bringen Ihnen die Wahrheit! Unabhängige Presse statt Propaganda! Sehen Sie, wie die Propagandamedien Sie täuschen", lauteten einige der Nachrichten auf den Websites.

Fidesz dominiert Werbeeinschaltungen

Transpareny international hat eine Aufstellung der Werbeausgaben der Parteien im Wahlkampf veröffentlicht, das den ungleichen Einsatz finanzieller Mittel im Wahlkampf aufzeigt: So soll Orbáns Fidesz-Partei achtmal mehr Mittel aufgewendet haben als alle Oppositionsparteien zusammen, und damit auch eindeutig die rechtliche Grenze überschritten haben. Ökonomen fürchten jetzt eine leere Staatskasse nach der Wahl. 

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