Eine Trump-Skulptur beim Schnee-Festival im japanischen Sapporo.

© APA/AFP/TOSHIFUMI KITAMURA

Politik Ausland
08/16/2019

"Verrückt geworden?" Was Trump an Grönland reizen könnte

Der US-Präsident stößt mit seinen Ambitionen auf starke Ablehnung aus Dänemark und Grönland.

von Dirk Hautkapp

Seit Donald Trump Nordkoreas Stränden eine blendende touristische Zukunft vorausgesagt hat, natürlich müsste erst Kim Jong-uns Kommunismus und die ihn schützenden Atom-Raketen weg, hört man in Washington genauer hin, wenn der gelernte Immobilien-Tycoon ungewöhnliche Destinationen ins Visier nimmt. Neuerdings wird dem US-Präsidenten Interesse an Grönland nachgesagt.

Wie Mitarbeiter des Weißen Hauses zuerst dem Wall Street Journal steckten, plant Trump auf der mit zwei Millionen Quadratkilometern größten Insel der Welt, die hoheitlich von Dänemark verwaltet wird, seit 2009 aber weitgehend autonom auftritt, keine Golf-Ressorts.

Trump kann sich vielmehr wie weiland Vorgänger Harry Truman, der 1946 vergeblich 100 Millionen Dollar bot, vorstellen, Dänemark das sechs Mal so groß wie Deutschland geratene Trumm in der arktischen Polar-Region abzukaufen. „Was haltet ihr davon, kann man das machen?“, soll Trump Untergebene gefragt und erste Sondierungen in Auftrag gegeben haben.

Ohne dabei zu erklären, warum, weshalb und wieso. Spätestens Anfang September wird Trump dazu öffentlich etwas sagen müssen. Auf seiner Europa-Tour macht der Präsident dann in Kopenhagen bei Premierministerin Mette Frederiksen Station, die bislang schweigt.

Stattdessen bemühte sich Vorgänger Lars Lokke Rasmussen um eine Einordnung: „Das muss ein Aprilscherz sein.“ Weil man bei Trump nie wisse, legte die Dänische Volkspartei nach: „Wenn er das wirklich in Betracht zieht, dann ist das der letzte Beweis, dass er verrückt geworden ist.“

USA schon länger dort

Dänemark werde die rund 56.000 auf der Insel lebenden Bewohner, das Gros Inuit (Eskimos), nicht „verkaufen“. Die dänischen Sozialliberalen sprachen gereizt vom „Risiko einer Militarisierung Grönlands“. Dabei gibt es die schon seit Jahrzehnten. Seit 1951 unterhalten die USA in Thule 1500 Kilometer vom Nordpol entfernt einen Militärflughafen mit derzeit 600 Soldaten. Dort stehen auch Frühwarnsysteme gegen ballistische Raketen.

Öl- und Gasvorkommen

Im 21. Jahrhundert, sagten Analysten gestern in Washington, „ist die geostrategische Lage Grönlands auch wegen großer Erdöl- und Gasvorkommen noch wichtiger geworden“. Dabei gelte es, unbedingt einen Schritt schneller zu sein als China.

Das Riesenreich hatte erst gerade versucht, über das auch an der „neuen Seidenstraße“ beteiligte Mega-Bauunternehmen „China Communications Construction Company“ einen Fuß in die grönländische Tür zu bekommen.

Dänemarks damaliger Premier Rasmussen intervenierte Ende 2018. Mit Verweis auf die jährliche Alimentierung Grönlands durch Kopenhagen im Volumen von knapp 600 Millionen Dollar. Und mit dem Fingerzeig, dass Dänemark seiner ehemaligen Kronkolonie nicht gestatten werde, die mit den USA bestehende „Sicherheitspartnerschaft“ zu gefährden.

Auch wohl darum erklärte Grönlands Außenministerin Ane Lone Bagger gestern. „Wir sind bereit, Geschäfte zu machen. Aber wir stehen nicht zum Verkauf.“ Für den Fall, dass Trump nicht locker lassen sollte, setzten Umweltschützer gestern eine Mahnung ab, die verfangen könnte.

Durch die von Trump geleugnete Erderwärmung und die damit verbundene Eisschmelze steige die Wahrscheinlichkeit, dass bald unschöne Hinterlassenschaften der Amerikaner auf Grönland ans Tageslicht kämen. Im „Camp Century“, 250 Kilometer von Thule entfernt, probten die USA in den 60er Jahren den Bau eines Tunnelsystems, um dort Atomwaffen zu lagern. Der Plan wurde verworfen, chemische und radioaktive Abfälle blieben. „Damit“, so die Experten, „will Donald Trump sicher nicht in Verbindung gebracht werden.“