Viktor Orban soll Hitler-Verbündeten Horthy würdigen

BELGIUM-EU-DIPLOMACY
Foto: APA/AFP/BELGA/THIERRY ROGE Viktor Orban, Ungarns Premier

Laut einem Medienbericht soll der ungarische Premier den Reichsverweser einen "Ausnahmestaatsmann" genannt haben.

Der ungarische Ministerpräsident Viktor Orban hat den früheren ungarischen Reichsverweser und Hitler-Verbündten Miklos Horthy (1868-1954) einen "Ausnahmestaatsmann" genannt. Trotz heftiger Kritik in Ungarn und im Ausland bekräftigte Orban vor kurzem ausdrücklich, dass er an seiner positiven Einschätzung Horthys festhalte, berichtete Spiegel Online am Montag.

Horthy, Ungarns autoritäres Staatsoberhaupt der Zwischenkriegszeit, war ein erklärter Antisemit und lange Zeit treuer Verbündeter Adolf Hitlers. Er unterzeichnete zahlreiche spezifisch antijüdische Gesetze und war mitverantwortlich für die Deportation von rund 600.000 ungarischen Juden in deutsche Vernichtungslager.

Der Premier machte die Bemerkung über Horthy Mitte vergangener Woche bei der feierlichen Übergabe eines renovierten historischen Gebäudes in Budapest. In einer Rede würdigte er die Verdienste Horthys und anderer ungarischer Politiker der Zwischenkriegszeit um den Wiederaufbau Ungarns nach dem Ersten Weltkrieg und nach dem Frieden von Trianon (1920). Durch diesen hatte Ungarn zwei Drittel seines Staatsgebiets an seine Nachbarländer verloren.

"Schock von Trianon"

Trotz des "Schocks von Trianon" habe man "vom Boden aufstehen und ein erfolgreiches Land aufbauen" können, sagte Orban den Angaben zufolge. Dies sei einigen "Ausnahmestaatsmännern", darunter Horthy, zu verdanken, die der "Nation gedient und sie angeführt" hätten. Auch Ungarns "trauriges Engagement" im Zweiten Weltkrieg könne Horthys Beurteilung "nicht überschatten", zitierte Spiegel Online Orban.

Dessen Mitverantwortung am Holocaust erwähnte Orban demnach nicht. Horthy hatte den Abtransport von ungarischen Juden außerhalb Budapests in deutsche Vernichtungslager gebilligt. Erst als ab Juli 1944 auch die Budapester Juden abtransportiert werden sollten, widersetzte er sich aufgrund internationalen Drucks.

"Ich habe meine Rede auf das Genaueste formuliert und stehe zu jedem ihrer Worte."

Der Verband der jüdischen Gemeinden Ungarns (Mazsihisz) und der Jüdische Weltkongress (WJC) kritisierten Orbans Bemerkung über Horthy scharf als "Verherrlichung eines Hitler-Verbündeten". "Horthys Verantwortung am Tod von 600.000 ungarischen Juden steht für uns außer Frage", heißt es in einer Stellungnahme von Mazsihisz.

Außerdem sei Horthy für den Tod Zehntausender ungarischer Soldaten verantwortlich, da Ungarn auf seinen Befehl hin am Krieg gegen die Sowjetunion teilgenommen habe. Auf diese Kritik angesprochen sagte Orban am vergangenen Freitag am Rande des EU-Gipfels: "Ich habe meine Rede auf das Genaueste formuliert und stehe zu jedem ihrer Worte." Auch Orbans Kanzleiminister Janos Lazar würdigte Horthy als "großen Patrioten" und als "ehrbaren, durch und durch rechtschaffenen Militär".

Horthy war österreichisch-ungarischer Admiral, ungarischer Politiker und als Reichsverweser langjähriges Staatsoberhaupt des Königreichs Ungarn. Er wurde 1944 abgesetzt und starb 1954 im Exil in Portugal. Seine sterblichen Überreste wurden 1993 aus Estoril nach Ungarn überführt und in einem Mausoleum in seinem Geburtsort Kenderes beigesetzt.

(apa / jk) Erstellt am
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