"Absolute Resolve": Wie die USA Venezuelas Flugabwehr ausschalteten

Multiple explosions in the early hours of the morning, in Caracas
US-Helikopter über Caracas, Blackout, Cyberangriff: Warum Venezuelas Luftverteidigung versagte – und was das bedeutet.

Caracas, kurz nach 1:30 Uhr Früh: Die Stadt wird dunkel, dann kommen die Druckwellen. Explosionsgeräusche rütteln an Fenstern, am Himmel kreisen US-Helikopter. Wenige Stunden später ist Venezuelas Präsident Nicolás Maduro in US-Gewahrsam – abtransportiert auf die USS Iwo Jima und weiter Richtung New York, wo ihn ein US-Gericht wegen Drogen- und „Narco-Terror“-Vorwürfen anklagen wird.

„Operation Absolute Resolve“: Militärische Präzision

Das US-Kriegsministerium nennt den Zugriff „Operation Absolute Resolve“: eine Festnahme, abgesichert durch Luftüberlegenheit. Mehr als 150 Flugzeuge seien aus rund 20 Standorten gestartet: F-35, F-22 und F/A-18, elektronische Kampfführung (EA-18G), dazu Bomber (B-1), Aufklärungs- und Führungssysteme sowie Drohnen. Ihr Auftrag war kein Flächenbombardement, sondern das gezielte Ausschalten der venezolanischen Luftverteidigung – und die Abschirmung der Helikopter, die die Zugriffskräfte in die Hauptstadt brachten.

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Warum Caracas praktisch schutzlos war

Wie konnten diese Helikopter nahezu unbehelligt über Caracas operieren? Weil Luftverteidigung ein „System aus Systemen“ ist – und dieses System offenbar gleichzeitig geblendet wurde. Berichte sprechen von einem Blackout in Teilen der Stadt und vom kombinierten Einsatz aus Cyber- und Weltraumkomponenten, die parallel zur Luftoperation wirkten. Der Anflug der Helikopter erfolgte zudem extrem tief über dem Wasser.

U.S. strikes Venezuelan capital

Beschuss – aber keine Abwehr

Dennoch: Einen Helikopter, der über der Hauptstadt eines feindlichen Landes kreist und diese mit ungelenkten Raketen beschießt, bietet theoretisch auch Maschinengewehren ein leichtes Ziel. Zwar wurden die Helikopter beschossen, ein US-Luftfahrzeug wurde getroffen, blieb aber einsatzfähig. Noch ist unklar, warum die venezolanischen Streitkräfte den Angriff nahezu verschliefen.

High-End-Systeme ohne Wirkung

Warum wirkte Venezuelas Luftverteidigung so schwach? Das Land besitzt zwar russische Systeme wie S-300VM und modernisierte Pechora-2M. Doch Fachanalysen verweisen seit Jahren auf die Achillesferse: unklare Einsatzbereitschaft, Ersatzteilabhängigkeit, knappe Trainingsstunden – und eine verwundbare Radar- und Kommunikationsarchitektur. Wird die Führungskette gestört, wird aus Reichweite auf dem Papier operative Blindheit.

Am Boden setzte das Pentagon eine berüchtigte Spezialeinheit ein: die 1st Special Forces Operational Detachment–Delta („Delta Force“). Sie ist auf Zugriffe gegen Hochwertziele spezialisiert – maximale Überraschung, geprobte Abläufe. Eingeflogen wurde das Team von 160th Special Operations Aviation Regiment (Airborne), den „Night Stalkers“. Als bewaffnete Eskorte wird zudem der Helikopter MH-60M  genannt. Mit an Bord sollen auch Beamte des US-Justizministeriums gewesen sein – damit aus dem Zugriff juristisch eine Festnahme werden konnte.

Der Moment der Festnahme

Wie konnte Maduro festgenommen werden? Als die Zugriffskräfte eintrafen, soll er in einen stahlverstärkten Safe-Room fliehen wollen. Er kam nicht mehr hinein und ergab sich. Dass ein Staatschef in Stunden „abgeholt“ werden kann, ist deshalb weniger der Sieg von Super-Helikoptern als von Informationsüberlegenheit.

Monate der Vorbereitung im Hintergrund

Hinter dieser Operation steckt massive Vorarbeit: monatelange Mustererkennung der täglichen Abläufe Maduros bis hin zu Routinen und Aufenthaltsorten, dazu eine Quelle im Umfeld. Strikte Geheimhaltung des Plans, mehrfach geprobte Abläufe in einem nachgebauten Compound – und die Logistik für ein komplexes Paket aus Luftbetankung, Kommunikation, Rettungsketten und Rechtsrahmen. US-Justizbeamte waren nach Darstellung Washingtons Teil der Zugriffskette. Wahrscheinlich wurden auch Teile des venezolanischen Militärs bestochen.

Völkerrecht beiseite – militärisches Lehrstück

Den klaren Bruch des Völkerrechts, beziehungsweise seine wohl endgültige Beerdigung beiseitegelassen: „Operation Absolute Resolve“ war aus militärischer Sicht eine Operation aus dem Lehrbuch. Allerdings dürfte die ohnehin an Konflikten nicht arme Welt noch weiter im Chaos versinken. Mit dieser Operation wird die Hemmschwelle verschiedener Akteure weiter sinken, werden Konflikte weiterhin aufbrechen. 

Was das für künftige Kriege bedeutet

Was heißt die Operation das für die Zukunft des Krieges – auch mit Blick auf Drohnen? Erstens: Integration schlägt Masse. Luftüberlegenheit, elektronische Kampfführung, Cyber und Geheimdienst wirken wie Zahnräder; wer sie synchronisiert, dominiert. Zweitens werden Drohnen zum Multiplikator: als Sensoren, Relais, Köder gegen Radar oder Plattform für Präzisionswirkung. „Absolute Resolve“ zeigt aber auch die Grenze: Die Drohne als das neue Wunderwerk der Kriegsführung allein reicht nicht. Eine Kombination aus allen verfügbaren Systemen ist das A und O.

Für Staaten ist die Lehre nüchtern: Ohne geübte Einsatzkräfte und vernetzte Führung bleiben selbst hochtechnisierte Systeme nutzlos.

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