Insider-Handel vor Iran-Krieg? Hegseth wegen Aktiengeschäften unter Druck

Donald Trumps Kriegsminister versuchte offenbar, unmittelbar vor den US-Angriffen gegen den Iran eine Millionensumme in Rüstungsaktien zu investieren.
FILE PHOTO: Briefing amid the U.S.-Israeli conflict with Iran, at the Pentagon in Washington, D.C.

Der Vorwurf, er würde seine Präsidentschaft auch dazu nutzen, sich selbst, seine Familienmitglieder und Freunde zu bereichern, umgibt Donald Trump spätestens seit Beginn seiner zweiten Amtszeit.

Seit Dienstag kursieren konkrete Vorwürfe gegen einen seiner engsten Vertrauten: Ausgerechnet Kriegsminister Pete Hegseth soll unmittelbar vor Beginn der US-Angriffe im Iran versucht haben, über einen Mittelsmann eine Millionensumme in Rüstungsfonds zu investieren. Das berichten die Financial Times (FT) unter Berufung auf Mitarbeiter des weltgrößten Vermögensverwalters Blackrock.

Demnach habe ein Börsenmakler der US-Bank Morgan Stanley im Auftrag Hegseths versucht, Mitte Februar um 2,4 Millionen Dollar Anteile an einem von Blackrock verwalteten Aktienfonds (ETF) zu kaufen: Der sogenannte Defense Industrials Active ETF (IDEF) hält Aktien etlicher großer US-Rüstungskonzerne wie Lockheed Martin oder Palantir. Im vergangenen Jahr wuchs ihr Börsenwert um 28 Prozent.

Hegseth könnte sich aus mehreren Gründen strafbar gemacht haben

Weil sich der Kurs eines ETF immer am Wert der im Portfolio enthaltenen Firmenanteile orientiert, ist Insiderhandel ebenso strafbar wie bei klassischen Aktiengeschäften. Hegseths Investition wäre also gleich aus mehreren Gründen illegal gewesen: Zum einen ist das US-Verteidigungsministerium der größte Kunde der meisten im IDEF enthaltenen Rüstungskonzerne. 

Vor allem aber wusste er als zuständiger Minister bestens über den geplanten Krieg gegen den Iran und den genauen Angriffszeitpunkt Bescheid. Aus diesem Grund ist es Regierungsmitgliedern grundsätzlich nur eingeschränkt gestattet, an der Börse zu handeln.

Der Kaufauftrag wurde bei Blackrock intern sofort als versuchter Insider-Handel gemeldet, berichten die FT. Von der Investmentbank selbst heißt es, das Geschäft sei abgelehnt worden, weil der IDEF schlicht nicht für Kunden des Konkurrenten Morgan Stanley verfügbar sei. 

Ein Pentagon-Sprecher leugnete dagegen überhaupt, dass es den Auftrag je gegeben habe: „Weder Verteidigungsminister Hegseth noch einer seiner Vertreter hat BlackRock bezüglich einer solchen Investition kontaktiert.“

Verdächtige Geschäfte unmittelbar vor Trumps Ankündigungen

Der Bericht fällt in eine Phase, in der Kritiker wie die demokratische Senatorin Elizabeth Warren (Massachussetts) der Trump-Regierung regelmäßigen Insiderhandel im großen Stil vorwerfen. Eines von vielen Indizien: Der Präsident hatte im Vorjahr, kurz bevor er seine angedrohten Strafzölle erstmals verschob, auf seiner Plattform Truth Social geschrieben: „Ein großartiger Zeitpunkt, um Aktien zu kaufen!“

Laut Axios untersucht die US-Börsenaufsicht SEC gerade einen Anstieg verdächtiger Handelsaktivitäten mit Bezug zum Iran-Krieg. So wurden etwa am 23. März knapp 3.000 Wetten auf sinkende Ölpreise (Futures) abgegeben – 16 Minuten, bevor Trump sein Ultimatum an das iranische Regime verlängerte. Reuters zufolge trat die oberste Vollzugsbeamtin der SEC noch am selben Tag zurück.

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