USA

Obama holt Republikaner ins Kabinett

U.S. President Barack Obama (C) meets with co-chairmen of the President's Intelligence Advisory Board former Senator Chuck Hagel (R-NE)(R) and former Senator David Boren (D-OK) and senior leadership of the intelligence community in the Cabinet Room at the White House in Washington in this October 28, 2009, file photo. President Barack Obama is expected to announce his nominees for secretaries of state and defense in the next two weeks, with former Republican senator Hagel on the short list of potential choices to head the Pentagon, senior administration officials said on December 4, 2012. REUTERS/Jim Young/Files (UNITED STATES - Tags: POLITICS)
Konservative Republikaner laufen Sturm gegen die Ernennung ihres Partei-Freundes Chuck Hagel zu Obamas Verteidigungsminister.

George Washington hat es vorgemacht: Der erste Präsident der USA holte einige seiner ausgemachtesten Kritiker in seine Regierung. Doch was als großzügige Geste an den politischen Gegner gedacht war, geriet sofort in Vergessenheit. Mehr als zweihundert Jahre sollte es dauern, ehe der Demokrat Bill Clinton die Parteigrenzen wieder überschritt und mit William Cohen einen Republikaner zu seinem Verteidigungsminister kürte. Auch George W. Bush hielt es so und konnte fünf Jahre lang einen demokratischen Verkehrsminister, Norman Mineta, in seinem streng konservativen Kabinett aufweisen.

Dass nun auch US-Präsident Obama zum zweiten Mal einen Republikaner zu seinem Verteidigungsminister machen will – erst Robert Gates, nun Chuck Hagel– überrascht deshalb weniger als der Sturm der republikanischen Entrüstung, der auf Hagel niedergeht.

Vorzeige-Republikaner

Der 66-jährige frühere Senator aus Nebraska erfüllt eigentlich alle Voraussetzungen, die das Herz überzeugter Republikaner zum Glühen bringen würden: Der mit hohen militärischen Orden ausgezeichnete Vietnam-Veteran gilt als Feind einer großen (und teuren) Regierung, lehnt höhere Steuern ab, ist sozial konservativ, tritt gegen die Abtreibung ein und fiel schon einmal wegen extrem kritischer Aussagen gegen Homosexuelle auf.

Dennoch wirft ihm das rechte Lager seiner eigenen Partei vor: Hagel sei viel zu „Israel-kritisch, ja geradezu „anti-israelisch“. Er habe auch nicht bei allen Sanktionen gegen den Iran mitgestimmt. Vor allem aber nehmen Kritiker Anstoß daran, dass sich der Pragmatiker Hagel überhaupt an Obamas Seite stellen will. Hagels Chancen, das Hearing im Kongress zu überstehen, sind gut. Denn Präsident Barack Obama kann mit Recht darauf spekulieren, dass nicht alle Republikaner gegen ihren eigenen Parteifreund stimmen werden.

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