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Bab al-Mandab: Irans zweiter Trumpf neben der Straße von Hormus

Bei einer Schließung der wichtigen Meerenge am südlichen Eingang zum Roten Meer dürfte der Ölpreis weiter deutlich anziehen. Die Houthis im Jemen könnten Bab al-Mandab relativ einfach sperren.
Vessels in the Strait of Hormuz near the beach of Bandar Abbas

Noch hält die neue Waffenruhe zwischen Israel und Iran. Und noch zeigt die Entwicklung des Ölpreises in die vom Westen gewünschte Richtung. Am Dienstag verbilligte sich das Fass der Sorte Brent weiter um rund zwei Prozent auf 92 Dollar, nachdem der Preis seit Beginn des Irankrieges Ende Februar von rund 70 schon auf bis zu 118 Dollar geklettert war. 

Doch wie brüchig die Lage ist, zeigt sich jeden Tag aufs Neue. Entweder im Libanon, wo die Israelis unvermindert gegen die mit Teheran verbündete Hisbollah vorgehen - oder auf hoher See.

Erst am Montag hat das US-Militär einen Tanker im Golf von Oman beschossen, der einen iranischen Hafen anlaufen wollte. Die US-Seeblockade kostet Teheran Unsummen. Wenig verwunderlich erneuerte Iran daher eine zentrale Drohung, nämlich eine weitere Meerenge zu blockieren. 

Konkret wollen die iranischen Al-Quds-Brigaden, die Eliteeinheit der Revolutionsgarden, einen neuen Sicherheitsgürtel errichten, sprich wieder eskalieren. Dieser iranische "Gürtel des Widerstands" soll sich von der Straße von Hormus bis zur Meerenge Bab al-Mandab vor der Küste des Jemens erstrecken. Die Trumpfkarte Teherans, neben der Blockade der Straße von Hormus auch die wirtschaftlich bedeutsame Meerenge am südlichen Eingang zum Roten Meer zu schließen, ist bekannt. Das hätte jedoch, würde die Sperre tatsächlich umgesetzt, massive Auswirkungen auf den Ölpreis. Darin sind sich Analysten einig.

Wie ABC-News berichtete, bezifferten Analysten der US-Investmentbank JP Morgan den möglichen Aufschlag beim Ölpreis durch Probleme in der Bab al-Mandab-Straße bereits Ende März 2026 auf bis zu 20 US-Dollar je Barrel. Sollten beide Meerengen, Hormus und Bab al-Mandab, für längere Zeit geschlossen bleiben, wären auch Preise zwischen 150 und 200 US-Dollar je Barrel möglich.

Der Grund liegt auf der Hand, das Erdöl-Angebot auf dem Weltmarkt würde weiter sinken. Das markanteste Beispiel: Um die Blockade von Hormus zu umgehen, pumpen die Saudis nun Rohöl über eine Ost-West-Pipeline an ihre Küste am Roten Meer und verschiffen dort Millionen Barrel an Rohöl zum Transport nach Asien. 

Wird auch diese Ausweichroute durch die Meerenge Bab al-Mandab von der mit Teheran verbündeten Houthi-Miliz im Jemen geschlossen, was wohl mit ein paar gezielten Angriffen auf Öltanker erledigt wäre, dürfte der Ölpreis wieder massiv anziehen. Mit all den wirtschaftlichen Folgen auf die Energieversorgung und die Inflation weltweit.

Zwei Meerengen

Die "zweite" wichtige Meerenge neben der Straße von Hormus

Bab al-Mandab wird auch als das "Tor der Tränen" bezeichnet. Ihren Namen verdankt die maximal 30 Kilometer breite Meerenge zwischen Jemen im Osten beziehungsweise Eritrea und Djibouti an der Westküste den zahlreichen Schiffskatastrophen und Menschenleben, die im Laufe der Geschichte hier verloren gingen. 

Die wirtschaftliche Bedeutung ist immens: Über die Meerenge läuft ein Großteil des Schiffsverkehrs in Richtung Suez-Kanal und damit von Asien nach Europa. Sie gilt nach der Straße von Hormus aber auch als eine der kritischsten Energierouten der Welt. Bis zu zehn Prozent des auf dem Seeweg transportierten Erdöls und verflüssigten Erdgases (LNG) werden durch Bab al-Mandab transportiert. Rund 20 Prozent sind es in der Straße von Hormus.

Probleme gibt es freilich schon lange. Nach dem Hamas-Angriff auf Israel am 7. Oktober 2023 und dem Beginn des Gaza-Krieges begannen die Houthis im Jemen mit dem Beschuss von Handels- und Marineschiffen im Roten Meer. Dies wurde mit US-Angriffen auf Raketenstellungen und andere Ziele im Jemen beantwortet. 

Vielfach werden Schiffe nach Europa seither umgeleitet und umfahren jetzt Afrika um das Kap der Guten Hoffnung, was Transportzeiten empfindlich verlängert und Frachtkosten stark erhöht.

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