© REUTERS/GORAN TOMASEVIC

Politik Ausland
06/15/2019

USA gegen Iran: Falken auf Kollisionskurs

Hochspannung am Persischen Golf: In Washington und Teheran ziehen radikale Kräfte die Fäden.

von Konrad Kramar

Seinem eigenen Außenminister wollte Donald Trump nicht nachstehen, also wiederholte er auf Trumpianisch, was Mike Pompeo schon vorher deutlich gemacht hatte: "Der Iran hat es getan."

Das Regime in Teheran also würde hinter den Angriffen auf zwei Tanker im Golf von Oman stehen. Das plötzliche aufgetauchte körnige Schwarzweiß-Video von einem der beiden Schiffe nach der Explosion würde das beweisen. Die Skepsis europäischer Spitzenpolitiker und internationaler Experten über die Aussagekraft dieses Videos kümmerte den US-Präsidenten wenig. Das stehe großflächig Iran drauf, polterte er in seinem US-Lieblingssender Fox News.

1. Golfkrieg (Krieg Iran-Irak, 1980-1988)

Sinnloses Opfer: Im Iran-Irak-Krieg schickt Teheran Jugendliche in die irakischen Minenfelder, Zehntausende kommen um

2. Golfkrieg (Befreiung Kuwaits, 1991)

Im Golfkrieg 1991 lässt Saddam Hussein die kuwaitischen Ölfelder anzünden, um den Vormarsch der US-Truppen aufzuhalten

3. Golfkrieg (Invasion im Irak, 2003)

Bis zum Einmarsch der US-Truppen in Bagdad 2003 und dem Sturz der Saddam-Statue sollten nur wenige Wochen vergehen

Was aber die mögliche US-Reaktion auf den Vorfall betrifft, gab sich Trump vorsichtiger als Pompeo. Während der von einer "nicht akzeptablen Eskalation" der Spannungen in der Golfreaktion durch den Iran gesprochen und angekündigt hatte, dass die USA ihre Interessen und ihre Truppen im Golf verteidigen würden, war Trump merklich um Mäßigung bemüht. Er sei jederzeit bereit, mit dem iranischen Regime zu reden, so wie er mit Nordkoreas Diktator geredet habe. Und mit einer Reaktion auf die jüngsten Vorfälle, betonte er, habe er es momentan überhaupt nicht eilig.

Trumps falsches Kalkül

Trump steckt mitten in einem Konflikt mit China, in dem seine simplen politischen Strategien nicht fruchten. Außerdem ist er damit beschäftigt, gegenüber Mexiko in der Frage der Migration den starken Mann zu markieren – also jene Rolle, die er ja auch im bereits heftig anlaufenden Präsidentschaftswahlkamp spielen möchte.

Ein möglicherweise militärisch eskalierender Konflikt mit dem Iran passt ihm da gar nicht ins Konzept. Trump will ja von teuren und möglicherweise verlustreichen Militäroperationen fern der Heimat nichts wissen. Er hatte darauf gesetzt, dass sich Teheran früher oder später dem Druck der immer weiter verschärften Sanktionen beugt. Davon ist aber nichts zu bemerken.

Außenminister Mike Pompeo aber und der zweite Falke im Trump-Kabinett, der Nationale Sicherheitsberater John Bolton, sind da ganz anderer Ansicht. Sie drängen seit langem auf eine direkte militärische Konfrontation mit dem Iran – und die aktuelle Eskalation spielt ihnen in die Hände.

Interesse an einem Konflikt gibt es auch auf der anderen Seite, in Teheran. Während die Regierung von Präsident Hassan Ruhani versucht, einen moderaten Kurs zu halten, um vor allem die Europäer nicht zu verärgern, sind im Umfeld von Religionsführer Khamenei die Brandstifter am Werk. Irans Revolutionsgarden, die streng ideologische Eingreiftruppe des Religionsführers, sind in allen Konfliktherden des Nahen Ostens unterwegs, in Syrien ebenso wie im Libanon oder eben im Persischen Golf – mit Schnellbooten von genau dem Typ, wie er auf dem umstrittenen Video zu sehen war. Außerdem ist man stark im Ölgeschäft engagiert und damit über die Preissteigerungen, die die jüngste Eskalation verursacht hat, gar nicht unglücklich.

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.