Runde zwei für die Obamas

USA OBAMA SWEARING IN
Foto: APA/Charles Dharapak Am Sonntag hat Barack Obama im Familienkreis im "Blue Room" des Weißen Hauses den offiziellen Amtseid ablegt.

Der "Change" war vor vier Jahren nicht nur politisch spürbar, auch im Weißen Haus hat die First Family einiges umgekrempelt.

Am Sonntag hat US-Präsident Barack Obama im Familienkreis im "Blue Room" des Weißen Hauses den offiziellen Amtseid ablegt. Die pompöse Vereidigungszeremonie am Kapitol findet am Montag statt. Damit startet offiziell die zweite Amtszeit von Barack Obama. Politisch ist nach den ersten vier Obama-Jahren an manchen Stellen der Lack ab. Aber nur wenig hat sich abgenutzt vom Glanz der First Family, die einen völlig neuen Stil ins Weiße Haus gebracht hat.

Was die Obamas tun, was die "Fashion Queen" Michelle trägt, in ihrem Gemüsegarten erntet, was der Präsident gern isst, wie die Töchter Sasha und Malia ihren Geburtstag feiern - die Amerikaner wollen noch immer alles wissen. Nicht, dass viel von dem bekannt würde, was sich im Privatquartier im ersten Stock des Weißen Hauses tut. Aber als moderne Familie lassen die Obamas doch mehr durchblicken über ihr Leben als ihre Vorgänger. So hat Michelle just zu ihrem 49. Geburtstag einen eigenen Twitter-Account freigeschaltet - und sich über den Kurzmitteilungsdienst für die vielen Glückwünsche bedankt.

Nachteule versus Frühaufsteher

Am ersten Arbeitstag erschien der Präsident in Hemdsärmeln im Oval Office - das hat es unter seinem Vorgänger George W. Bush nie gegeben. Bush ging auch gern früh ins Bett und stand früh auf, die täglichen Briefings über geheimdienstliche Erkenntnisse und die Wirtschaftsentwicklung begannen zu Zeiten des Republikaners um sechs Uhr morgens. Da schläft der Demokrat Obama meistens noch. Der Wecker geht um sieben, eine halbe Stunde später heißt es ab ins Fitness-Studio in der zweiten Etage des Weißen Hauses. Danach wird rasch gefrühstückt, ein Blick auf das iPad oder in die Zeitungen - manchmal wird es zehn, bis für Obama die Briefings beginnen.

Aber dafür ist Obama eine ausgesprochene Nachteule. Er ist meistens bis ein Uhr auf, Michelle liegt dann in der Regel schon seit drei Stunden im Bett. Und das sind jene drei Stunden, die der Präsident ganz für sich selbst hat, wenn er liest, reflektiert und sich auf den nächsten Tag vorbereitet, wie es Michael Lewis in einem Obama-Porträt in Vanity Fair beschrieb.

Partytiger und Familienmensch

Darin wird auch verraten, was der Präsident für den besten Platz auf der Welt hält. Er ist gern im Oval Office, "es ist überraschend bequem", wird Obama zitiert. Aber noch besser gefällt es dem 51-Jährigen auf dem Truman-Balkon der Privatetage, mit Blick auf den Südrasen. Hier sitzt Obama oft am Abend mit Michelle. "Näher kann man dem Gefühl, im Freien zu sein, nicht kommen", sagt Obama. "Dem Gefühl, nicht in einer Blase zu sein."

Dass er sich manchmal eingeengt fühlt, den freien Umgang mit Freunden vermisst, das lässt Obama immer mal wieder durchblicken. "Man kann nicht einfach so herumlaufen. Man trifft nicht einfach plötzlich auf einen Freund, den man seit Jahren nicht gesehen hat", wird er in Vanity Fair zitiert. Man passe sich "dem Verlust an Anonymität und Überraschung" an, "aber man gewöhnt sich nicht daran, jedenfalls nicht ich."

Dabei gehört es zum frischen Stil der Obamas, dass sie gern im Weißen Haus auch mal bis spät in die Nacht mit anderen das Tanzbein schwingen. Das Erste Paar der Nation liebt den Spaß, Cocktailpartys, Pop und Rock. Stars werden oft zum Privatkonzert ins Weiße Haus eingeladen, wie etwa Mick Jagger im vergangenen Jahr. Und dann gibt es die "Date Nights", jene kostbaren Rendezvous-Abende, wenn die Obamas ausgehen und romantisch speisen. "Sie sind das erste First Couple mit einer erkennbaren sexuellen Chemie seit den Kennedys", beschrieb es einmal die Zeitung The Independant.

Inaugural Kids Concert Foto: AP/Frank Franklin II Michelle Obama geht mit einer neuen Haarfrisur in ihre zweite Amtszeit als First Lady. Aber in erster Linie sind Barack und Michelle Obama Eltern. So versucht der Präsident, mindestens fünfmal pro Woche abends mit Frau und Töchtern zusammen zu essen. Sasha ist mittlerweile elf. Malia ist 14 und wird volljährig sein, wenn die Obamas aus dem Weißen Haus ausziehen. Toll treiben können es die Mädchen nicht, die Eltern legen großen Wert auf ein möglichst geregeltes Leben für den Nachwuchs. Das heißt etwa: Die Zeit vor dem Fernseher und am Computer sind strikt begrenzt. "Facebook"? Viel zu riskant.

Der Präsident erwähnt seine Kinder viel, erst kürzlich wieder, in der letzten Pressekonferenz seiner ersten Amtszeit. Da sagte er, seine Töchter würden älter und wollten nicht mehr so viel Zeit mit ihm verbringen. Das werde ihm die Gelegenheit geben, sich nach einem Partner zum Kartenspielen umzusehen - "denn ich werde irgendwie einsam in diesem großen Haus". Es soll wohl ein Scherz sein, aber klingt doch zugleich ernst.

Rückblick

Obamas erste Amtszeit zum Durchklicken

Al-Serori
Foto: Jeff Mangione

Als Hoffnungsträger 2009 gestartet, hat der 44. Präsident einen neuen, unverkrampften Stil im Weißen Haus eingeführt. Vom Ende des Irakkrieges bis zur Gesundheitsreform wurde viel versprochen, aber nicht alles eingehalten. Der KURIER hat die Höhepunkte von Obamas Präsidentschaft in einer interaktiven Timeline zusammengefasst.

 

Obama privat

Der US-Präsident ist Mann des Jahres 2012 - ein Rückblick mit Fotos.

north2.jpg

Das US-Nachrichtenmagazin Time hat Barack Obama nach 2008 erneut zum Mann des vergangenen Jahres gekürt. Fotograf Peter Souza hat den Präsidenten vier Jahre lang privat und im Job begleitet und einige erinnerungswürdige Momente festgehalten. Es folgt ein unvollständiger Rückblick.

Geschafft: Michelle und Barack Obama kurz vor Obamas Angelobung zum Präsidenten der Vereinigten Staaten im Jänner 2009  in Washington. Höhepunkt: Obama betritt die Bühne für seine Angelobung als Präsident der Vereinigten Staaten im Jänner 2009. Ballgefühl: Barack Obama und seine Frau Michelle auf dem Weg zu den zehn Bällen zu Ehren seiner Angelobung im Jänner 2009. Alles neu: Obama verschiebt Möbel mit Hilfe des Gouverneurs von Vermont, Jim Douglas, im Februar 2009. Führung: Barack Obama spaziert im März 2009 - kurz nach dem Einzug - mit seinen Töchtern Malia (l) and Sasha (r) durch den Säulengang im Weißen Haus. Mitarbeitergespräch: Eigentlich wollte sie seinen Job: Obama bespricht sich mit seiner Ex-Außenministerin Hillary Clinton im April 2009 im Garten des Weißen Hauses. Hobbies: Obama und sein Vize, Joe Biden, üben das Putten vor dem Weißen Haus im April 2009. Alltag: Sasha versteckt sich hinter dem Sofa im Oval Office im Weißen Haus im August 2009. Sportsmann: Der Präsident versucht sich sportlich zu präsentieren im August 2009. Weihnachten 2009: Oprah Winfrey ist zu Gast bei den Obamas im Blue Room. Truppenbesuch: Obama besucht US-Soldaten in Afghanistan im März 2010. Männergespräche: Obama berät sich mit dem damaligen russischen Präsidenten Dmitri Medvedev in Arlington, Virginia, im Juni 2010. Familienurlaub: Obama schwimmt gemeinsam mit seiner Tochter Sasha in Florida im August 2010. Historischer Augenblick: Obama und sein Regierungsteam beobachten die Stürmung von Osamas bin Ladens Versteck in Pakistan im Mai 2011. Vorbereitung: Obama fliegt noch einmal über seine Rede nach der Tötung Osama bin Ladens im Mai 2011. TV-Abend: Die First Family schaut gemeinsam Fußball (USA gegen Japan) im Juli 2011. Familienfoto: Die Obamas auf ihrem Weihnachtsfoto 2011 Obama informiert John Buchanan am Telefon über die Rettung seiner Tochter Jessica, eine Entwicklungshelfern, in Somalia im Jänner 2012. Jessica Buchanan war zuvor von somalischen Piraten entführt worden. Fußballfans?: Englands Premier David Cameron, Obama, Deutschlands Kanzlerin Angela Merkel, EU-Kommissionspräsident Jose Manuel Barroso, und andere verfolgen das Champions-League-Finale Chelsea gegen Bayern München während des G8-Gipfels in Camp David im Mai 2012. Fanpublikum: Der Präsident und seine beiden Töchter verfolgen die Rede der First Lady auf dem Parteitag der Demokraten im September 2012.
2012 wird Barack Obama "Person of the year". Er war es schon einmal. Der anonyme Demonstrant 2011 Mark Zuckerberg 2010 Ben Bernanke 2009 Barack Obama 2008 Vladimir Putin 2007 Keine Person im speziellen 2006 George W. Bush 2004 Der amerikanische Soldat 2003 Rudolph Giuliani 2001 Weitere interessante Personen: 1994 wurde Papst Johannes Paul II geehrt. Joseph Stalin kam gleich zwei Mal auf das Time-Cover: 1939 und 1942 1982 war die Person des Jahres eine Maschine: Der Computer. Die erste "Person des Jahres" überhaupt wurde 1927 Charles Lindbergh.
(Kurier, apa / mn) Erstellt am
Posts anzeigen
Posts schließen
Melden Sie den Kommentar dem Seitenbetreiber. Sind Sie sicher, dass Sie diesen Kommentar als unangemessen melden möchten?