Politik | Ausland
17.03.2016

Republikaner in der Sackgasse

Durch eine "brokered convention" könnte man den Kandidaten Trump umgehen. Aber will man das?

Kampfabstimmung statt Krönungsparteitag? Hauen und Stechen statt sorgfältig inszenierte Eintracht? Für alle Gegner von Donald Trump sieht so der einzige Rettungsanker aus. Sollte der umstrittene Favorit auf das Präsidentschaftsticket bis zum Sommer nicht die notwendigen 1237 Delegiertenstimmen einsammeln, könnten die Republikaner laut Statuten im Juli in der Quicken Loans-Arena in Cleveland einen anderen Bewerber ins Rennen um das Weiße Haus schicken.

Hinterzimmer-Kungelei

Eine "brokered convention" – ein Wahlparteitag also, auf dem im Stil von Hinterzimmer-Kungelei ein Kompromisskandidat ausgehandelt und zur Abstimmung gestellt wird – hat es bei den Konservativen zuletzt 1948 gegeben. New Yorks Gouverneur Thomas Dewey setzte sich im dritten Wahlgang durch, verlor aber später die Wahl ums Weiße Haus überraschend gegen Harry S. Truman.

Was im Jahr 2016 bei einer "brokered convention" passieren würde, ist offen. Regeln können in letzter Minute neu geschrieben werden. Im Kern steht dieses Prinzip: Im ersten Wahlgang sind nahezu alle Delegierten an das Votum ihres Bundesstaates gebunden. Kommen dabei nicht zumindest die magischen 1237 Stimmen für einen Kandidaten zusammen, steht ab Wahlgang zwei alles auf Null. Die Abstimmung wird schrittweise freigegeben.

Profiteure wären aus heutiger Sicht Trumps Rivalen Cruz oder Kasich. Oder ein "weißer Ritter", der erst in Cleveland aufs Pferd gesetzt werden würde.

Romney und Ryan

Wer? Häufig fallen die Namen Mitt Romney und Paul Ryan. Vorsicht. Romney hat bereits zwei Mal erfolglos für das höchste Amt kandidiert. Paul Ryan, als Sprecher des Repräsentantenhauses die Nr 3. im Staatsgefüge, will sich nicht in die Pflicht nehmen lassen. Bislang.

Zwei Aspekte sprechen allerdings gegen eine "brokered convention": Eine Kampfabstimmung, an deren Ende nicht der bis heute dominierende Donald Trump stünde, würde die Republikaner zerreißen. Millionen Amerikaner, die sich aus Wut für den Milliardär und bewusst gegen Kandidaten des Establishments ausgesprochen haben, würden den Putsch von oben zur Revolte nutzen. Juristische Gefechte (mit Prozesshansl Trump vorneweg), die Neugründung einer radikalen Absplitterung und massenhafte Wahlenthaltung wären nicht auszuschließen. Die "Grand Old Party" ginge als geteert und gefedert in die Wahl im November. Ein zusätzlicher Startvorteil für die Demokraten, bei denen es friedlich zielsicher auf Hillary Clinton zuläuft.

Noch schlimmer wäre, wenn Trump auch bei der "brokered convention" das bessere Ende für sich hätte. Das wäre möglich. Der Mann bezeichnet sich als "Weltmeister des Deals". Würde er hinter den Kulissen des Parteitags die gegnerischen Strippenzieher übertrumpfen, wäre das für die Republikaner der Sargnagel. Amerikas Zwei-Parteien-System würde daran zerbrechen.