Politik | Ausland
06.06.2017

Russland weist Angriff auf US-Wählerdaten zurück

Ein "Intercept"-Bericht befasst sich mit russischen Versuchen einer Beeinflussung der US-Wahl 2016. Eine junge Frau soll NSA-Informationen weitergegeben haben und wurde verhaftet.

Russland hat die jüngsten Vorwürfe im Zusammenhang mit Cyberangriffen auf die US-Präsidentschaftswahl entschieden zurückgewiesen. "Diese Behauptungen entsprechen nicht der Wirklichkeit", sagte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow am Dienstag nach der Veröffentlichung eines vertraulichen US-Geheimdienstberichts. Es gebe keinerlei Belege für die Anschuldigungen.

Die Enthüllungsplattform The Intercept hatte am Dienstag ein streng geheimes Dokument des Geheimdienstes NSA veröffentlicht. Demnach versuchten Hacker mit Verbindungen zum russischen Militärgeheimdienst GRU über Monate hinweg, Informationen über die bei der Wahl eingesetzte Hard- und Software zu erlangen. Dazu seien unter anderem Phishing-E-Mails versendet worden um Schadsoftware zu platzieren. Außerdem habe es Versuche gegeben, Login-Daten zu stehlen.

Noch stärkere Beeinflussung der Wahl?

Demnach zeigten die NSA-Dokumente eindeutig, dass der russische Militärgeheimdienst noch weitgehender in die US-Wahl 2016 einzugreifen versuchte als bekannt. Belegt seien demnach nun auch Attacken auf Systeme der Wählerregistrierung.

Wie erfolgreich der Versuch gewesen sei und welche Daten möglicherweise gestohlen wurden, bleibe allerdings unklar, heißt es demnach in dem NSA-Bericht.

Festnahme kurz nach Bericht

Kurz nach Veröffentlichung des Intercept-Berichts wurde eine 25-jährige Angestellte eines privaten Dienstleisters der US-Geheimdienste festgenommen, die vertrauliche NS-Informationen weitergegeben haben soll. Das Justizministerium bestätigte eine entsprechende Festnahme im US-Bundesstaat Georgia am Montag. Dem US-Sender NBC wurde ein unmittelbarer Zusammenhang mit einem nur eine Stunde zuvor erschienenen Intercept-Bericht bestätigt.

Russland wird seit längerem vorgeworfen, den US-Wahlkampf mit Hackerangriffen zugunsten des späteren Wahlsiegers Donald Trump beeinflusst zu haben. Die Regierung in Moskau weist diese Anschuldigungen zurück.

Die US-Regierung unter Trump hat angekündigt, mit aller Macht gegen Leaks und die Weitergabe geheimer Informationen vorzugehen.

Der stellvertretende Chefankläger Rod Rosenstein erklärte am Montag zu der Festnahme, die Weitergabe vertraulichen Materials gefährde die nationale Sicherheit und untergrabe das Vertrauen in die Regierung.

Website "Intercept" wegen Snowden bekannt

The Interceptist eine Website, die unter anderem von Laura Poitras und Glenn Greenwald betrieben wird. Sie gelangte im Zusammenhang mit dem NSA-Whistleblower Edward Snowden zu einiger Berühmtheit.

Habt ihr alle euren Verstand verloren?

Das sei alles Blödsinn, sagte Putin am Sonntag in einem Interview mit den US-Sender NBC News. Zwischen ihm und Trump bestünde keine persönliche Beziehung, obwohl Trump als Geschäftsmann auch nach Russland gereist war.

Derzeit seien etwa Vertreter von 100 US-Firmen in Russland. "Gehen sie davon aus, dass wir über alle kompromittierendes Material sammeln?", sagte Putin. "Habt ihr alle euren Verstand verloren?"

Putin hat erst vor wenigen Tagen bestritten, dass es zwischen der Führung in Moskau und Trump vor dessen Amtsantritt Geheimabsprachen gegeben haben soll. Mehrere Ausschüsse des US-Kongresses untersuchen derzeit, ob Russland im Präsidentenwahlkampf 2016 zugunsten Trumps Einfluss nahm und ob es Absprachen zwischen seinem Wahlkampfteam und Russland gab.