Politik | Ausland 24.01.2013

US-Militär schickt Frauen an vorderste Front

Frauen durften im Krieg kämpfen und sterben, doch der Dienst in Infanterie und Artillerie blieb ihnen verschlossen. Das soll sich nun ändern.

Der Hubschrauber der Pilotin Mary Jennings Hegar wurde in Afghanistan vom Himmel geschossen, als sie Kameraden retten wollte. Sie erwiderte das Feuer und wurde durch eine Granate verletzt. Für ihren Einsatz erhielt sie das Abzeichen „Purple Heart“. Was ihr aber verwehrt blieb, ist die Möglichkeit, sich für Führungspositionen in Kampfeinsätzen zu bewerben. Denn offiziell hat Hegar keine Kampferfahrung.

Diese bürokratische Hürde soll nun fallen: Die US-Streitkräfte wollen Frauen künftig erlauben, an der Front zu kämpfen. Am Donnerstag stellte der scheidende Verteidigungsminister Leon Panetta seine Pläne vor.

Kampf-Realität

Schon im vergangenen November hatten vier Soldatinnen, darunter Mary Jennings Hegar, den Verteidigungsminister geklagt (der KURIER berichtete). Bisher wurden Frauen abseits von Kriegsfronten im Militär eingesetzt, ein Gesetz von 1994 verbot es Soldatinnen, in kleinen Einheiten am Boden zu kämpfen. Somit waren sie von vielen Positionen in Artillerie und Infanterie ausgeschlossen. Diese Regeln wurden jedoch längst ausgehöhlt: Auch Frauen, die als medizinisches Personal oder im Geheimdienst eingesetzt wurden, kamen oft genug ins Kreuzfeuer; im Irak und in Afghanistan gab es keine klaren Kampffronten. Frauen, die dort waren, waren mittendrin, selbst wenn sie auf dem Papier den Einheiten nicht zugeordnet waren.

Laut Pentagon gibt es zurzeit 204.000 Soldatinnen, das sind rund 15 Prozent der US-Streitkräfte. Mit den neuen Regeln könnten 230.000 weitere Jobs für sie geöffnet werden, auch in den höheren Rängen. Bis 2016 soll feststehen, wo Ausnahmen noch sinnvoll sind. Ein Teil soll aber heuer umgesetzt werden.

Contra

Anders als Hegar sind mit der Regelung nicht alle zufrieden: Das christliche Family Research Council etwa übt heftige Kritik. Es gebe auf Kampfschauplätzen keine Hygienemöglichkeiten, so General Jerry Boykin vom Council. Dass die Militärs nun auch noch dafür sorgen müssten, in tödlichen Situationen auf die unterschiedlichen Geschlechter zu achten, stelle eine Ablenkung dar. „Ist es dieses soziale Experiment wert, den Anführern kleiner Einheiten eine solche Bürde aufzuladen?“ Dalton Trimble, Obergefreiter aus Kentucky, gab sich im Radio besorgt: „Wenn immer Frauen um einen herum sind, muss man aufpassen, was man sagt.“

( Kurier ) Erstellt am 24.01.2013