Iran-Verhandlungen: Kriegsgegner Vance auf Mission impossible
"Vergiftet“ nennen Kommentatoren die Aufgabe, die Donald Trump seinem Stellvertreter aufgebürdet hat. Bisher dienten ihm stets Steve Witkoff und Schwiegersohn Jared Kushner als diplomatische Geheimwaffen, jetzt kommt erstmals JD Vance zum Zug: Der Vizepräsident soll in Islamabad in den kommenden Tagen über Krieg oder Frieden im Iran entscheiden – doch diese Aufgabe scheint nahezu unlösbar.
Das liegt nicht nur daran, dass Vance nicht gerade der geeignetste Kandidat dafür ist. Kaum ein anderer Politiker aus Trumps Dunstkreis hat sich so vehement gegen militärische Interventionen ausgesprochen wie er. Auch jetzt soll er Trump kurz vor Kriegsbeginn noch davon abgeraten haben.
Als Grund für seinen Pazifismus dient ihm sein Einsatz bei den Marines im Irakkrieg. „Ich habe den Fehler gemacht, den Irakkrieg zu unterstützen. Ich war belogen worden.“ Den Irakkrieg sei ein „strategisches Desaster“ gewesen, sagte er stets – das bekommt auch Trump in Sachen Iran zu hören.
Dazu kommt, dass der 41-Jährige diplomatisch komplett unerfahren ist. Manche meinen gar, er sei dafür ungeeignet: Von sich reden machte er zuletzt mit seiner Wutrede auf Europa bei der Münchner Sicherheitskonferenz und als er Wolodimir Selenskij im Oval Office abkanzelte.
Nuklear-Drohung
Andererseits hat Vance auch schon bemerkenswerte Wandlungen hingelegt. Nach seinem rasanten Aufsteig durch den Roman „Hillbilly Elegy“ wandelte er sich vom Trump-Hasser (er verglich ihn sogar mit Hitler) zu dessen Schützling. Auch jetzt könnte Vance eine 180-Grad-Wende hinlegen; ein Indiz dafür war sein Auftritt beim Viktor Orbáns Wahlkampf. Da raunte er in puncto Iran von Werkzeugen, „deren Einsatz wir bisher noch nicht beschlossen haben“. Das Weiße Haus musste danach dementieren, dass er von Nuklearwaffen gesprochen hatte.
Doch auch wenn sich Vance inhaltlich Trump beugt, bleibt die Mission in Islamabad eine Herkulesaufgabe. Er hat äußerst schlechte Karten bei den Verhandlungen, denn die Forderungen des Iran sind großteils unerfüllbar: Dass die USA alle eingefrorenen Vermögen freigeben, bevor High-Level-Gespräche starten können, ist eigentlich undenkbar. Genauso wie die USA die Forderung der Mullahs nach Reparationszahlungen für Kriegsschäden nicht erfüllen wollen, das wären Milliardengeschenke an Teheran. Größter Stolperstein sind die nuklearen Fähigkeiten des Iran: Teheran besteht darauf, dass die USA den Mullahs die Anreicherung zugestehen, für Trump waren die 440 Kilo Uran aber der größte Kriegsgrund.
Kein Druckmittel
Dass die USA dem Iran die Handhabe über die Straße von Hormus zugestanden haben, macht Vances Position noch schwächer. Die USA haben nichts außer der Drohung, weiter zu bomben. Die Mullahs können die Meeresenge jederzeit wieder sperren und die Weltwirtschaft in den Abgrund reißen.
Vance steht in Islamabad also vor einer schwierigen Entscheidung. Entweder er unterschreibt erhebliche Zugeständnisse der USA – oder geht und befürwortet damit die Fortsetzung eines Krieges, den weder er noch die US-Öffentlichkeit wollten. In beiden Fällen könnte sich das erheblich auf seine Zukunft auswirken. Vance will 2028 als Präsidentschaftskandidat ins Rennen gehen – eine Schmach in Islamabad wäre da nicht gerade hilfreich.
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