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Politik Ausland
01/05/2020

US-Experte erwartet keinen Krieg: "Iran will sich nicht mit Trump anlegen"

Trauerfeiern für getöteten General Soleimani im Iran. Trump droht Iran mit Gegenschlägen bei Rache-Angriffen. EU dringt auf politische Lösung.

Die USA und der Iran verschärfen ihre gegenseitigen Drohungen nach der gezielten Tötung des iranischen Generals Qassem Soleimani durch das US-Militär. Zugleich bemühten sich Europäer, Russland und China intensiv um eine Deeskalation der Krise.Der Iran will noch am Sonntag über eine weitere Aussetzung seiner Verpflichtungen aus dem internationalen Atomabkommen entscheiden.

Trump droht: 52 Ziele im Visier

US-Präsident Donald Trump droht dem Iran mit Gegenschlägen für den Fall iranischer Vergeltungsangriffe für die Tötung des Generals Qassem Soleimani. Die USA hätten 52 iranische Ziele ins Visier genommen, die das US-Militär angreifen werde, falls der Iran Amerikaner oder amerikanische Einrichtungen attackieren sollte, twittert Trump.

Experte: Iraner werden indirekt antworten, über Cyber-Hacking

Der konservative amerikanische Nahost-Experte Daniel Pipes erwartet keinen iranisch-amerikanischen Krieg. "Die Iraner werden den Vereinigten Staaten indirekt antworten, vielleicht über Cyber-Hacking und andere nichtmilitärische, gewaltfreie Antwortformen", prognostizierte der frühere Dozent am US-Marinekolleg und an mehreren US-Universitäten. "Ich denke, sie könnten Israel und jüdische Interessen angreifen, aber keine Amerikaner", sagte Pipes nach Angaben der von ihm gegründeten Website Middle East Forum. "Sie wollen sich nicht mit Trump anlegen."

EU fordert Iran auf, Eskalation zu vermeiden

Die EU dringt auf eine politische Lösung des Konflikts. Im Gespräch mit Irans Außenminister Mohammed Javad Zarif betonte der EU-Außenbeauftragte Josep Borrell, "dass letztlich eine regionale politische Lösung der einzige Weg nach vorne ist, und dass die EU bereit ist, diesen zu unterstützen". Zudem habe Borrell den Iran dazu gedrängt, Zurückhaltung zu üben und eine weitere Eskalation zu vermeiden.

Vatikan verschärt Sicherheitsvorkehrungen

Der Papst hat beim Angelus-Gebet am Sonntag einen Appell für Frieden an die Gläubigen gerichtet. "Krieg führt nur zu Tod und Zerstörung", sagte der Heilige Vater. Er rief alle Parteien auf, die "Flamme des Dialogs" aufrecht zu erhalten und "Selbstkontrolle" zu bewahren. Aus Sorge vor einer Reaktion aus Teheran sind die Sicherheitsvorkehrungen rund um den Vatikan verschärft worden.

Trauerfeiern für getöteten General Soleimani

In der südwestiranischen Stadt Ahvaz haben am Sonntag die Trauerfeiern für den bei einem US-Drohnenangriff im Irak getöteten einflussreichen General Qassem Soleimani begonnen. In einer Live-Übertragung im iranischen Staatsfernsehen waren tausende in schwarz gekleidete Trauernde zu sehen. Der Leichnam Soleimanis soll im Laufe des Tages in Ahvaz eintreffen.

Website von US-Behörde gehackt

Die offizielle Website einer US-Behörde ist am Samstag von angeblichen iranischen Hackern gekapert worden. Auf dem Internetauftritt der Behörde für die Verbreitung von US-Regierungspublikationen (FDLP) erschienen am Samstag der Schriftzug "Iranische Hacker" sowie Bilder des obersten geistlichen Führers des Iran, Ayatollah Ali Khamenei.

Proteste in 70 US-Städten

In dutzenden US-Städten sind am Samstag Demonstranten auf die Straße gegangen, um gegen die gezielte Tötung des iranischen Top-Generals zu protestieren. Etwa 200 Menschen versammelten sich vor dem Weißen Haus in Washington und riefen: "Keine Gerechtigkeit, kein Frieden, USA raus aus der Golf-Region". Zu den Protesten aufgerufen hatten linksgerichtete Organisationen.