Aufregung in Ungarn: Gerüchte um Sexvideo von Orbán-Herausforderer

Mitten im Wahlkampf wird mit der Veröffentlichung eines Sexvideos des Oppositionellen Péter Magyar gedroht. Der spricht von Ablenkung und "russischen" Methoden.
Aufregung in Ungarn: Gerüchte um Sexvideo von Orbán-Herausforderer

"Sie erpressen und drohen seit langem mit Videoaufnahmen und Verleumdungskampagnen, und es scheint, dass sie [...] eine Kampagne im russischen Stil starten werden, die bisher unvorstellbar schien."

Der ungarische Oppositionelle und Vorsitzende der aussichtsreichen Tisza-Bewegung, Péter Magyar, hat auf X geschrieben, dass er seit Längerem mit der Veröffentlichung eines Sexvideos bedroht werde. "Ich vermute, dass sie vorhaben, eine mit Geheimdienstmitteln aufgenommene und möglicherweise gefälschte Aufnahme zu veröffentlichen, auf der meine damalige Freundin und ich beim Intimverkehr zu sehen sind", erklärte Magyar. Ungarn befindet sich mitten im Wahlkampf, am 12. April wird ein neues Parlament gewählt.

Magyar betonte: "Ja, ich bin ein 45-jähriger Mann und habe ein Sexualleben. Mit einer erwachsenen Partnerin." Zugleich verwies er darauf, dass er drei minderjährige Kinder habe, deren Schutz durch eine Veröffentlichung gefährdet würde. Er werde sich keiner Erpressung beugen: "Fälscht nach Belieben, ich werde mich weder erpressen noch einschüchtern lassen." Magyar war früher selbst Mitglied der regierenden Fidesz-Partei und einst mit der damaligen Justizministerin Judit Varga verheiratet. 

Medien sprechen von "Orgie"

Magyar rechnet damit, dass die Veröffentlichung zwei Jahre nach seinem Interview mit dem unabhängigen YouTube-Kanal Partizán stattfindet, also am Mittwoch, 11. Februar 2026. In dem Interview hat Magyar schwere Korruptionsvorwürfe gegen Ministerpräsident Viktor Orbán vorgebracht; danach war er innerhalb weniger Wochen zum einflussreichsten Oppositionellen und Herausforderer Orbáns aufgestiegen.

Vor der Stellungnahme tauchte im Internet eine Website mit dem Namen des Tisza-Vizechefs Márk Radnai auf. Unter der Adresse soll ein Schwarz-Weiß-Bild eines ungemachten Bettes mit dem Hinweis "Coming soon" (übersetzt: "in Kürze") zu sehen gewesen sein. Besagte Website war am Mittwochnachmittag nicht länger abrufbar. Mehrere regierungsnahe Medien schrieben von einem Gerücht, wonach ein Video eine "Orgie" mit Magyar und Radnai zeigen solle.

Magyar wies diese Darstellung zurück. Er hält es für möglich, dass Aufnahmen manipuliert worden sein können. Radnai erklärte ungarischen Medien, das abgebildete Zimmer nicht zu kennen. Er habe gehört, dass man ihn mit einer homosexuellen Beziehung in Verbindung bringen wolle, diese Behauptungen seien jedoch unbegründet.

Lobbyiert trotz Schadstoffe 

Magyar schrieb auf X, die ungarische Regierung wollte damit von einem anderen Thema ablenken: Das Investigativportal Telex hat zu einer Batteriefabrik des südkoreanischen Konzerns Samsung recherchiert, die sich in der ungarischen Kleinstadt Göd nahe Budapest befindet. Dort sollen Beschäftigte und die Bewohner der Umgebung dem Risiko krebserregender Stoffe ausgesetzt gewesen sein. Das Unternehmen habe seinen Mitarbeitern wissentlich geschadet und wurde von der Politik gedeckt, so der Vorwurf.

Ungarns Außenminister Péter Szijjártó soll gegen die Schließung der Akkufabrik lobbyiert haben, obwohl diese massiv gesundheitsschädliche Grenzwerte überschritt. Szijjártó kündigte am Dienstag eine Klage gegen Telex sowie Oppositionsführer Magyar an.

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