Politik | Ausland
12.04.2018

Ungarn: Regierungszeitung publizierte Liste von "Soros-Leuten"

Die Anti-Soros-Propaganda geht weiter © Bild: AP / Darko Vojinovic

Der österreichische Politologe Anton Pelinka taucht auf der Liste auf. "Das ist ein Einschüchterungsversuch", sagt er zum KURIER

Vier Tage nach dem Wahlsieg des rechtsnationalen Ministerpräsidenten Viktor Orban steigt der Druck auf kritische Stimmen in Ungarn. Die Wochenzeitung "Figyelö" veröffentlichte am Donnerstag eine Liste von 200 Personen, die angeblich zum Netzwerk des US-Milliardärs und Philanthropen George Soros gehören. Darauf zu finden ist auch der österreichische Politologe Anton Pelinka.

Pelinka unterrichtet seit 2006 an der von Soros gegründeten Budapester Central European University (CEU). Unter dem Titel "Die Leute des Spekulanten" listet die "Figyelö" neben Professoren der CEU auch Führer verschiedener Menschenrechtsorganisationen auf. Es handle sich um einen Teil jener 2.000 "Söldner", die in Ungarn "für Soros oder die von ihm bezahlten Organisationen arbeiten", schrieb das Blatt.

Pelinka selbst zeigte sich gegenüber dem KURIER nur wenig überrascht. Die Liste sei ein "latent totalitärer Einschüchterungsversuch", sagt der Politologe. Er habe George Soros "einmal die Hand geschüttelt". Mit Lehre und Forschung an der CEU habe Soros nichts zu tun.

" Figyelö" befindet sich im Besitz der Historikerin und Unternehmerin Maria Schmidt, die Orban in Fragen der Geschichtspolitik berät. Die Fidesz-Partei des Regierungschefs hatte bei den Parlamentswahlen am vergangenen Sonntag eine verfassungsändernde Zweidrittelmehrheit erreicht.

Im Wahlkampf hatte Orban die Migration zum fast ausschließlichen Thema gemacht. Soros warf er vor, die massenhafte Zuwanderung von muslimischen Einwanderern nach Europa zu organisieren. Beweise für diese Behauptung legte er keine vor. Soros, ein in Ungarn geborener Holocaust-Überlebender, hatte sein Vermögen mit Börsengeschäften gemacht. Seit mehreren Jahrzehnten unterstützt er weltweit Initiativen und Organisationen, die sich für Demokratie und Menschenrechte einsetzen.