Welche Rolle Österreich beim Wiederaufbau der Ukraine spielen will
Genau vier Jahre sind vergangen, seit die russische Armee großflächig in der Ukraine einfiel. 1.460 Tage später hält das Land immer noch stand, ein russischer Sieg auf dem Schlachtfeld ist inzwischen unwahrscheinlich geworden. Doch der Krieg hat seine Spuren hinterlassen – im Land ebenso wie im Leben der Menschen.
Weil Russland regelmäßig Kraftwerke beschießt, sind Stromausfälle mittlerweile Alltag. Alleine in Kiew leben aktuell mehr als eine halbe Million Menschen ohne Heizung – im bisher kältesten Winter seit Kriegsbeginn.
Rund ein Drittel der Bevölkerung ist auf humanitäre Hilfe aus verbündeten Staaten angewiesen. Gemeinsam mit der Militärhilfe kann die Regierung so den Staat funktionsfähig halten und weiter verteidigen – doch Zerstörtes bleibt zerstört, solange der Krieg dauert.
500 Milliarden Euro für Wiederaufbau nötig
Am Montag veröffentlichte die Weltbank ihre neueste Schätzung darüber, wie viel Geld die Ukraine benötigt, um das Land im Fall eines Friedens wiederaufzubauen: ca. 590 Milliarden Dollar (500 Mrd. Euro).
Der größte Anteil davon werde dafür benötigt, neue Wohnhäuser zu bauen sowie das Verkehrsnetz und die Energieinfrastruktur wiederherzustellen. Vor allem beim Eisenbahnnetz gäbe es viel zu tun: Der Großteil der Schienen stammt aus der Sowjetzeit – die Spurenbreite passt nicht zum EU-Schienennetz, im Grunde müsste alles ersetzt werden.
In Kiew verhandeln Geschäftsleute aus aller Welt schon jetzt darüber, wie dieses Geld aufgestellt werden könnte. Der Großteil soll von privaten Investoren kommen. Während der Krieg noch tobt, lassen sich noch keine großen Deals abschließen. Doch die ukrainische Regierung betont: Wer sich früh ins Gespräch bringt, soll bei staatlichen Großprojekten später stärker berücksichtigt werden.
Österreich verhandelt mit
Auch Österreich versucht intensiv, den Weg für heimische Firmen in die Ukraine zu ebnen, wie Außenministerin Beate Meinl-Reisinger (Neos) bei ihrem Kiew-Besuch am Freitag erklärte: „Wir wollen Verantwortung übernehmen, aber natürlich auch wirtschaftliche Chancen für Österreich ermöglichen.“
Begleitet wurde die Außenministerin deshalb vom langjährigen Verbund-Vorstandschef Wolfgang Anzengruber, seit April 2025 Österreichs Koordinator für den Wiederaufbau der Ukraine. Ihm zufolge verfügen österreichische Firmen unter anderem in der Landwirtschaftstechnik und dem Schienenbau große Kompetenzen.
Die Chancen seien „riesengroß“, so Anzengruber, aber auch die internationale Konkurrenz: „Hier hat längst ein Wettlauf begonnen.“
Die USA, China und die Golfstaaten bemühen sich intensiv um die Zeit nach dem Krieg. Insgesamt haben aber bereits 30 Staaten eigene Wiederaufbau-Koordinatoren ernannt; diese Woche begrüßt sie Anzengruber als Gastgeber bei einer Konferenz in Wien.
Währenddessen geht es in der Ukraine angesichts zweistelliger Minusgrade weiter ums Überleben. „Besonders hart trifft es ältere Menschen und Kinder“, sagt Klaus Schwertner zum KURIER. Der Caritas-Direktor ist mit einer Delegation nach Kiew gereist. Dort betreibt die Caritas ein Zentrum für hilfsbedürftige Kinder und Jugendliche. Ihnen werde durch den Krieg „die Kindheit genommen“, sagt Schwertner.
Unter diesem Link finden Sie alle Spendemöglichkeiten für Caritas-Projekte in der Ukraine.
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