Mitglieder der Untersuchungskommission bei der Präsentation der Ergebnisse

© APA/AFP/EMMANUEL DUNAND

Ukraine/Niederlande
09/28/2016

Ukraine: MH17 mit russischer Rakete abgeschossen

Kreml dementiert erneut Verwicklungen in den Abschuss der Passagiermaschine.

Die Passagiermaschine mit Flugnummer MH17 ist mit einer russischen Luftabwehrrakete abgeschossen worden. Das machten die internationalen Ermittler am Mittwoch bekannt.

Die wichtigsten Fakten im Überblick

  • Die Rakete wurde von einem Feld bei Perwomajske in der Nähe des ostukrainischen Ortes Snischne abgeschossen. Das Gebiet stand zu dem Zeitpunkt unter der Kontrolle pro-russischen Separatisten.
  • Die Boeing 777 wurde mit einer Rakete aus der Serie 9M38 abgeschossen. Diese wurde von einer mobilen Einheit, einer Selbstfahrlafette Buk-Telar aus, abgefeuert.
  • Das Buk-Raketensystem wurde am frühen Morgen des 17. Juli 2014 aus Russland in die Ostukraine gebracht. Pro-russische Rebellen hatten am 16. Juli nach Erkenntnissen des ukrainischen Geheimdienstes abends telefonisch darüber gesprochen, dass sie eine Buk-Raketeneinheit zur Verteidigung gegen ukrainische Luftangriffe brauchten. Die Namen der Telefonierenden wurden nicht genannt.
  • Das mobile Buk-System wurde nach dem Abschuss der Passagiermaschine, vermutlich schon am Abend des 17. Juli, wieder zurück nach Russland gebracht. Am 18. Juli befand es sich wieder in Russland.
  • Etwa 100 Personen wurden identifiziert, die am Transport der Rakete beziehungsweise dem Abschuss beteiligt gewesen sein sollen. Namen und Nationalitäten wurden nicht genannt.

Ergebnisse der Ermittler

Die Rakete sei vom Gebiet der pro-russischen Rebellen aus im Süden des Ortes Snischne abgefeuert worden, teilten die Ermittler am Mittwoch mit. Sie sei zuvor von Russland aus in die Ukraine gebracht worden. Anschließend sei die Abschussvorrichtung wieder nach Russland zurücktransportiert worden. Zu einer direkten Beteiligung der Regierung in Moskau äußerten sie sich jedoch nicht.

In den Ermittlungen wegen des über der Ostukraine abgestürzten Passagierflugs MH17 geht die Staatsanwaltschaft nach Angaben von Opfer-Angehörigen davon aus, dass die Maschine von pro-russischem Rebellengebiet abgeschossen wurde. Die Staatsanwaltschaft habe darüber am Mittwoch informiert, sagten Angehörige nach einem Treffen. Eine Bestätigung dafür gab es zunächst nicht.

Russland dementiert

Kurz vor Veröffentlichung eines niederländischen Berichts zum MH17-Abschuss über der Ostukraine hat der Kreml erneut jede russische Verwicklung in die Tragödie dementiert. Neue russische Radardaten zeigten, dass die Boeing 777 mit 298 Menschen an Bord 2014 nicht von Gebiet der prorussischen Separatisten aus beschossen worden sei, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow am Mittwoch. Er sprach von „unwiderlegbaren Beweisen“.

Die leitende niederländische Staatsanwaltschaft wollte am Mittwoch auch öffentlich darlegen, ob die Boeing der Malaysia Airlines vom Gebiet prorussischer Rebellen oder der Ukraine aus abgeschossen worden war.

Vorberichten niederländischer und finnischer Medien nach soll es sich um ein modernes Buk-System handeln, wie es in Russland, aber nicht in der Ukraine in Dienst ist. In Finnland hatten die Ermittler den Berichten nach Testschüsse durchgeführt.

Die Untersuchungskommission identifizierte 100 Personen, die in Zusammenhang mit dem Vorfall stünden. Formell seien keine Tatverdächtigen benannt worden. Unklar sei, ob Soldaten angewiesen worden seien, die Rakete abzufeuern, oder ob sie auf eigene Faust gehandelt hätten.

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