Politik | Ausland
19.09.2017

Trumps Showtime am East River

Hochspannung vor der heutigen Rede des US-Präsidenten bei der Generalversammlung.

Es gab Zeiten, da wollte Donald Trump die Vereinten Nationen einfach nur verschwinden lassen. Um am East River in New York teure Appartement-Silos in den Himmel wachsen lassen zu können, versuchte der Immobilien-Mogul Ende der 1990er-Jahre, das von Le Corbusier konzipierte Gebäude-Ensemble der Weltgemeinschaft in den Süden Manhattans zu "reden". Ohne Erfolg. So erging es auch seinen Offerten an den damaligen UN-Generalsekretär Kofi Annan, den mehrere Straßenblocks abdeckenden Komplex für 500 Millionen Dollar von Grund auf zu überholen.

Fast zwei Jahrzehnte später ist Trump US-Präsident. Was den Völkerklub angeht, der in dieser Woche zur Generalversammlung wieder Tausende Diplomaten nach New York entsendet, denkt der 71-Jährige aber noch immer in den Kategorien von Renovieren und Sanieren.

Als zu teuer (für den US-Steuerzahler, der ein Fünftel des knapp zwölf Milliarden Dollar großen UN-Budgets bestreitet) und zu folgenlos ("ein Club, wo sich Leute treffen, reden und es sich gut gehen lassen") hat der Populist die UNO zu Beginn seiner Amtszeit abgekanzelt. Und damit die Befürchtung genährt, die USA würden dem Bündnis für multilaterale Zusammenarbeit mit "America First" den Rücken kehren.

Hart oder herzlich

Vor seiner mit Spannung erwarteten Antrittsrede heute vor der UNO ist die Sorge nicht vollends gewichen, aber überschaubarer geworden. "Trump hat seine Tonlage abgemildert", so Richard Gowan zum KURIER. Der Professor an der Columbia University erwartet eine "ausbalancierte Botschaft". "Gewiss kampfbetont", was den Reformstau angehe. Aber auch mit "anerkennenden" Worten für die Rolle der UN in der Moderation globaler Konflikte. Gowan rechnet, sofern Trump nicht vom Manuskript abweicht und freihändig in Radikal-Rhetorik verfällt, nicht mit einer "aggressiven Anti-UN-Rede".

Einen ersten Vorgeschmack gab Trump gestern: Bei einem Treffen reformwilliger Länder sagte er, die UNO hätte „wegen Bürokratie und Missmanagement“ zuletzt „nicht ihr volles Potenzial ausschöpfen können“. Nach den eingeleiteten Reformen, die Amerika unterstütze, werde die UNO aber eine „noch stärkere Kraft für Frieden und Harmonie in der Welt sein“.

Apropos Harmonie: Indizien sieht der Brite auch in den aktuellen Lockerungsübungen beim Thema Klimaschutz. Dass ausgerechnet zur Generaldebatte durchsickert, dass sich die USA unter bestimmten Voraussetzungen den Verbleib im Pariser Klima-Abkommen vorstellen können, das Trump am 1. Juni de facto aufgekündigt hat, sei kein Zufall, sagt Richard Gowan. "Dahinter steckt wohl die Hoffnung, dass die Führer anderer Nationen nach dem Alleingang Trumps freundlicher mit den USA umgehen könnten." Gowan denkt dabei an Emmanuel Macron. Der französische Präsident habe das Zeug, zum "Star" und "Anti-Trump" der UN-Woche zu werden, zumal andere Größen (Wladimir Putin, Angela Merkel und Chinas Präsident Xi Jinping) nicht nach New York kommen.

Weil Trump sich nicht für institutionelle Reformdebatten interessiert ("Er will weniger Geld ausgeben und dafür mehr für Amerika bekommen", sagt ein osteuropäischer Diplomat), sieht nicht nur Richard Gowan Trumps Rede-Passage zum nordkoreanischen Atomprogramm als den heikelsten Punkt der Generaldebatte an. "Niemand will eine militärische Auseinandersetzung. Aber es gibt die Befürchtung, dass Trump in einen Krieg stolpern könnte."

"Unser Job ist Dialog"

Miroslav Lajčák muss von Amts wegen unparteiisch auf solche Szenarien reagieren. Der slowakische Ex-Außenminister hat heute ebenfalls Premiere – als Präsident der UN-Generalversammlung. Der Karriere-Diplomat hat "Konfliktvermeidung" und "Vermittlung von Frieden" zu seinen Schwerpunkten erklärt. In seinem Büro mit Panorama-Blick auf den East River erklärt er im Gespräch mit dem KURIER: "Nordkorea verhält sich extrem unverantwortlich. Ich bin froh über die einstimmig im Sicherheitsrat verabschiedeten Sanktionen. Das zeigt, dass die USA ihre globale Verantwortung wahrnehmen." Sanktionen seien aber "noch keine Politik". Ziel müsse es sein, "eine Situation zu schaffen, in der Nordkorea verantwortlicher und vorhersehbarer handelt und so ein bedeutungsvoller Dialog möglich wird. Unser Job ist Dialog."