Donald Trump im Clinch mit allen.

© REUTERS/ERIC THAYER

USA
08/03/2016

"Trump wird sich selbst zerstören"

Der republikanische Präsidentschaftskandidat legt sich mit allen an – und schadet sich erstmals selbst massiv.

von Dirk Hautkapp

"Da kommt was ins Rutschen", sagen Analysten verschiedener Denkfabriken in Washington, "und es könnte Donald Trump noch vor dem Wahltermin am 8. November politisch begraben." Seit sich der Kandidat der Republikaner mit Beleidigungen über die muslimischen Eltern eines im Irak gefallenen, hoch dekorierten US-Soldaten unmöglich gemacht hat, ziehen reihenweise prominente Vertreter aus der Parteifamilie des Unternehmers die Samthandschuhe aus.

Als erster republikanischer Kongress-Abgeordneter ist nun der New Yorker Richard Hanna öffentlich zu Hillary Clinton übergelaufen: "Ich habe schon vor Monaten gesagt, dass ich Donald Trump nie unterstützen werde", schrieb der konservative Abgeordnete. Nun aber werde er Clinton wählen, auch wenn er in den meisten Sachfragen mit ihr nicht übereinstimme. Denn Trump mangle es an allem: "Höflichkeit, Ehrlichkeit, Würde, Mitgefühl und Respekt. Und vor allem ist er alles andere als ein geeigneter Führer."
An Hannas Seite sind auch mächtige Vertreter der Wirtschaft. Meg Whitman, Chefin des Computer-Riesen Hewlett Packard und Republikanerin, schämt sich für Trump und will ebenfalls Clinton wählen. Ähnlich hat sich der Milliardär Mark Cuban, Besitzer des Dirk- Nowitzki-Basketball-Klubs Dallas Mavericks, geäußert.

Ob John McCain, Senator, Vietnam-Veteran und ebenfalls schon zur Zielscheibe des Trump’schen Sperrfeuers geworden, oder Präsidenten-Sohn Jeb Bush – sie alle eint ein Tenor: Trump ist der Fleisch gewordene Verstoß gegen grundlegende republikanische Werte wie "Würde und Mitmenschlichkeit".

Die Gründe sorgen für Erschrecken. Robert Kagan, einst der Vordenker der Neo-Konservativen, legte Trump in der Washington Post unters Seziermesser. Sein Befund: Trump leide an "psychologischen Pathologien" und sei nicht wirklich zurechnungsfähig.

"Ungeeignet"

Von höchster Stelle autorisiert wurden die Anti-Trumpianer ausgerechnet von Barack Obama. Der US-Präsident intervenierte, wie es den Geschichtsschreibern in Washington nicht erinnerlich ist. Weil Trump immer aus der Rolle falle und Amerika in Misskredit bringe, sei es an der Zeit, dass die republikanischen Führung dem Milliardär die Gefolgschaft entziehe. Trump, sagte der Amtsinhaber, habe sich für das höchste Staatsamt auf bedenkliche Weise als "ungeeignet" erwiesen. Obama erklärte seine beispiellose Einmischung in den Wahlkampf, die Trumps Hardcore-Anhänger noch enger zusammenschweißen wird, so: Mit seinen früheren Gegenkandidaten John McCain (2008) und Mitt Romney (2012) sei er oft geteilter Meinung gewesen. Allerdings kam ihm bei beiden Männern nie der Gedanke, dass sie "nicht imstande wären, den Job zu machen".

Wahlbetrug

Dass Trump in eine andere Kategorie fällt, stellt der 70-Jährige seit Tagen mit einer Schlagzahl unter Beweis, die manche Republikaner für "irre" bis "selbstmörderisch" halten. Seine Rivalin Hillary Clinton schimpft er öffentlich einen "Teufel". Dann ordnete er an, dass auf einer Wahlveranstaltung ein schreiendes Baby samt Mutter des Saales verwiesen wurde. Fast im gleichen Atemzug beugte Trump für den Fall seiner Niederlage im November vor. Falls Clinton gewinne, sagte er, sei dies nur durch Wahlbetrug zu erklären.

Zum Abschluss machte Trump auch noch Front gegen Top-Republikaner wie Paul Ryan. Der Sprecher des Repräsentantenhaus steht bald zur Wiederwahl an. Trump will ihn nicht unterstützen. Ein Affront.

In der Zentrale der Grand Old Party schrillen die Alarmglocken. Hat Trump den Verstand verloren? Warum legt er sich mit den Spitzen der eigenen Partei an? Robert Kagans Analyse: "Trump hat sich nicht unter Kontrolle. Er kann nicht schweigen, auch wenn es besser für ihn wäre." Und er prophezeit: "Trump wird sich noch vor der Wahl selbst zerstören."

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