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Trumps Rede an die Nation: US-Sender beenden Übertragung vorzeitig

Mehrere große US-Fernsehsender haben erstmals eine Ansprache des amtierenden Präsidenten nicht live im Hauptprogramm gezeigt. Andere Sender wechselten zu Faktenchecks.
U.S. President Donald Trump addresses the nation from the White House in Washington

Zusammenfassung

  • Mehrere US-Sender verzichteten bei Trumps Rede zur Wahl 2020 ganz oder teilweise auf eine Live-Übertragung, um unbelegte Behauptungen nicht ungefiltert zu verbreiten.
  • Trump stellte erneut die Integrität der Wahl 2020 infrage, obwohl Experten und frühere Geheimdienstberichte keine Belege für Manipulation oder ausländische Einflussnahme sehen.
  • Die Kontroverse verschärft den Konflikt zwischen Trump und den Medien und rückt die Verantwortung der Sender im Umgang mit politischer Desinformation in den Mittelpunkt.

Die beste Sendezeit, das Weiße Haus als Kulisse: Donnerstagabend trat US-Präsident Donald Trump vor die Kameras, um in einer Rede an die Nation erneut Zweifel an der Präsidentschaftswahl 2020 zu säen und die Sicherheit des US-Wahlsystems infrage zu stellen.

Doch statt einer ungefilterten Live-Übertragung entschieden mehrere große TV-Sender in den USA, vorzeitig aus der Rede auszusteigen oder von vornherein gar nicht erst live zu zeigen – aus Sorge vor der Verbreitung falscher Behauptungen. CBS etwa stieg während der Ansprache vorzeitig aus und schaltete stattdessen auf eine Einordnung und einen Faktencheck um.

Trump hatte seine Rede aus dem Weißen Haus genutzt, um neuerlich Zweifel an der Integrität der Wahl 2020 zu säen. Dabei berief er sich auf neu veröffentlichte Geheimdienstinformationen und behauptete unter anderem, China habe Einfluss auf den Wahlprozess genommen. Nach Ansicht von Experten und unter Verweis auf frühere Untersuchungen liefern die genannten Dokumente jedoch keine Belege für eine Manipulation des Wahlergebnisses. Bereits ein US-Geheimdienstbericht aus dem Jahr 2021 war zu dem Schluss gekommen, dass es keine Hinweise auf eine ausländische Einflussnahme auf das Wahlergebnis gegeben habe.

ABC, NBC und CNN wollten nicht live übertragen 

Vor diesem Hintergrund standen die großen Fernsehsender vor einer schwierigen Abwägung: Sollten sie einer Rede mit hohem Nachrichtenwert eine Live-Plattform bieten oder verhindern, möglicherweise falsche Behauptungen ungefiltert zu verbreiten? Die Antworten fielen unterschiedlich aus. Während Fox News die Ansprache vollständig live zeigte, entschieden sich ABC, NBC und CNN gegen eine Live-Übertragung im regulären Fernsehprogramm. Teile der Rede waren lediglich über Streaming-Angebote oder digitale Plattformen verfügbar.

Die Entscheidung der Sender ist auch vor dem Hintergrund früherer juristischer Auseinandersetzungen zu sehen. Fox News hatte im Jahr 2023 zur Beilegung einer Verleumdungsklage des Wahlmaschinenherstellers Dominion Voting Systems 787,5 Millionen US-Dollar gezahlt. In dem Verfahren ging es um die Verbreitung falscher Behauptungen über Wahlbetrug bei der Präsidentschaftswahl 2020. Der Fall gilt bis heute als warnendes Beispiel für die rechtlichen Risiken im Umgang mit unbelegten Wahlbetrugsvorwürfen.

CBS stieg vor Ende der Rede aus

CBS wählte dieses Mal einen Mittelweg. Der Sender übertrug einen großen Teil der Rede, stieg jedoch kurz vor ihrem Ende aus und schaltete zu Moderator Tony Dokoupil sowie Chefkorrespondent Major Garrett. Dort wurden die Aussagen des Präsidenten unmittelbar eingeordnet und überprüft. Bereits vor Beginn der Übertragung hatte Dokoupil die Entscheidung des Senders erläutert und darauf hingewiesen, dass viele frühere Behauptungen Trumps zur Wahl 2020 nachweislich falsch gewesen seien. Gleichzeitig argumentierte er, dass die Rede dennoch Nachrichtenwert besitze und deshalb journalistisch begleitet werden müsse.

Truth Sandwich

Auch der Kabelsender MS Now, der frühere Nachrichtensender MSNBC, unterbrach die Ansprache während der laufenden Übertragung und schaltete zu einer kritischen Einordnung. Moderatorin und ehemalige Biden-Sprecherin Jen Psaki hatte die Zuschauer bereits vorab darauf hingewiesen, dass es sich nicht um eine gewöhnliche Ansprache des Präsidenten handeln werde.

Die Vorgehensweise steht exemplarisch für eine Strategie, die in US-Medien inzwischen häufig als „Truth Sandwich“ bezeichnet wird: Aussagen politischer Akteure werden nicht unkommentiert ausgestrahlt, sondern mit Kontext, Faktenchecks und Einordnung umrahmt. Auch andere Sender setzten während oder unmittelbar nach der Ansprache auf die Überprüfung zentraler Behauptungen des Präsidenten.

Trump sauer

Trump reagierte scharf auf die Entscheidung der Sender. Er warf insbesondere ABC und NBC vor, die Ansprache bewusst nicht übertragen zu haben, weil ihnen das Thema missfalle. Zugleich erklärte er, die Netzwerke würden Teil einer Verschwörung sein, und stellte sogar einen Entzug ihrer Sendelizenzen in den Raum. Medienrechtler weisen jedoch darauf hin, dass Rundfunkanstalten in den USA grundsätzlich selbst über ihre Programmgestaltung entscheiden können und nicht verpflichtet sind, Reden eines Präsidenten vollständig oder live auszustrahlen.

Die Kontroverse verdeutlicht das weiterhin angespannte Verhältnis zwischen Trump und großen Teilen der US-Medien. Sie fällt zudem in eine Phase, in der die Diskussion über politische Einflussnahme auf Medienunternehmen an Intensität gewinnt. Die US-Medienbehörde FCC untersucht derzeit die Senderketten von Disney und Comcast. Gleichzeitig steht die Übernahme des CBS-Mutterkonzerns Paramount durch den Trump-Vertrauten David Ellison bevor, was in Teilen der Branche Befürchtungen vor politischem Einfluss auf Redaktionen ausgelöst hat.

Gleichzeitig rücken die Kongresswahlen im November näher. Trumps erneute Vorstöße zum Thema Wahlbetrug treffen dabei auf eine republikanische Basis, in der Umfragen zufolge viele Anhänger weiterhin überzeugt sind, dass ihm der Wahlsieg 2020 zu Unrecht genommen worden sei. Demokraten warnen hingegen davor, das Vertrauen in freie und faire Wahlen zu untergraben. Die Debatte über Trumps Rede wurde damit auch zu einer Debatte über die Verantwortung von Medien im Umgang mit politischer Desinformation.

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