Wählen Sie KURIER als bevorzugte Google-Quelle

US-Behörden ermitteln: Trumps „Wahrheiten“ unter Insiderverdacht

Truth Social verkauft die Posts des Präsidenten für 100.000 Dollar im Monat ein klein wenig früher an Börsenhändler. Wird hier Insiderhandel Tür und Tor geöffnet?
FILE PHOTO: Illustration shows 3D printed miniature of U.S. president Donald Trump and Truth social logo

Donald Trump bewegt die Märkte, kein Zweifel. Das ist für den mächtigsten Politiker der Welt wenig verwunderlich. Doch die Art und Weise, wie Trump die 47. Präsidentschaft der USA dazu benutzt, in die eigene Tasche zu wirtschaften, ist beispiellos.

Im Jahr 2024, vor seinem Wahlsieg im November, wurde sein Vermögen auf 2,4 Milliarden US-Dollar geschätzt. Aktuell taxiert ihn das US-Wirtschaftsmagazin Forbes auf 6,5 Milliarden Dollar. Trump gilt dem Ranking zufolge als 632.-reichster Mensch der Welt.

Waren es im Vorjahr rund 1,4 Milliarden, die der Republikaner mit Krypto-Geschäften verdiente, so wurden heuer im ersten Quartal Trumps umfangreiche Wertpapierdeals mit Aktien von Schwergewichten wie Amazon, Apple, Microsoft, Nvidia oder Boeing bekannt.

Aber halt, hat er nicht selbst erst Ende 2025 den Export von Nvidia-Chips nach China bewilligt?

Weil Trump verpflichtende Angaben zu den Aktien-Geschäften zu spät vorlegte, musste er eine symbolische Strafe von 200 Dollar bezahlen, berichtete die Washington Post.

Und seit Kurzem geht es munter weiter. Seit Monatsanfang vermarktet er nun seine eigenen Nachrichten auf seinem Onlinedienst Truth Social. Über seinen Trust hält Trump rund 41 Prozent an der börsenotierten Trump Media & Technology Group (TMTG), dem Mutterkonzern von Truth Social.

Trump versilbert Trump

Das Geschäftsmodell des neuen Services „Truth API“: Wer über eine spezielle Schnittstelle einen Express-Zugang haben möchte, die Kommentare und Ankündigungen Trumps beispielsweise zum Iran also ein paar Sekunden schneller bekommen will als per normaler Push-Nachricht, muss 100.000 Dollar im Monat hinblättern.

Das kann sich etwa für automatisierte Handelssysteme im Hochfrequenz-Börsenhandel auszahlen. Diese Systeme verwerten neue Daten und Informationen in Sekundenschnelle und können – mit entsprechendem Einsatz – bei bereits kleinen Kursbewegungen Millionen machen.

Gleichzeitig ist der Umgang mit Informationen von Politikern hochsensibel. Speziell bei Trump und seinem engsten Umfeld gibt es längst den Verdacht des verbotenen Insiderhandels. Beweise fehlen bis dato, verdächtige Beispiele gibt es freilich zuhauf.

Eine Woche nach dem Start des Zollkrieges im April 2025 etwa ruderte Trump per Truth Social wieder zurück. „Ich habe eine 90-Tages-PAUSE autorisiert.“ Die Zölle fielen, Aktienkurse stiegen.

Oder: Mit Trumps Hin und Her bei seinen Iran-Entscheidungen dürften millionenschwere Wetten auf steigende oder fallende Ölpreise aufgegangen sein. Sehr auffällig: Die stets hohen Summen, die kurz vor Trump-Postings eingesetzt wurden. So platzierten unbekannte Händler am 23. März innerhalb einer einzigen Minute Wetten im Umfang von 500 Millionen Dollar auf fallende Ölpreise. Kurz darauf gab Trump eine Verschiebung geplanter Angriffe auf die iranische Energie-Infrastruktur bekannt. Der Ölpreis gab um 15 Prozent nach.

Lukrative Ölwetten

Eine Auswertung durch Reuters ergab, dass sich das Volumen der auffällig gut platzierten Öl-Wetten auf mittlerweile bis zu sieben Milliarden Dollar summierte.

Manchmal geht es direkter: 2025 kündigte Trump an, einen Tesla kaufen zu wollen – für viele eine Kaufaufforderung für die Aktie. Später lobte er die umstrittene Big-Data-Firma Palantir und lieferte seinen rund 13 Millionen Followern auf Truth Social das Börsenkürzel „PLTR“ gleich mit.

Weil da viele Alarmglocken schrillen, ermitteln diverse Behörden in den USA vom Justizministerium abwärts. Auch die Börsenaufsicht will wissen, wer da wann was von wem wusste und fröhlich mitgezockt hat.

Klar scheint, für Kleinanleger dürfte es sich nicht lohnen, allzu viel auf Trumps Postings zu geben. Zu gering sind hier die Investments, zu schnell kann das Geschehen ins Gegenteil drehen. Anlegerschützer Florian Beckermann in Wien sagt: „Wir raten unseren Klienten von solchen Deals ab. Das ist reine Zockerei und hat nichts mit einem seriösen Investment zu tun.“

In den USA schäumen die oppositionellen Demokraten und sehen den Insiderhandel bei Trump längst bestätigt. Sie werden freilich an Partei-Urgestein Nancy Pelosi bzw. ihren Mann erinnert. Sie war bis 2023 Sprecherin im Repräsentantenhaus, ihr Mann verkaufte im Herbst 2004 laut Zeit 2.000 Visa-Aktien – wenige Wochen, bevor das US-Justizministerium ein Verfahren gegen den Kreditkartenkonzern eröffnete.

Gute Argumente

Fälle wie diese werden in den USA de facto nie verfolgt. Auch Truth Social hat sich längst eine prima Argumentationslinie zurechtgelegt. Alle Postings Trumps seien öffentlich zugänglich, es könne also logischerweise kein Insiderhandel vorliegen. Außerdem würden andere Dienstleister Trumps Posts auswerten und Erkenntnisse daraus vermarkten. Man überführe das Geschäft also sozusagen nur in geordnete Bahnen.

Wie auch immer der Streit ausgeht, für den demokratischen Kongressabgeordneten Steven Horsford ist mit Blick auf die Ölwetten klar: „Das ist kein Zufall. Das ist ein Muster. Die einzigen Personen, die diese Informationen im Voraus haben, sitzen innerhalb dieser Regierung.“

Kommentare