© REUTERS/Carlos Barria

Politik Ausland
07/24/2020

Trump macht kehrt: Parteitag in Florida wegen Corona abgesagt

Die Bedenken haben gesiegt: Der US-Präsident hält seine Nominierung als Präsidentschaftskandidat der Republikaner nur mehr im kleinen Rahmen ab. "Ich muss das amerikanische Volk beschützen", sagte er.

Wegen der Corona-Pandemie hat US-Präsident Donald Trump den Parteitag der Republikaner Ende August in Florida abgesagt. "Der Zeitpunkt für die Veranstaltung ist nicht richtig", gab Trump am Donnerstag im Weißen Haus bekannt. "Ich muss das amerikanische Volk beschützen." Es gebe nichts Wichtigeres als die Sicherheit der Amerikaner.

Seine formelle Nominierung zum Kandidaten für die Wahl am 3. November soll nun in kleinerem Rahmen in Charlotte im Bundesstaat North Carolina erfolgen. Die Details sind noch offen.

Erneute Kehrtwende

Mit der Absage der Großveranstaltung vollzog Trump eine Kehrtwende. Erst im Juni hatte er die Verlegung von Teilen des ursprünglich in Charlotte geplanten Parteitags mit rund 19.000 Delegierten nach Jacksonville in Florida angekündigt. North Carolinas Gouverneur Roy Cooper hatte wegen der Pandemie erklärt, eine solche Veranstaltung wäre nur unter Auflagen wie dem Tragen von Masken und weniger Teilnehmern möglich.

"Wir hatten eine gewaltige Sache geplant", sagte Trump am Donnerstag. Er wolle aber nicht, dass ihm vorgeworfen werde, etwas Unsicheres zu tun. Vielmehr wolle er "Vorbild" sein. "Es wird kein typischer Parteitag. Das kann ich sagen. Aber es wird sehr sicher sein", sagte Trump später bei Fox News. "Ich fand, dass ich eine Verpflichtung habe, keine große Anzahl, keine Massen von Menschen in eine Reihe gedrängt zu haben."

Die Folgen von Tulsa

Trump hatte schon früh in der Pandemie auf eine Wiedereröffnung der Wirtschaft und eine rasche Rückkehr zum Normalbetrieb gedrängt. Im Juni hielt er gegen den Rat von Experten eine Wahlkampfveranstaltung vor Tausenden Anhängern in einer geschlossenen Halle ab. In den USA sind bereits mehr als 144.000 Menschen nach einer Infektion mit dem Virus gestorben.

Die Parteivorsitzende der Republikaner, Ronna McDaniel, hatte noch am Montag gesagt, es sei möglich, Gesundheit und Wiedereröffnung der Wirtschaft in Einklang zu bringen. Das werde man beim Parteitag beweisen. McDaniel sprach nun auf Twitter von einer "schwierigen Entscheidung". Trumps oberste Priorität sei die Sicherheit von Jacksonville, der Teilnehmer und des ganzen amerikanischen Volkes.

Florida stark betroffen

Seit Mitte Juni hat sich die Corona-Situation in Florida deutlich zugespitzt. In dem Staat mit gut 21 Millionen Einwohnern gibt es inzwischen rund 400.000 bekannte Infektionen mit dem Erreger Sars-CoV-2. Jacksonville gehört zu den stark betroffenen Gebieten. In den USA entscheidet jeder der 50 Bundesstaaten separat darüber, welche Corona-Auflagen gelten und wann Zeit für Lockerungen ist. Großveranstaltungen gelten jedoch bisher fast überall als tabu.

Die Demokraten werden ihren für August geplanten Parteitag zur Nominierung ihres Präsidentschaftskandidaten Joe Biden zumeist virtuell abhalten. Der ehemalige Vizepräsident von Barack Obama soll die Nominierung am ursprünglichen Veranstaltungsort in Milwaukee im US-Bundesstaat Wisconsin entgegennehmen. Die Delegierten sollen aber wegen der Corona-Pandemie nicht anreisen.

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Hohe Dunkelziffer

Mittlerweile wurden in den USA mit ihren rund 330 Millionen Einwohnern mehr als vier Millionen Infektionen mit dem Erreger Sars-CoV-2 nachgewiesen, mehr als 144.000 Menschen starben, wie aus Daten der Johns-Hopkins-Universität in Baltimore hervorgeht. In keinem anderen Land der Welt sind so viele Ansteckungen bekannt. Zudem geht die US-Gesundheitsbehörde CDC davon aus, dass es in vielen Regionen eine hohe Dunkelziffer an Infektionen gibt.

Weltweit wurden mehr als 15 Millionen Corona-Infektionen verzeichnet. Rund 626.000 Menschen starben im Zusammenhang mit der Erkrankung Covid-19. In den USA hat sich die Pandemie zuletzt dramatisch zugespitzt. Die Behörden meldeten in den vergangenen zwei Wochen zwischen 60.000 und 77.000 Neuinfektionen pro Tag. Donnerstag war der dritte Tag in Folge, an dem mehr als 1.000 Todesfälle binnen 24 Stunden verzeichnet wurden.

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