Politik | Ausland
01.08.2017

Trumps Kommunikationschef Scaramucci muss gehen: Adieu nach nur zehn Tagen

Donald Trumps erst vor wenigen Tagen ernannter Kommunikationschef Anthony Scaramucci muss diesen Posten im Weißen Haus wieder räumen.

Erst gut sechs Monate ist Donald Trump jetzt im Amt, aber die Liste der Abgänge in seinem Team ist bereits lang. Doch keiner konnte sich nur so kurz im Amt halten wie Anthony Scaramucci: Nach nur eineinhalb Wochen ist der 53-Jährige als Kommunikationschef des Weißen Hauses bereits wieder Geschichte. Der Ex-Wall-Street-Banker werde seiner Rolle enthoben, teilte das Präsidialamt am Montag in aller Form mit. Scaramucci sei der Ansicht gewesen, dass es am besten sei, dem neuen Generalstabschef John Kelly "einen sauberen Neuanfang" zu ermöglichen und sein eigenes Team zusammenzustellen.

Soweit die offizielle Version des Weißen Hauses, die einige US-Medien ebenfalls so verbreiten. Andere hingegen, darunter die New York Times und das Magazin Politico, boten ihren Lesern eine andere Version: Trump habe Scaramucci auf Druck seines neuen Stabchefs Kelly entlassen. Der ehemalige Vier-Sterne-General Kelly wurde am Montag vereidigt. Seine Ernennung war allgemein so interpretiert worden, dass der Ex-Marine und bisherige Heimatschutzminister Ordnung im Weißen Haus schaffen soll.

Laut offiziellen Angaben hat Trump Scaramucci wegen dessen vulgärer Äußerungen über ranghohe Mitarbeiter des Weißen Hauses entlassen. Trump halte Scaramuccis Äußerungen für seiner Position nicht angemessen und habe diese Bürde nicht dem neuen Stabschef John Kelly auferlegen wollen, sagte Präsidenten-Sprecherin Sarah Sanders am Montag. Sanders wollte nicht weiter darauf eingehen, welche Äußerungen genau Trump als unangemessen empfunden habe. Nach Berichten der " New York Times" und der Website Politico hatte Kelly die Entlassung Scaramuccis nach nur zehn Tagen im Amt verlangt

In Kellys Bild eines disziplinierten Stabs passt der ehemalige, mulitmillionenschwere Hedgefonds-Unternehmer Scaramucci wohl kaum. In seiner ersten Woche als Kommunikationschef des Weißen Hauses bezeichnete er Donald Trumps Stabschef Reince Priebus als "verfickten paranoiden Schizophrenen" – kurz bevor der Präsident Priebus entließ und eben durch John Kelly ersetzte. Den rechten Chefstrategen Steve Bannon bedachte Scaramucci mit Obszönitäten und verlieh außerdem seinem Wunsch Ausdruck, alle Leute, die Geheimnisse aus dem Weißen Haus verraten, ermorden zu wollen und mindestens zu feuern.

Was da mit dem New Yorker Investor und Geldgeber der republikanischen Partei auf das Weiße Haus zukommt, hatte Sean Spicer geahnt: Der – glücklose – Trump-Sprecher ist umgehend zurückgetreten, als er von Scaramuccis Einzug ins Weiße Haus erfahren hatte. Spicer sagte richtig voraus, dass dieser nur für weitere Unruhe im Weißen Haus sorgen werde.

Vermutlich hat der Sohn eines italienischen Immigranten mit seiner scharfen Zunge zumindest einige Amerikaner davon abgelenkt, dass die Republikaner beim erklärten Ziel, Obamas Gesundheitsreform vom Tisch zu wischen, grandios gescheitert sind. Von der großen Steuerreform ist ebenfalls wenig zu sehen, das gilt auch für das eine Billion Dollar schwere Infrastrukturprogramm.

Bevor der telegene Harvard-Absolvent Scaramucci seinen neuen Posten erhielt, war er bereits einer der eloquentesten und entschiedensten Fürsprecher Trumps in diversen Fernsehsendungen. Wie es heißt, mochte der Präsident "theMooch", wie Scaramucci in Manhattan genannt wird, sehr. Als Erklärung wurde gern angeführt, dass die beiden Männer einander in vielen Punkten ähnlich seien – vom exaltierten New Yorker Stil bis hin zu den Erfolgen als Geschäftsmann. Und Scaramucci hatte sogar auch eine eigene Fernsehshow: "Wall Street Week".

Unter Ex-General John Kelly brechen nun definitiv neue Zeiten an – wohl auch für Donald Trump selbst.