Politik | Ausland
16.06.2017

Trotz angeblichem Tod Baghdadis – IS bleibt weiterhin bedrohlich

Totgesagte leben länger. Die Terrormiliz "Islamischer Staat" steckt zwar im Irak und in Syrien in der Krise, gewinnt aber in Zentralasien dazu.

"So erhebt eure Waffen, Soldaten des Islamischen Staats und kämpft, kämpft!" – mit diesen Worten rief Abu Bakr al-Baghdadi am 29. Juni 2014 den "Islamischen Staat" aus. Seine Terrormiliz mit ebendiesem Namen hatte weite Gebiete im Irak und in Syrien eingenommen, Baghdadi wurde zu einem der meistgesuchten Verbrecher der westlichen Welt.

Nun könnte der selbsternannte Kalif tot sein, zumindest wenn es nach dem russischen Verteidigungsministerium geht. Vor drei Wochen soll Baghdadi bei einem russischen Luftangriff auf eine Versammlung von IS-Kommandanten getötet worden sein, nähere Angaben wollten die Behörden jedoch nicht machen. Auch nicht dazu, warum sie die Nachricht erst jetzt gemeldet hatte

. Der russische Außenminister Sergej Lawrow mahnt noch zur Vorsicht: "Bisher habe ich noch keine hundertprozentige Bestätigung der Tötung Baghdadis", sagte er am Freitag.

Auch aus den Reihen der US-geführten Koalition, die seit bald drei Jahren vornehmlich Luftangriffe gegen den IS fliegt, kommen noch verhaltene Töne: "Wir können diese Berichte zur Zeit nicht bestätigen", sagte deren Sprecher, Oberst Ryan Dillon.

Der Tod Baghdadis wäre ein schwerer Schlag für den IS, der in letzter Zeit sowohl in Syrien, als auch im Irak massiv an Boden verloren hat und dessen größte Städte Rakka und Mossul knapp vor der Befreiung stehen.

Schon öfter totgesagt

Allerdings verkündeten sowohl US-Behörden als auch russische Stellen bereits öfters den Fall Baghdadis. Vor zwei Jahren hieß es etwa, er sei tödlich verwundet.Unter Baghdadi vollzog der IS den Bruch mit seiner Mutterorganisation El Kaida: Da deren Anführer al-Zawahiri von Beruf nur Arzt sei, müsse Baghdadi als Islamgelehrter den Führungsanspruch stellen, forderte der IS.

Zwar steht der IS in Syrien und im Irak in physischer Form vor dem Aus, jedoch vermuten Experten, dass es in diesem Gebiet zu vermehrten Terroranschlägen und Attentaten aus dem Verborgenen kommen wird. Auch als "Staat" auf der Landkarte wird die Terrormiliz nicht so bald verschwinden. Am Donnerstag konnte der IS in Afghanistan den Taliban das Höhlensystem Tora-Bora entreißen. Daran hatten sich vor Jahren bereits die US-Streitkräfte die Zähne ausgebissen, als sie nach Osama bin Laden suchten. Ausgehend von dieser Basis wird vermutet, dass der IS sein Gebiet nach Zentralasien verlagert. Staaten wie Tadschikistan, Kirgistan oder Usbekistan gelten als instabil, die dortige muslimische Bevölkerung ist seit längerem Ziel der IS-Propaganda.

Auch auf den Philippinen scheint der IS stark zu sein – seit nunmehr dreieinhalb Wochen liefert er sich heftige Gefechte mit der philippinischen Armee um die Stadt Marawi.

Dass der IS auch weiterhin ein Risiko für europäische Länder darstellt, beweisen die anhaltenden Anschläge auf Metropolen, sowie der Zulauf, den er nach wie vor aus europäischen Staaten wie Bosnien erhält.