© EPA/ALEXEI NAVALNY HANDOUT

Politik Ausland
09/23/2020

Trotz allem: Nawalny möchte nach Russland zurückkehren

Nawalnys nächster Schritt: Der Kreml-Kritiker konnte am Mittwochmorgen das Krankenhaus verlassen.

von Michael Hammerl

24 Tage Intensivstation, insgesamt 32 Tage Behandlung in der Berliner Charité: Kremlkritiker Alexej Nawalny konnte am Mittwochmorgen das Krankenhaus verlassen. Sein Zustand habe sich so weit gebessert, „dass die akutmedizinische Behandlung beendet werden konnte“. Langzeitfolgen können allerdings nicht ausgeschlossen werden, so die Charité.

Das weiß auch Nawalny. Dazu passend sein erstes Lebenszeichen nach der Entlassung: Er postete ein Foto von sich in sozialen Netzwerken, auf einer Parkbank sitzend, mit ernster Miene. Er schrieb, dass er jetzt täglich zur Physiotherapie gehen und wohl ein Rehabilitationszentrum aufsuchen werde. Seine linke Hand sei noch teilweise gelähmt. Um wieder Gleichgewicht zu bekommen, mache er Übungen – etwa auf einem Bein stehen.

Nachdem er aus dem Koma erwacht war, hatte Nawalny anfangs große Probleme beim Sprechen und bei einfachsten Bewegungen. Der russische Oppositionelle ist laut Befunden von deutschen, französischen und schwedischen Speziallaboren mit einem verbotenen Nervenkampfstoff der Nowitschok-Gruppe vergiftet worden. Spuren des Giftes wurden an einer Wasserflasche in Nawalnys Hotelzimmer im sibirischen Omsk entdeckt.

Der 44-Jährige kollabierte am 20. August auf einem innerrussischen Flug und kam in ein Krankenhaus in Omsk. Am 22. August wurde er nach Deutschland ausgeflogen. Nowitschok-Vergiftungen führen unter anderem zu Muskelsteife, Tremor, Krämpfen und Lähmungen. Die Opfer sterben durch die Hemmung der Atmung und des Herzmuskels. Bereits mehrere russische Regimegegner wurden Opfer von Vergiftungen durch Nowitschok.

Putins neueste Theorie

Die Omsker Ärzte behaupten, Nawalny das Leben gerettet zu haben. Er sei nicht vergiftet worden, sondern habe an einer Stoffwechselerkrankung gelitten. Sie verabreichten ihm den Wirkstoff Atropin. Der hilft zwar auch gegen Vergiftungen, allerdings nicht gegen Nowitschok.

Die russische Regierung wies bisher sämtliche Vorwürfe zurück, hinter dem Attentat zu stecken. Stattdessen wittert man eine Verschwörung. Präsident Wladimir Putin stellte die Vermutung auf, dass sich Nawalny selbst vergiftet habe. „Ich habe Nowitschok in der Küche gekocht. Davon habe ich etwas aus meinem Flachmann im Flugzeug geschluckt“, kommentierte Nawalny die Meldung mit schwarzem Humor.

Der Kreml zeigte sich jedenfalls „erfreut“ über Nawalnys „Genesung“. Er könne jederzeit nach Russland zurückkehren, mit den Sicherheitsbehörden sprechen und Informationen teilen. Laut seiner Sprecherin plant Nawalny jedenfalls nicht, in Deutschland zu bleiben. Sobald es sein Zustand zulasse, wolle er nach Russland zurückkehren und seine Arbeit fortführen.

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