Rory Stewart

© APA/AFP/ISABEL INFANTES

Politik | Ausland
06/19/2019

Tory-Parteivorsitz: Wird dieser Mann Boris Johnson gefährlich?

Rory Stewart behauptet sich im Bewerberfeld für die Nachfolge von Premierministerin May. An der Basis ist er beliebt.

Wenn die 313 Tory-Abgeordneten im Unterhaus Mittwoch Nachmittag über die verbliebenen Kandidaten für den Parteivorsitz abstimmen, gilt das Interesse besonders einem Mann: Rory Stewart.

Der bis vor kurzem kaum bekannte Entwicklungshilfeminister entwickelte sich zuletzt überraschend zur Gefahr für Boris Johnson, den Favoriten für die Nachfolge von Premierministerin Theresa May an der Spitze von Partei und Regierung.

In der Tory-Abstimmung am Dienstag schaffte es der 46-Jährige, seine Stimmen auf 37 fast zu verdoppeln. Damit reihte er sich hinter Johnson (126 Stimmen), Außenminister Hunt (46 Stimmen) und Umweltminister Gove (41 Stimmen) überraschend auf Platz vier ein. Innenminister Javid erreichte 33 Stimmen.

Parteimitglieder entscheiden

Schafft Stewart es, bei den verbleibenden Abstimmungen bis Donnerstagabend hinter Johnson auf Platz zwei vorzurücken, wäre der frühere Diplomat einer von zwei Kandidaten, die sich der endgültigen Wahl durch alle 160.000 Tory-Mitglieder stellen müssen. Und an der Basis ist Stewart sehr populär, was Johnson einige Sorgenfalten bescheren könnte.

Das Erfolgsrezept des bisherigen Außenseiters: Scharfe Kritik an Johnsons Brexit-Kurs und Aussprechen unbequemer Wahrheiten sowohl in Sachen EU-Ausstieg als auch in Sachen britischer Innenpolitik.

Damit spricht Stewart sowohl junge Konservative an, die mit Liberalen oder Grünen sympathisieren, als auch Abgeordnete, die Johnson unbedingt verhindern wollen.

Stewart gehört der Regierung erst seit wenigen Wochen an, ist aber von Kindheit an politisch geprägt. Geboren als Diplomatensohn wuchs der stolze Schotte in Malaysia auf. Später besuchte er die britische Eliteschule Eton, studierte in Oxford und arbeitete nebenher als Nachhilfelehrer für die Prinzen William und Harry.

Wie die Zeit berichtet, war Stewart mit Mitte 20 für das Außenministerium in Ost-Timor, Indonesien und Montenegro tätig - manche munkeln, er sei Agent des Geheimdienstes gewesen. 2003 ging er für zwei Jahre in den Irak, lebte auch drei Jahre in Afghanistan, das er einmal binnen 32 Tagen allein durchwanderte.