Politik | Ausland
19.08.2018

Tanz mit Kneissl als PR-Erfolg für Putin

Weltweites Interesse: Der Kremlchef inszenierte sich bei Kneissls Vermählung als in der EU gern gesehener Gast.

„Die Braut war ein Traum im Dirndl, aber Putin stahl ihr die Show“: Dieses Resümee zog die New York Times über die Teilnahme des russischen Präsidenten an der Hochzeit von Außenministerin Karin Kneissl am Samstag.

Dem schlossen sich zahlreiche Zeitungen und TV-Stationen im In- und Ausland an.

Die deutsche Welt bezeichnete das Medienevent am Sonntag in ihrer Online-Ausgabe als „semimonarchisches Ereignis“, das „entfernt an den Rummel um die jüngsten Vermählungen in europäischen Königshäusern“ erinnere.

Focus Online titelte: „Tanz auf der Terrasse: Skurrile Putin-Show auf der Hochzeit von Ösi-Ministerin“. Selbst die indische Hindustan Times berichtete ausführlich.

„Befremdlich, naiv“

Für einen der rund 100 Hochzeitsgäste, Vizekanzler Heinz-Christian Strache ( FPÖ), ist die weltweite Aufmerksamkeit vor allem ein Grund zur Freude.

„Eine bessere Werbung für Österreich, seine wundervolle Natur, traumhafte Landschaft und gelebte Gastfreundschaft kann es gar nicht geben“, schrieb er auf Facebook.

Andere sehen Putins Kurzbesuch in der Südsteiermark, nach dem er zu einem Treffen mit der deutschen Kanzlerin weiter reiste, weniger euphorisch. Für die SPÖ ist die Angelegenheit befremdlich, naiv und geeignet, Schaden anzurichten.

Knicks für Putin

Der russische, kremlnahe und oft als Propagandainstrument bezeichnete TV-Sender RT (früher Russia Today) hatte offenbar exklusiven Zugang zur Hochzeitsgesellschaft. Er präsentierte die Aufnahmen online, während der ORF in Fernsehen und Internet nur Fotos zeigen konnte.

Das auf Deutsch und Englisch verfügbare Video zeigt Putin u. a. bei einem launigen Trinkspruch auf das Brautpaar und beim vergnügten Tanz mit Kneissl.

Die Kamera schwenkt dabei auf die Hochzeitsgäste, man sieht, wie Strache, Verkehrsminister Norbert Hofer (FPÖ) und andere mit ihren Handys filmen.

Am Ende des Tanzes macht Kneissl einen tiefen Knicks vor Putin, er verbeugt sich vor ihr.

Heftige Kritik an diesem „Hofieren“ des russischen Staatschefs hatte schon im Vorfeld die ukrainische Regierung geübt.

Österreich, das immerhin derzeit den EU-Ratsvorsitz führe, könne im Konflikt in der Ostukraine – wo Kiew gegen von Moskau unterstützte Separatisten kämpft – kein neutraler Vermittler mehr sein.

Gegeneinladung

„Die Trauung ist längst ein Politikum geworden“, hieß es dazu in der ARD. Daran ändert auch nichts, dass sowohl die österreichische Regierung als auch Putin seine Teilnahme an der Hochzeit als Privatangelegenheit betrachten.

Die Frankfurter Allgemeine Zeitung vermutet einen Versuch Kneissls, Putin wohlgesinnt zu stimmen. Sie, die auf einem Ticket der russlandfreundlichen FPÖ ins Außenamt kam, sorge sich angesichts der EU-Sanktionen gegen Moskau um die österreichische Wirtschaft.

Putin hat jedenfalls eine Gegeneinladung ausgesprochen: „Sie und Ihr Ehegatte sind bei uns immer herzlich willkommen.“