Drei Szenarien, wie es im Krieg gegen den Iran weiter gehen könnte
Matrosen beobachten die Landung eines Kampfflugzeugs auf einem US-Flugzeugträger in der Nähe des Persischen Golfes
Donald Trumps Drohungen gegen den Iran werden von Tag zu Tag martialischer: Wie schon im April kündigt der US-Präsident jetzt an, er werde Kraftwerke und Brücken im Iran bombardieren lassen – während die Führung in Teheran keine Bereitschaft zeigt, sich auf ernsthafte Verhandlungen mit Washington einzulassen. Die wichtige Seestraße von Hormus, durch die vor dem Krieg ein Fünftel des weltweiten Ölhandels abgewickelt wurde, ist wieder zu einem Großteil blockiert, der Ölpreis steigt. Mittwoch lag er bei rund 85 Dollar pro Barrel (159 l). Wie sehen die möglichen Szenarien für die nächsten Tage aus?
Härtere Angriffe der USA gegen den Iran
Präsident Trump hat es bereits angedroht. In seiner für Donnerstag Abend (Washingtoner Zeit) geplanten Rede an die Nation könnte er massive, schwere Angriffe auf Ziele im ganzen Iran ankündigen. Ziel: Teheran an den Verhandlungstisch zwingen und die Öffnung der Straße von Hormus erwirken. Nachteil: Der Iran wird sofort wiederum vermehrt Ziele in den Golfstaaten angreifen.
2. Völlige Eskalation – zurück zum offenen Krieg
Donald Trump könnte endgültig der Geduldsfaden reißen. Und der Iran löst mit seiner Hinhaltetaktik und ständigen Angriffen auf Schiffe in der Straße von Hormus wieder einen Großangriff der USA aus.
Einschlag einer amerikanischen Rakete im Iran
- Was dagegen spricht: Der Iran würde Vergeltungsmaßnahmen gegen US-Verbündete im Persischen Golf ergreifen – wahrscheinlich sogar gegen Israel. Und dann würde auch Israel wieder in den Krieg eingreifen und auch wieder mit voller Härte gegen den Libanon vorgehen. Ein großer Nahost-Krieg wäre die Folge.
- Was zudem dagegen spricht: Den USA mangelt es derzeit an Abwehrraketen, die für den Abfang iranischer Raketen unerlässlich sind. Und daheim in den USA, wo im Herbst die Zwischenwahlen des Kongresses abgehalten werden, wäre ein fortgesetzter, großer Krieg der USA äußerst unpopulär. Die Republikanische Partei würde riskieren, schwer abgestraft zu werden.
3. Kräftemessen in einem Abnützungskrieg, während gleichzeitig hin und wieder ein wenig verhandelt wird
Es ist das derzeit wahrscheinlichste Szenario. Sowohl der Iran als auch die USA scheuen einen großen Krieg, sind aber beide nicht wirklich über ihre Ziele verhandlungsbereit.
Blockierte Schiffe in der Straße von Hormus
- Teheran will seine Macht über die Straße von Hormus nicht aufgeben. Die USA wiederum haben keine Möglichkeit, genau das zu erzwingen, wenn sie militärisch nicht viel stärker eskalieren wollen. So greift der Iran immer wieder Schiffe an, die USA schlagen zurück gegen iranische Militäranlagen, der Iran wiederum greift US-Anlagen in den Golfstaaten an – und so dreht sich der Kreis vorerst weiter.
- Unter der Hand bemühen sich Vermittler, die beiden Seiten wieder an den Verhandlungstisch zu bekommen. Beide Seiten sagen nicht grundsätzlich nein, setzen aber darauf, dass die andere Seite zuerst einknickt.
- Die Frage ist: Wer hält länger durch? Der wirtschaftlich am Boden liegende Iran oder die vor Wahlen stehenden USA?
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