Politik | Ausland
20.02.2018

Syrisches Pulverfass vor Mega-Explosion

Eskalation und viele Fronten: Nach türkischem Einmarsch kam es zur ersten Direkt-Konfrontation mit Assads Armee.

Er tobt nun schon seit sieben Jahren und damit länger als der Zweite Weltkrieg (1939–1945). Rund 350.000 Menschen fielen ihm zum Opfer. Längst ist der Schauplatz der Tragödie zum Aufmarschgebiet von Welt- und Regionalmächten geworden (USA, Russland/Iran, Türkei). Die Lage wird immer unübersichtlicher und damit gefährlicher. Der Krieg in Syrien droht eine ganze Region ins Verderben zu stoßen – potenziell mit globalen Implikationen.

Das sind die zentralen Player:

Die syrischen Kurden

Im nördlichen Syrien hat sich der Konflikt zuletzt dramatisch zugespitzt. Die YPG-Milizen, die eng mit der türkischen PKK verbandelt sind, haben dort nach dem Rückzug der Regierungstruppen von Machthaber Assad ab 2012 drei autonome Kantone etabliert – mit Duldung Damaskus’, gänzlich gegen den Willen Ankaras, das Rückkopplungen auf die eigenen Kurden befürchtet.

Die Türkei

Daher zog die Türkei als bisher letzter Kriegsteilnehmer, der den Assad-Sturz anstrebt, vor einem Monat ins syrische Schlachtfeld – mit dem Ziel dem kurdischen Projekt ein Ende zu setzen. Präsident Erdoğan kündigte an, Afrin "von Terroristen zu säubern" und zunächst einkesseln zu wollen, damit die Kurden-Kämpfer keine weitere Unterstützung erhalten können.

Die syrische Zentralmacht

Genau um diese Hilfe hatten die Kurden in ihrer Bedrängnis Assad gebeten – ausgerechnet von jener Herrscher-Dynastie, die sie zuvor unterdrückt hatte. Hier beginnt es, ganz kompliziert zu werden. Denn Russland, das den Despoten in Damaskus mit seinem militärischen Engagement wieder auf die Siegerstraße gebracht hat, hat der Türkei offenbar Grünes Licht für ihre Boden-Offensive geben und die angestrebte Waffenbrüderschaft der Kurden mit Assad zunächst blockiert. Am Dienstag rückten aber Assads Truppen vor, Ankara reagierte mit einem Bombardement Afrins.

Russland

Kreml-Chef Putin kam dem wankenden syrischen Regime 2015 zu Hilfe – weil er um den Fortbestand seiner Militärbasis Tartus am Mittelmeer fürchtete. Und generell seinen Einfluss in der Region nicht verlieren wollte. Außerdem dürfte er die Kurden jetzt dafür bestrafen, weil diese östlich des Euphrats mit den USA kooperieren, die jüngst bei einem Luftangriff (zur Verteidigung der Kurden) Dutzende russische Kämpfer getötet haben.

Die USA

Amerika, das weiterhin den Sturz Assads fordert, ist nicht nur wegen seiner massiven Luftschläge, sondern auch wegen einer beträchtlichen Zahl an Spezialkräften am Boden tief in den Syrien-Krieg verstrickt. Das Interesse der USA liegt vor allem in der Bekämpfung der Terrormiliz " Islamischer Staat" (IS). Für diesen Zweck schloss Washington ein Bündnis mit den YPG-Kurden, die sie aufrüsteten und trainierten. Sehr zum Ärger der Türkei. Wechselseitige Drohungen nährten zuletzt Befürchtungen, dass es zwischen den beiden NATO-Partnern zu Auseinandersetzungen kommen könnte.

Der Iran und die Hisbollah

Soldaten des Gottesstaates und die schiitischen Glaubensbrüder der libanesischen Hisbollah-Miliz kämpfen an der Seite des syrischen Regimes. Teheran, das noch dazu mit Ankara um die Vormachtstellung in der Region rittert, strebt einen schiitischen Landstreifen vom Iran über den Irak (und dessen schiitisch dominierte Regierung) und Syrien bis in den Libanon an, der dann auch einen Mittelmeer-Zugang bedeuten würde.

Saudi-Arabien

Die dortigen Sunniten, die die Führungsrolle in der Region für sich selbst reklamieren, wollen den iranischen Einfluss mit allen Mitteln eindämmen. Dafür unterstützen sie in Syrien auch radikal-islamische Milizen, mitunter auch den IS.

Israel

Der Mittelmeer-Anrainerstaat flog zuletzt heftige Angriffe in Syrien, nachdem angeblich eine "iranische Drohne" seinen Luftraum verletzt habe. Israel ist massiv besorgt wegen der iranischen Präsenz und droht Teheran mit Militärgewalt.