Politik | Ausland 13.03.2012

Syrien: Landminen gegen eigene Bevölkerung

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Laut einer Menschenrechtsorganisation ließ Diktator Assad die Grenzen verminen. Die Fluchtbewegung hält dennoch an.

Er wollte einem Freund der Familie bei der Flucht in den Libanon helfen – und bezahlte dies mit dem Verlust eines Beines. Noch auf syrischem Gebiet war der 15-jährige Bursch auf eine Landmine getreten und konnte noch froh sein, mit dem Leben davongekommen zu sein. Irgendwie schafften es beide noch über den Grenzzaun. Derartige Fälle dokumentierte jetzt die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW). Und deckte damit eine neue, perfide Facette der Brutalität des syrischen Regimes auf.

Auch an der Grenze zur Türkei ließ Machthaber Assad offenbar derartige Explosivkörper, die ihre tödliche Sprengkraft noch Jahre später entfalten, vergraben. Laut HRW bestätigte ein desertierter Entschärfungsexperte der syrischen Armee, dass er mit einer Gruppe Anfang März in der Region 300 Landminen entlang der Flüchtlingsrouten in die Türkei unschädlich gemacht hatte.

Mit den zynischen Maßnahmen des Regimes wird es für die Not leidenden Menschen in Syrien noch schwieriger, das Land zu verlassen. Schon bisher musste eine Familie zwischen 5000 und 20.000 Dollar für Schmiergeld hinblättern, um ins rettende Ausland zu gelangen.

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Rund 12. 000 Syrer haben sich in die Türkei durchgeschlagen. Trotz aller Hürden treffen derzeit täglich zwischen 100 und 200 weitere ein. Doch rechnet man in Ankara im schlimmsten Fall mit bis zu 100.000 Flüchtlingen – und plant daher sieben weitere Camps in der Region.

Im Libanon halten sich laut Regierungsangaben in Beirut 10.000 Syrer auf. Und dies obwohl die Hisbollah, ein entscheidender Machtfaktor im Zedernstaat, hinter Assad steht und die Flüchtenden als Kriminelle erachtet.

Weil auch die schiitisch dominierte Regierung in Bagdad hinter dem Damaszener Diktator steht, haben nur ganz wenige Syrer im Irak Schutz gesucht. Dennoch rechnen die Behörden mit einer großen Flüchtlingswelle – sollten die Kämpfe anhalten. Aber nicht von Syrern, sondern von Irakern, die zuvor nach Syrien geflohen waren.

Fast unbemerkt von der Öffentlichkeit muss auch Jordanien mit einem Flüchtlingsstrom zu Rande kommen: Laut Regierungskreisen kamen 73.000 Syrer ins Land.

( Kurier ) Erstellt am 13.03.2012