Politik | Ausland
07.09.2018

Syrien: Heute ist D-Day für letzte Rebellen-Hochburg

Die Präsidenten Russlands, des Irans und der Türkei entscheiden heute über die Zukunft von Idlib.

Die Zeichen stehen auf Sturm – schon sei Tagen. Erste Angriffe durch die syrischen Streitkräfte hat es bereits gegeben, auch das mit ihnen verbündete Russland ließ die letzte Rebellen-Hochburg Idlib schon aus der Luft bombardieren. Ob es zum Generalangriff gegen die Region im Norden des Bürgerkriegslandes kommt, entscheidet sich heute in Teheran.

Dort kommen die zentralen ausländischen Player des Konflikts zu einem Gipfel zusammen. Der russische Präsident Wladimir Putin und seine Amtskollegen aus dem Iran, Hassan Rohani , sowie der Türkei, Recep Tayyip Erdoğan, werden den Daumen über die Provinz senken oder eben nicht. Zugleich tagt auch der UN-Sicherheitsrat zu der Thematik.

10.000 Dschihadisten

Wobei die Fronten klar sind: Russland und der Iran, der den syrischen Machthaber Bashar al-Assad mit Milizen unterstützt, stehen voll hinter dem Staatschef, der unbedingt wieder die weitgehende Kontrolle über sein Territorium erlangen will. Ankara, das Teile Syriens besetzt hält, einzelne Milizen in Idlib unterstützt und Assad zum Teufel jagen will, trachtet danach, den Sturm auf das Gebiet zu verhindern. Aus regional- und machtpolitischen Gründen. Und auch, weil die Türkei eine neue Flüchtlingswelle befürchtet – 3,5 Millionen Syrier befinden sich bereits im Land.

Mikrokosmos des Krieges

Idlib ist gleichsam ein Mikrokosmos des Syrien-Konfliktes: Syrische Einheiten und Iran-treue Kräfte sind in Stellung gegangen – unter einem Schutzschirm der russischen Luftwaffe. Im Norden haben sich türkische Verbände eingegraben. Und dazwischen befinden sich rund 10.000 zu allem bereite islamistische Kämpfer, die sich aus allen von Assads Truppen zuvor zurückeroberten Gebieten nach Idlib zurückgezogen haben.

Aber auch an die 2,9 Millionen Zivilisten harren in der Region aus, die Hälfte davon sind Menschen, die zuvor bereits vertrieben wurden. Jetzt wird daher eine neue humanitäre Tragödie befürchtet. Genau davor hat Deutschlands Kanzlerin Angela Merkel einen Tag vor dem Gipfel in Teheran gewarnt. Der UN-Sonderemissär für Syrien, Staffen de Mistura, drängt daher auf humanitäre Korridore, über die sich die Familien in Sicherheit bringen können.

Trump warnt

Auch die USA sind tief besorgt. Sie haben sich zwar aus dem big game um Syrien weit gehend zurückgezogen und konzentrieren sich nur noch auf die Bekämpfung der letzten Reste der Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS). Doch jetzt angesichts des drohenden Sturms auf die letzte Bastion der Dschihadisten in Syrien fand Präsident Donald Trump klare Worte: „Die Welt schaut zu, und die Vereinigten Staaten schauen sehr genau zu. Wenn es ein Gemetzel (in Idlib) ist, wird die Welt sehr, sehr wütend werden, und die Vereinigten Staaten werden ebenfalls sehr wütend werden.“