Politik | Ausland
23.01.2018

Die Kurden als Spielball der Mächte

Türkische Streitkräfte rücken zusammen mit Milizen weiter vor, USA und Russland halten sich zurück.

Mit unverminderter Härte ging am Dienstag die türkisch geführte Offensive "Operation Ölzweig" gegen die kurdisch dominierte Region Afrin in Syrien weiter. Türkischtreue Milizen eröffneten neue Fronten im Westen der Region, im Osten lieferten sich türkische Streitkräfte Gefechte mit Kämpfern der kurdischen "Volksverteidigungseinheiten" ( YPG). "Wir fürchten uns vor niemandem, wir sind entschlossen und wir werden nicht mit Ängsten und Bedrohungen leben", tönte der türkische Außenminister Mevlüt Çavuşoğlu.

65 Prozent der türkisch-syrischen Grenze sind derzeit von den "Syrisch Demokratischen Kräften" (SDF), deren Hauptstreitmacht die YPG sind, besetzt. Das gibt Ankara Grund zur Sorge, sind die syrischen Kurden doch eng mit der PKK verbündet, die nicht nur in der Türkei als Terrororganisation gilt, sondern auch in den USA und in der EU.

Fallen gelassen

Trotzdem galten und gelten die SDF im Kampf gegen die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) als wichtigste Verbündete des Westens: Im Oktober vergangenen Jahres eroberten sie mit massiver US-Unterstützung die IS-Hauptstadt Rakka und nahmen dem IS ein gigantisches Gebiet im Osten Syriens ab.

Außer zaghafter Aufforderungen, die Türkei möge "sich in ihrer Offensive zurückhalten" (US-Verteidigungsminister James Mattis), kommt nicht viel Unterstützung für die Truppen, die nun mit Waffen des NATO-Mitglieds USA gegen das NATO-Mitglied Türkei kämpfen. Auch Russland hat seine Militärberater aus Afrin abgezogen, laut dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan ist die Operation eng mit Moskau abgestimmt.

Auch Biden gab schon klein bei

Es ist nicht das erste Mal, dass sich die Kurden plötzlich allein auf weiter Flur wiederfinden: Als türkische Streitkräfte im Sommer 2016 im Zuge der "Operation Euphrat-Schild" den Abzug der SDF aus der Stadt Manbij forderten, gab der damalige US-Vizepräsident Joe Biden klein bei: Er forderte die Kurden auf, die Stadt zu räumen, die sie nur ein paar Wochen zuvor unter hohem Blutzoll dem IS entrissen hatten. Und das im Verbund mit US-Spezialeinheiten.

Ähnlich erging es auch den irakischen Kurden, deren Streitkräfte, die Peschmerga, ab 2014 der verlässlichste Partner der USA im Kampf gegen den IS waren. Im September 2017 wurden ihre Unabhängigkeitsbestrebungen innerhalb kürzester Zeit mit militärischer Macht zerstört.

Auch wenn sowohl syrische als auch irakische Kurden von einem eigenen Staat träumen, so trennt YPG und Peschmerga inhaltlich vieles – mit ein Grund, warum die YPG nach eigenen Angaben keine deutschen Waffen erhielten, die von der Bundesrepublik für den Kampf gegen den IS an die Peschmerga geliefert worden waren.

Deutsche Panzer rollen

Dennoch erregen deutsche Waffen derzeit die Gemüter: In der "Operation Olivenzweig" setzt die türkische Armee Panzer vom Typ "Leopard 2 A4" aus deutscher Produktion ein. Dies bringt die Regierung in Berlin in die Bredouille. Zudem prüft sie aktuell im Zuge der deutsch-türkischen Entspannungen eine Nachrüstung der Panzer zum besseren Schutz vor Minen.