Politik | Ausland
30.10.2018

Streit um Überführung von Francos Überresten in Spanien

Die sozialistische Regierung will eine Umbettung des Diktator-Leichnams in die madrider Alumenda-Kathedrale verhindern.

Die Polemik über die Entfernung der Überreste des spanischen Diktators Francisco Franco (1892-1975) aus dem "Tal der Gefallenen" geht weiter. Spaniens stellvertretende Regierungschefin Carmen Calvo stellte am Dienstag klar, der Leichnam Francos werde auf keinen Fall in der Madrider Almudena-Kathedrale bestattet.

Die Familie des ehemaligen Diktators stellte sich zunächst vehement gegen die für November geplante Exhumierung von Francos Leichnam, akzeptierte später allerdings Gespräche, wenn die Überreste in der Krypta der Hauptstadt-Kathedrale beigesetzt würden.

Die Regierung habe die Pflicht, einen Ort für die sterblichen Überreste des Diktators zu finden, an dem nicht erneut ein Ehrenkult für den faschistische Diktator entstehen könne, der Spanien 1936 mit einem Militärputsch gegen die republikanische Regierung in einen dreijährigen Bürgerkrieg riss und das Land nach seinem Sieg bis zu seinem Tod 1975 mit fester Hand regierte.

Die erst seit Juni regierenden Sozialisten von Ministerpräsident Pedro Sanchez (PSOE) hatten als eine ihrer ersten Regierungsmaßnahmen beschlossen, die Überreste Francos aus dem "Tal der Gefallenen" in den Madrider Bergen zu entfernen, damit das Mausoleum aufhöre, eine Art Pilgerort für spanische Postfaschisten zu sein. Es soll zu einem Erinnerungsort für Gefallene des Bürgerkriegs werden.

Franco selber ordnete den Bau des gigantischen Mausoleums nach dem spanischen Bürgerkrieg an, um sich dort selbst bestatten zu lassen. Über 20.000 republikanische Soldaten, aber auch politische Gefangene mussten in Zwangsarbeit das Denkmal für die Gefallenen der Franco-Armee errichten. Tausende kamen bei den Arbeiten ums Leben und wurden ebenfalls in der Basilika in einem Massengrab verscharrt.

Zusammenarbeit mit dem Vatikan

Bereits 2007 beschloss der sozialistische Ministerpräsident Jose Luis Rodriguez Zapatero im "Gesetz zur historischen Erinnerung", das "Tal der Gefallenen" zu einer Gedenkstätte für alle Opfer des Bürgerkriegs zu machen. Mit dem Einsetzen der Wirtschaftskrise 2008 konzentrierten sich die damals regierenden Sozialisten allerdings auf den Kampf gegen die ausufernde Finanzkrise.

Danach geriet das Projekt durch die Regierungsübernahme seitens der konservativen Volkspartei (PP) von Ministerpräsident Mariano Rajoy endgültig zum Erliegen. Spaniens Konservative sprechen sich immer noch dafür aus, "keine alten Wunden" aufzureißen.

Vize-Regierungschefin Carmen Calvo erklärte am Dienstag, dass im Prinzip die Kirche das letzte Wort habe, wo die Familie Franco den Leichnam "in Würde" beerdigen könne, aber die Regierung über "Mechanismen" verfüge, einen Ort, an dem es zu einem Franco-Kult kommen könnte, zu verhindern.

In diesem Zusammenhang könne ihre Regierung auch auf die Zusammenarbeit mit der Katholischen Kirche zählen, so Calvo, die sich am Montag im Vatikan mit Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin zu Gesprächen traf. Parolin habe ihr versichert, eine Lösung für das Problem zu finden. Die Kirche werde sich der Exhumierung nicht entgegenstellen und eine auch für die Regierung tragbare und mit den spanischen Gesetzen vereinbare Lösung für die neue Ruhestätte suchen.