Vier Ideen, wie die Straße von Hormus gesichert werden könnte

Europa denkt nach, wie es helfen könnte - will aber erst das Kriegsende abwarten.
Eine Lupe vergrößert den Schriftzug „Strait of Hormuz“ auf einer Landkarte mit blauem Meer und beigen Küsten.

Mit jedem Tag der Blockade der Meerenge von Hormus wird die weltweite Energiekrise größer – und steigen die Erdölpreise: Seit Beginn der Militärschläge der USA und Israels vor sechs Wochen hat der Iran den Schiffsverkehr in der Wasserstraße, über die ein Fünftel des globalen Transports von Rohöl und Erdgas läuft, nahezu zum Erliegen gebracht. Nur 222 Rohstoffschiffe haben die Meerenge seit März passiert – vor dem Krieg waren es rund 120 pro Tag.

Auf das Poltern von US-Präsident Donald Trump, dass sich Europa um ein Ende der Blockade der Seestraße kümmern müsse, gab es diese Woche einen ersten Versuch, eine Antwort zu finden:

Bei einer von der britischen Regierung koordinierten Krisensitzung fanden sich virtuell Spitzenbeamte und -Politiker aus 40 europäischen und Golfstaaten zusammen. 

Kein Einsatz während des Krieges

Das Ergebnis: Ideen gäbe es – aber alle wären erst nach einem Ende des Krieges umsetzbar.

Militärführer werden kommende Woche die diversen Pläne weiter diskutieren – so da wären:

  • Minen suchen:

 Deutschland und Belgien haben angeboten, Minensuchboote zur Räumung der Meerenge zu entsenden. Einige Militärexperten aber bezweifeln, dass der Iran – wie angedroht – die Meerenge überhaupt vermint hat, denn die Revolutionsgarden lassen manchmal Schiffe nicht verfeindeter Nationen passieren.

  • Marineeskorten:

Die US-Führung pocht darauf, dass Europäer die Schiffe unter ihrer eigenen Flagge mit Kriegsschiffen eskortieren – also etwa französische Marine für französische Handelsschiffe.

Auf dem Meer schwimmen mehrere große Frachtschiffe im Dunst.

Zahlreiche Frachtschiffe hängen vor der Straße von Hormus fest

Der Nachteil: Es wäre extrem teuer und wohl militärisch noch immer nicht ausreichend, um alle potenziellen Angriffe abzuwehren.

  • Hilfe aus der Luft:

Die USA drängen die europäischen NATO-Partner dazu, Kampfflugzeuge und Drohnen einzusetzen. So sollen iranische Luftangriffe auf die Schiffe abgewehrt werden. Der Haken: Teuer, und garantiert noch immer nicht, nicht angegriffen zu werden. Ein einziges, mit Sprengstoff beladenes, iranisches Schnellboot könnte ein Handelsschiff so schwer beschädigen, um erst recht wieder Versicherer und Reeder abzuschrecken.

  • Verhandlungen:

Diplomatie allein wird kein Ende des Krieges erwirken, aber zusammen mit militärischem und wirtschaftlichem Druck und der Einbeziehung Chinas in solche Gespräche könnte Diplomatie Bewegung in die Lage bringen.

Am Samstag stellte der Iran neuerlich unter Beweis, dass von einer Lockerung der Blockade keine Rede sein kann: Mit einer Drohne beschossen die Revolutionsgarden ein Schiff – angeblich mit Bezug zu Israel – und setzten es in Brand.

Österreichs Außenministerin Beate Meinl-Reisinger hat sich indes per Telefon an ihren iranischen Amtskollegen Abbas Araqchi gewandt. Sie forderte ein Ende der Angriffe auf Nachbarstaaten. Zudem müsse die freie Schifffahrt in der Straße von Hormus wiederhergestellt werden. Araqchi zeigte sich offen für Vermittlungsgespräche in Pakistan, er will aber Bedingungen für ein dauerhaftes Ende des „illegalen Krieges, der uns aufgezwungen wird“.

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