Politik | Ausland
18.01.2018

Das Problem mit Straches Zündeln am Balkan

FPÖ-Chef Strache plädierte noch knapp vor der Wahl für Abspaltung der Republika Srpska. Balkan-Experte warnt: "Das widerspricht Österreichs Interessen"

Wenn es eine zentrale Mission von Bundeskanzler Sebastian Kurz bei dessen Berlin-Reise gab, dann lautete diese folgendermaßen: Die FPÖ, so der Kanzler, sei freilich regierungstauglich, man solle die türkis-blaue Regierung bitte an ihren Taten messen.

Doch Kurz war noch gar nicht aus Berlin heimgekehrt, da flog ihm bereits eine Aussage von Vizekanzler Heinz-Christian Strache um die Ohren, die seiner Botschaft so gar nicht zuträglich ist: In einem nun nach Recherchen der Neos aufgetauchten Interview aus dem vergangenen September (Video hier) zweifelte der FPÖ-Chef im serbischen Fernsehen die Legitimität Bosnien Herzegowinas an und sprach sich für die Abspaltung der Republika Srpska – dem Landesteil der serbischen und kroatischen Bevölkerung Bosniens – aus.

"Das heutige Bosnien und Herzegowina kann nicht funktionieren. Die Internationale Gemeinschaft schützt einen künstlich kreierten Staat mit Gewalt, was nicht dem Wunsch der Menschen in diesem Staat entspricht", sagte er.

"Das ist eine äußerst problematische Aussage, sie widerspricht klar den Interessen Österreichs und der EU in dieser Region", sagt Balkan-Experte Oliver Schmitt zum KURIER. Mit derlei Aussagen, so der Forscher der Uni Wien, wird die "Lage im ohnehin verwundbaren Bosnien noch weiter zu destabilisiert".

Scharfe Kritik kommt auch von der Opposition, SPÖ-Klubobmann Andreas Schieder schimpft Strache gar einen "Brandstifter."

Bundesheer-Soldaten am Balkan

Brisant: Um die Lage in Bosnien zu stabilisieren, sind dort zur Zeit 194 Soldaten des Bundesheeres stationiert. Drei Viertel aller heimischen Soldaten im Auslandseinsatz sind am Balkan, auf den der seit dem Jugoslawien-Krieg schwelende Konflikt um die Republika Srpska ausstrahlt.

Im Heer ist man von Straches Aussage alles andere als begeistert. Offiziell herrscht sowohl im Heeresministerium als auch im Kanzleramt und im Außenministerium betretenes Schweigen. Strache selbst bestritt die Aussage nicht, sprach sich im Nachhinein aber doch für die Integrität Bosniens aus.

Warum aber sagt Strache so etwas überhaupt?

"Die FPÖ will damit auf Serben in Österreich ansprechen", erklärt Schmitt – wahltaktisch ist dies für Strache als selbsternannten "Freund der Serben", der öffentlich lange Zeit das Serben-Armband "Brojanica" trug, nicht unbedeutend: Rund eine Viertelmillion Menschen in Österreich sind serbischstämmig. Zudem wird der Konflikt laut Schmitt von Russland – ausgewiesenen Freunden der FPÖ – angeheizt.

Der Grund: "Russland will für Instabilität in dieser Region sorgen und so mehr Einfluss gegenüber dem Westen gewinnen."

LINK: Das Original-Video vom Interview mit Strache