Politik | Ausland
09.04.2017

Stockholm: Attentäter war illegal im Land

Der mutmaßliche Attentäter hätte 2016 ausgewiesen werden sollen. In Stockholm setzten Tausende ein Zeichen gegen Gewalt.

Nach dem Lkw-Anschlag von Stockholm dringt Schwedens Regierungschef Stefan Löfven auf eine konsequentere Abschiebepraxis. Dem mutmaßlichen Attentäter war nach Behördenangaben 2016 eine Aufenthaltsgenehmigung versagt worden. Er hätte das skandinavische Land verlassen müssen, tauchte aber unter.

"Das frustriert mich", sagte der Sozialdemokrat Löfven am Sonntag bei einem Kongress seiner Partei in Göteborg. Ein Nein müsse eine Abschiebung zur Folge haben. "Wir müssen die Möglichkeiten verbessern, das durchzusetzen."

IS-Sympathien

Der nach dem Lkw-Anschlag in Stockholm festgenommene Usbeke hat nach Angaben der Ermittler Sympathien für die Terrororganisation IS geäußert. "Wir wissen, dass er Sympathien für extreme Organisationen gezeigt hat, darunter IS", sagte Polizeisprecher Jonas Hysing am Sonntag auf einer Pressekonferenz.

Der Festgenommene habe 2014 eine Aufenthaltsgenehmigung in Schweden beantragt, im Juni 2016 habe die Migrationsbehörde entschieden, ihn auszuweisen. Da er das Land nicht verlassen habe, hätten die Behörden ihn gesucht.

Zweite Festnahme

Die Polizei hat am Sonntagmorgen eine zweite Person unter Terror- und Mordverdacht festgenommen. Das teilte die Staatsanwaltschaft am Nachmittag mit. Details zu der Festnahme wollte die Behörde zunächst nicht bekanntgeben.

Die Polizei sucht weiter nach möglichen Helfern des mutmaßlichen Attentäters. "Ungefähr fünf" Personen halte man derzeit fest, sagte Jan Evensson von der Stockholmer Polizei am Sonntag auf einer Pressekonferenz. Etwa 500 Menschen habe man befragt. Polizeisprecher Jonas Hysing sagte, es gebe keine konkreten Hinweise auf weitere Anschläge. "Wir haben eine enge Zusammenarbeit mit Europol und Interpol", so der Sprecher.

Viele Durchsuchungen

Die Polizei durchsuchte am Morgen eine Adresse in Sollentuna, nördlich von Stockholm. „Wir waren seit Freitag an verschiedenen Adressen in ganz Stockholm“, sagte eine Polizeisprecherin der Deutschen Presse-Agentur. „Ich kann aber nicht bestätigen, dass die Durchsuchungen in Zusammenhang mit der Tat am Freitag stehen.“

Nach dem mutmaßlichen Terroranschlag sind drei der vier Todesopfer identifiziert. Ihre Angehörigen seien informiert, sagte ein Polizeisprecher am Sonntagmorgen im schwedischen Fernsehen. Zwei Todesopfer stammen aus Schweden, unter den Toten sind auch ein Opfer aus Großbritannien und eine Belgierin. „Wir haben leider beim Attentat von Stockholm eine Landsmännin verloren“, teilte Außenminister Didier Reynders am Sonntag auf Twitter mit. „Ich drücke ihrer Familie und ihren Angehörigen mein Beileid aus.“

Stockholm setzt Zeichen gegen Gewalt

Nach dem Lkw-Anschlag haben tausende Menschen in Stockholm ein Zeichen gegen Gewalt und Terror gesetzt. Bei einer Kundgebung auf einem zentralen Platz in der schwedischen Hauptstadt gedachten sie am Sonntag der vier Todesopfer mit einer Schweigeminute. Am Montag soll es eine landesweite Schweigeminute geben. In der Nähe des Anschlagsortes in Stockholm versammelten sich am Sonntagnachmittag Tausende zu einer "Liebes-Kundgebung". Um 14.53 Uhr, der Uhrzeit des Anschlags vom Freitag, war es auf dem Platz komplett still. Viele hielten sich an den Händen und weinten.

Die Polizei geht indes davon aus, dass ein 39-jähriger Usbeke am Freitag mit einem Lkw in einer Einkaufsstraße in eine Menschenmenge gerast war. Der Mann hat sich nach Behördenangaben einer Abschiebung entzogen und Sympathien für die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) und andere "extreme Organisationen" gezeigt. Die Ermittler nahmen derweil am Sonntag eine zweite Person unter Terror- und Mordverdacht fest.

Bei dem mutmaßlichen Terroranschlag in der belebten Stockholmer Drottninggatan waren vier Menschen getötet worden, 15 wurden verletzt. Zwei der Toten stammten den Behörden zufolge aus Schweden, die anderen beiden aus Großbritannien und Belgien. Geschlecht und Alter der Opfer gab die Polizei aus Rücksicht auf die Angehörigen nicht bekannt. Der Anschlag war nach London und St. Petersburg der dritte in Europa innerhalb von drei Wochen.