Politik | Ausland
10.08.2018

Startschuss zum Krieg ums All

Bis 2020 soll eigene Streitkraft US-Interessen im Weltraum vertreten - China (im Bild) ist auf dem Gebiet sehr aktiv

.„Die Zeit ist gekommen für das nächste, großartige Kapitel in der Geschichte unseres Militärs. Um für das nächste Schlachtfeld gerüstet zu sein, auf dem Amerikas Beste und Tapferste aufgerufen sein werden, neue Bedrohungen für unsere Nation abzuwehren und zu besiegen“ – mit diesen Worten verkündete US-Vizepräsident Mike Pence die Pläne zur Schaffung einer „US Space Force“, einer Weltraumarmee. Bis Ende des Jahres soll das „Weltraumkommando“ unter der Führung eines Vier-Sterne-Generals stehen, seine Hauptaufgabe soll es sein, die USA auf einen Konflikt im All vorzubereiten. Die künftigen Gegner schlafen laut Pence nicht: „Länder wie Russland, China, Nordkorea oder der Iran haben viele Jahre lang Waffen angestrebt, um unsere Navigations- und Kommunikations-Satelliten mit elektronischen Angriffen vom Boden aus zu stören. In jüngster Zeit arbeiten sie daran, Kriegswaffen ins All zu bringen.“

Brigadier Walter Feichtinger vom Institut für Friedenssicherung und Konfliktmanagement beurteilt die Lage ähnlich: „Es gibt seit längerer Zeit ein Ringen um die Dominanz im All. Die USA, China, Russland – alle wollen ihre Kapazitäten ausbauen“, sagt er im KURIER-Gespräch. Vorrangig gehe es um den Schutz von Satelliten, die vor allem in den Bereichen Kommunikation, Navigation und Raketenabwehr essenziell seien.

Seit 2007 ist es Gewissheit, dass Satelliten auch von der Erde aus abgeschossen werden können. Damals feuerte China eine „Anti-Satelliten-Rakete„ auf einen alten, 850 Kilometer entfernten Wettersatelliten – und vernichtete ihn.

Befürworter der „Space Force“ sehen die Zeit überreif für diese sechste Teilstreitkraft der USA, die laut Trump endgültig 2020 stehen soll. Kritiker sehen darin viel eher eine teure und bürokratische Mehrbelastung in einem „unheimlich bürokratischen Verteidigungsministerium“. Um der realen Bedrohung entgegenzutreten, müsse man keine neuen Strukturen schaffen.

Feichtinger kann diese Kritik nachvollziehen: „Ein neues Kommando kostet Geld und muss aus dem Verteidigungsbudget finanziert werden. Dadurch wird es zu Einbußen bei anderen Kommanden kommen, am stärksten bei der Luftwaffe, die bis dato die Weltraumagenden inne hat.“

„Büchse der Pandora“

Sowohl Russen als auch Chinesen haben Einheiten, die sich um die „Kontrolle im Weltraum“ kümmern sollen. Die Ankündigung, eine eigenständige Streitmacht aufzustellen hat laut Feichtinger eine Signalwirkung: „Jetzt wird das Wettrennen um die Vormachtstellung im All so richtig anlaufen – und das ist kritisch zu sehen. Die USA haben damit eine Büchse der Pandora geöffnet“, sagt der Brigadier.

Die Forderung nach einer Weltraumstreitmacht ist nicht neu – bereits in den frühen 80er-Jahren rief der damalige US-Präsident Ronald Reagan die „Strategic Defense Initiative“ ins Leben. Ziel war es, Laserwaffen und Lenkraketen ins All zu bringen, um im Falle eines atomaren Angriffs der Sowjetunion schneller reagieren zu können. Die Laser sollten etwa gegnerische Atomraketen noch in der Luft zerstören.

Bis die „Space Force“ tatsächlich steht, muss noch der US-Kongress zustimmen.