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Politik Ausland
01/04/2019

Spurensuche im größten Hackerangriff auf Deutschland beginnt

Hunderte Politiker, Prominente und Journalisten wurden Opfer offenbar Monate langer Cyberattacken.

von Ingrid Steiner-Gashi

Telefonnummern und private Chat-Verläufe, Kreditkarteninformationen, Rechnungen, Personalausweise bis hin zu Urlaubsfotos von der Familie – alles online zu sehen. Hunderte deutsche Politiker und Journalisten ebenso wie Prominente und Künstler mussten nun feststellen, dass sie Opfer des größten Datenlecks der deutschen Geschichte geworden sind. Dabei lief die Veröffentlichung gehackter Daten über einen dubiosen Twitter-Account offenbar schon seit Sommer 2017.

Ab 1. Dezember wurden schließlich jeden Tag bis Weihnachten gestohlene Informationen veröffentlicht. Zunächst traf es den Satiriker Jan Böhmermann: „Das 1. Türchen geht an J. Böhmermann“, schrieben die unbekannten Urheber. Der reagierte gelassen: Unter den nun veröffentlichten Daten sei nichts vom dem, was nicht ohnehin schon vorher gehackt worden sei.

Insgesamt traf der Hackergroßangriff auch zahlreiche deutsche Politiker aller Parteien – mit Ausnahme der rechtspopulistischen AfD. Auch dienstliche Mails der deutschen Kanzlerin Angela Merkel wurden auf dem Twitter-Account verlinkt. Sensible Daten der Regierungschefin waren aber nicht dabei.

Groß-Ermittlungen

Deutschlands Justizministerin Katarina Barley sieht in der Hackerattacke einen „schwerwiegenden Angriff“. In einer Krisensitzung koordinierte gestern das nationale Cyber-Abwehrzentrum die Untersuchungen des Bundeskriminalamts, des Bundesnachrichtendienstes, der Bundesämter für Verfassungsschutz sowie für Sicherheit in der Informationstechnik und weiterer Behörden. Sogar Hilfe des US-Nachrichtendienstes NSA soll angefragt worden sein.

Erste Vermutungen wurden laut, dass es sich dem Angreifer um einen einzelnen Täter handeln könnte, vermutlich aus dem rechten Spektrum. Die Daten stammen aber nach Experteneinschätzung nicht aus einer einzigen Quelle.

Vielmehr handle es sich um ein Potpourri an Material aus verschiedenen Hacks auf Mail-Accounts, sagte der Karlsruher IT-Sicherheitsexperte Christoph Fischer der dpa. „Da hat jemand offenbar mit viel Fleißarbeit versucht, Mail-Accounts zu öffnen“, vermutet Fischer.

Die jüngsten Vorkommnisse schüren europaweit die Sorge, dass ähnliche Cyberangriffe auch die kommenden EU-Wahlen verfälschen könnten. Zur Erinnerung: Auch Frankreich wurden bei der Präsidentenwahl kurz vor der Stichwahl Tausende interne Dokumente von Emmanuel Macron verbreitet. Die Täter hatten von seinem Wahlkampfteam Mails gehackt und ins Netz gestellt.

Jüngste Umfragen für eine Eurobarometer-Studie zeigen, dass fast zwei Drittel der EU-Bürger befürchten, dass Wahlen durch Cyberangriffe manipuliert werden können.

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