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Politik Ausland
02/02/2020

Spinnen, Egel, Skorpione: Was auf chinesischen Märkten verkauft wird

Wo Infektionsggefahren lauern können. Ansteckungsgefahr - beim Coronavirus - gehe von lebenden Tieren aus, erklärt ein Virologe.

von Armin Arbeiter

Schwefelgeruch, gepaart mit dem fauligen Odeur der sogenannten Stinkfrucht, altes Fett, das der Koch mit dem fleckigen T-Shirt zum wiederholten Male aufkocht, um darin seine Spinnen zu frittieren.

Ein chinesischer Markt birgt vieles, was bei Europäern für Übelkeit sorgen kann – und trotzdem bleibt die Neugierde. Ist ein Skorpion wirklich essbar? Und warum zum Teufel grillt der Mann in der Ecke Blutegel? Michael B. hat sich – lange vor dem Coronavirus – als Tourist auf den großen Markt in Peking gewagt und Antwort auf seine Fragen gefunden. „Der gegrillte Blutegel war mit Sicherheit das Abscheulichste, das ich je gegessen habe“, sagt er zum KURIER. „Obwohl er durchaus heiß war, war er nach wie vor glitschig – mir war extrem flau im Magen.

Nur lebende Tiere

Wäre damals bereits das Coronavirus umgegangen, hätte sich B. an den Blutegeln nicht infiziert. Tote Tiere stellen aus Sicht des Virologen Stephan Aberle vom Zentrum für Virologie der Medizinischen Universität Wien kein hohes Risiko dar: „Eine Ansteckungsgefahr geht wenn schon von lebenden Tieren aus, die ja auf chinesischen Märkten in großer Zahl gehalten und angeboten werden“, sagt er.

Auch damit kam B. in Kontakt: „Sehr schockiert war ich, als mir ein Händler eine lebende Schildkröte ins Gesicht gehalten hat und meinte, er könne mir daraus sofort eine Suppe machen.“ Er lehnte ab, ging durch dichtes Menschengedrängel zum Stand mit den gegrillten Skorpionen.

Auf diesem Weg hätte er sich wahrscheinlich am ehesten angesteckt: Viele Menschen, schlechte Hygienebedingungen, die Ausscheidungen frei laufender Tiere – eine beeindruckende Palette an Möglichkeiten, sich zu infizieren. Doch das Risiko hat sich gelohnt: „Den Skorpion zu essen, war mitunter das angenehmste Geschmackserlebnis. Er war vollkommen durchgegrillt und hat fast wie Speck geschmeckt“, sagt er.

Sich durch ein totes Tier zu infizieren, ist laut Aberle zwar möglich, aber unwahrscheinlich: „Das könnte passieren, wenn man das infizierte Tier ausnimmt, sich schneidet und dann mit ihm in Berührung kommt“, sagt er. Auch ob tatsächlich Fledermäuse das Virus übertragen haben, sei noch nicht gesichert.

 

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