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Politik Ausland
03/19/2021

Sonne, Strand, Salsa und Spritze: Kuba bietet Urlaub mit Corona-Impfung

Mit einem von heimischen Medizinern und Biotechnologen entwickelten Impfstoff will man Gäste aus dem Westen zurückholen.

Auch die Karibikinsel Kuba braucht dringend Geld von Touristen. Da die Pandemie auch Kubas Strände leer zurückgelassen hat, hofft die chronisch heruntergewirtschaftete sozialistische Republik auf eine ihrer Stärken: Das staatliche Gesundheitssystem.

Erstklassige Medizin

Weil internationale Pharmakonzerne nur beschränkt nach Kuba liefern konnten und man dort zeitweise nicht einmal Aspirin kaufen konnte, hat der Inselstaat an der Südküste Floridas nicht nur Heerscharen an erstklassigen Medizinern ausgebildet, sondern auch eine eigene Pharma-Branche mit einem Schwerpunkt auf Impfungen.

Erfahrung bei Impfungen

So hat man in Kuba etwa eine eigene Impfung gegen das tropische Dengue-Fieber entwickelt – und jetzt gleich vier Impfstoffe gegen das Corona–Virus. Der erste davon – stolz „Soberana“, also frei übersetzt die „Großartige“, genannt – soll noch Ende März einsatzbereit sein. 40.000 Freiwillige in Kuba und weitere 100.000 im Iran haben das Präparat im Rahmen einer Phase-III–Studie schon erhalten. Nach Informationen aus Kuba mit gutem Erfolg.

Nun will das Land nicht nur seine eigenen Bürger impfen, sondern mit Impfreisen auch internationale Touristen anlocken, die daheim noch keine Chance auf eine Impfung haben. Der Karibikstaat wirbt also mit der Kombination aus sonnigen Stränden, Mojitos und einer Impfung gegen das Coronavirus mit dem selbst entwickelten Impfstoff. Anders als die im Westen derzeit eingesetzten Präparate ist Kubas „Soberana“ ein klassischer Impfstoff, von der Bauart vergleichbar mit einer Grippeimpfung. Für Beobachter auf der Insel macht das einen Erfolg mit dem Präparat umso wahrscheinlicher.

Ausbreitung im Griff

Anders als viele Staaten der Region kann Havanna auch darauf verweisen, die Ausbreitung des Virus schon bisher einigermaßen im Griff gehabt zu haben. Zumindest nach den offiziellen Angaben des Regimes sind von den elf Millionen Einwohnern der Insel bisher nur 47.000 Infizierte registriert worden. 300 Personen sind gestorben.

Im Falle einer Zulassung hätten dann auch verbündete Staaten wie Venezuela oder eben der Iran Hoffnung auf Hilfe. Auch Bolivien oder Vietnam haben bereits Interesse angemeldet.

100 Millionen Dosen

Schließlich kann Kubas pharmazeutische Industrie auf beeindruckende Kapazitäten zur Herstellung des Impfstoffes verweisen. Die Herstellung von 100 Millionen Impfdosen ist bis Ende 2021 geplant. Das reicht nicht nur, um die Bevölkerung durchzuimpfen, sondern eröffnet auch Chancen auf lukrativen Export. Für das ohnehin an chronischem Devisen-Mangel leidende Land eine wichtige Einnahmequelle.

Für alle Gäste

Noch lukrativer aber könnte der Impftourismus für Kuba werden. Im Interview mit der spanischen Tageszeitung La Vanguardia bestätigt die britische Kuba-Expertin Helen Yaffe diese konkreten Pläne: „Man wird Impfungen für alle Besucher der Insel anbieten.“

Schnell und einfach verfügbar

Ein neues Aufgabengebiet also für Kubas Ärzte, die ja seit Jahrzehnten eines der wichtigsten Exportgüter der Landes sind. Weil die Ausbildung internationalen Maßstäben mehr als gerecht wird, verschickt der immer noch sozialistische Staat seine Fachleute ins Ausland. Kubanische Ärzte wirken in Bolivien, Venezuela oder afrikanischen Ländern.

Das Land bietet auch Schönheitschirurgie oder Kuraufenthalte für zahlungskräftige ausländische Kundschaft an. Die Impfung aber soll jetzt auch für ganz normale sonnenhungrige Touristen rasch und unkompliziert verfügbar sein. Das macht Hoffnung, wie ein Reiseführer und Buchautor, der seit Langem auf Kuba lebt, deutlich macht: „Ich glaube, es kommt die Erholung des Tourismus – und die Impfung spielt da eine wichtige Rolle.“

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