Millionär Kiska wird neuer Präsident

Politneuling Andrej Kiska wird neuer Präsident der Slowakei.
In der Stichwahl am Samstag konnte sich Kiska klar gegen den amtierenden Premier Fico durchsetzen.

Herz, Verstand und Charakter" – mit Plakaten mit diesen drei Schlagworten warb der Politneuling Andrej Kiska in der ganzen Slowakei um Sympathie. Mit Erfolg, denn auch die Slowaken haben genug von etablierten Politikern: Der 51-jährige parteilose Millionär und Philanthrop wird neuer slowakischer Staatschef. Kiska besiegte in der Stichwahl am Samstag mit 59,4 Prozent ganz klar den langjährigen Toppolitiker und Premierminister Robert Fico. Der kam lediglich auf 40,6 Prozent. Die Wahlbeteiligung lag knapp über 50 Prozent. In der Hauptstadt Bratislava gewann Kiska sogar mit 72 Prozent. Dabei, so Politologen, wählten sie "die Katze im Sack".

"Ich will das Vertrauen der Menschen in die Präsidentschaft wiederherstellen und für allen anständige Menschen da sein", betonte Kiska nach der Wahl. Laut Analysen in Bratislava hegen die Slowaken die Hoffnung, dass Kiska mehr gegen die hohe Arbeitslosigkeit und Korruption unternimmt als Fico – auch wenn die Kompetenzen des Präsidenten nicht größer sind als jene des österreichischen Staatschefs. Die Niederlage Ficos wird auch als Denkzettel für seine linke Regierung gedeutet, die über eine absolute Mehrheit im Parlament verfügt.

Die Slowaken sehen in Kiskas Laufbahn eine Parallele zu Tschechien, wo der politisch unerfahrene Milliardär Jan Babis (übrigens slowakischer Abstammung) zum Finanzminister wurde und mittlerweile der populärste Politiker im Lande ist.

Reich durch Kredite

Andrej Kiska wurde 1963 in Poprad unter der Tatra geboren, in Bratislava studierte er Elektrotechnik. Gleich nach der Wende 1990 ging der junge Ingenieur in die USA, wo er als Arbeiter auf Baustellen und Tankstellen schuftete. Die Erfahrungen in Amerika weckten in ihm die Lust am Unternehmertum. Nach seiner Rückkehr baute er Finanzierungsfirmen auf, die ihn reich machten. Vor zehn Jahren verkaufte er seine Firmen und gründete die Wohltätigkeitsorganisation "Guter Engel", die Familien mit kranken Kinder unterstützt.

Keine KP-Vergangenheit

Der zukünftige Präsident Andrej Kiska tritt sein Amt am 15. Juni an, da Ivan Gasparovic nach zwei Amtsperioden nicht mehr kandidieren durfte. Kiska wird das vierte Staatsoberhaupt seit der Unabhängigkeit der Slowakei 1993 – und das erste ohne KP-Vergangenheit. Der mehrmals ausgezeichnete Manager wird der politischen Mitte zugerechnet. Im Unterschied zu den meisten slowakische Politikern kann er sich die Anerkennung des Kosovo als unabhängigen Staat vorstellen.

Trotz Kiskas vieler Wahlkampfauftritte präsentierte sich seine Frau der Öffentlichkeit noch nicht. Von der künftigen First Lady, die jetzt die karitativen Organisationen ihres Mannes leitet, gibt es kaum Fotos. Sie sei von seinen politischen Ambitionen nicht begeistert, verriet Kiska. Zur Wahlurne begleiteten ihn seine Tochter Natalia und sein Vater. Andrej Kiska ist zum zweiten Mal verheiratet, er hat vier Kinder.

In der slowakischen Politszene ist Andrej Kiska ein absoluter Neueinsteiger. Der 51-jährige ostslowakische Geschäftsmann studierte vor der Wende in Bratislava Elektrotechnik. Nach dem Fall des Eisernen Vorhangs versuchte er einige Jahre lang sein Glück in den USA, unter anderem als Tellerwäscher und Bauarbeiter. Dort habe er gelernt, dass man nach jeder Niederlage erneut von vorn anfangen könne, erklärte er im Wahlkampf. Nach der Rückkehr in die Slowakei gründete er zusammen mit seinem Bruder mehrere Firmen, die alle auf Ratenverkauf von Elektrogeräten und Kredite außerhalb des Bankensystems spezialisiert waren. Die Firmen Tatracredit, Triangel, Quatro, Slovenska pozicovna und Slovenske kreditne karty wurden ein voller Erfolg.

2005 verkaufte Kiska seine Anteile an die VUB-Bank (Vseobecna uverova banka), der Kaufpreis wird auf mehrere Millionen Euro geschätzt. Ein Jahr später gründete er mit einem Partner das Hilfswerk Guter Engel (Dobry anjel), das Familien schwerkranker Kinder finanziell unterstützt. Er habe vom Leben sehr viel bekommen und hätte den Eindruck, er müsse jetzt auch etwas zurückgeben, erklärte er sein soziales Engagement. 2013 beendete Kiska seine Tätigkeit beim Hilfswerk.

Bereits vor zwei Jahren kündigte der Geschäftsmann und Philanthrop an, 2014 für das Amt des Präsidenten kandidieren zu wollen. Im Wahlkampf warb Kiska mit seiner Unabhängigkeit und Parteilosigkeit, seine Kampagne finanzierte er mit eigenen Geldern. Als Präsident will er hinter allen Slowaken stehen und ihre Interessen vertreten, so Kiska. Andrej Kiska ist zum zweiten Mal verheiratet und hat vier Kinder.

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