Francois Fillon bei seiner Rede in Paris am Sonntag.

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Frankreich
03/05/2017

Skandal-Kandidat Fillon lässt sich nicht entsorgen

Umstrittener bürgerlicher Präsidentschaftskandidat trotzt seiner Parteiführung

von Danny Leder

So etwas hat es noch nie gegeben: 47 Tage vor dem ersten Durchgang der französischen Präsidentenwahlen versuchen fast Alle, die Rang und Namen in der bürgerlichen Großpartei der „Republikaner“ haben, ihren bisherigen Kandidaten, den Skandal-belasteten Francois Fillon mehr oder weniger sanft zu entsorgen. Doch Fillon ist es vorerst gelungen, den Spieß umzudrehen: Bei einer Kundgebung mit 50.000 Anhängern vor der Kulisse des Pariser Eiffelturms forderte er seine Parteifreunde auf, sie mögen, erst einmal „ihr eigenes Gewissen prüfen“.

Dabei haben die Vorwürfe gegen Fillon in der Öffentlichkeit derartig eingeschlagen, dass es für die „Republikaner“ kaum mehr möglich ist, Wahlwerbung zu betreiben, ohne von Passanten im Minutentakt verspottet oder beschimpft zu werden.

Fillon wird vorgeworfen, er habe seine Frau, Peneloppe, und zwei seiner Kinder Jahrelang auf der Gehaltsliste des Parlaments als Assistenten führen und insgesamt über eine Million Euro kassieren lassen, ohne dass sie dafür Leistungen hätten erbringen müssen.

Verheerendes Interview von Peneloppe Fillon

Peneloppe Fillon machte in einem ersten Interview seit Ausbruch der Affäre im Massenblatt „Journal du Dimanche“ die Sache nur noch schlimmer: sie habe für ihren Mann „zu Hause die Post geöffnet und über Antworten nachgedacht“. Ins Parlament, das gab die Politiker-Gattin zu, habe sie sich aber nie begeben.

Auch Fillon selber bestreitet die Vorwürfe nur halbherzig. Der Polizei gab er zu Protokoll, dass er die Arbeit seiner Frau als seine Parlamentsassistentin als „Ermessenssache“ betrachte, über die nur er, als Abgeordneter, zu befinden habe. Seinen Anhängern gestand er am Sonntag allerdings, er habe einen „Fehler begangen“, in dem er seine Frau angestellt habe.

Ansonsten besteht seine Verteidigungslinie darin zu suggerieren, andere Politiker hätten sich ähnliches oder übleres geleistet. Aber Medien und Justiz hätten im Auftrag der sozialistischen Staatsführung dies nur ihm zum Vorwurf gemacht und knapp vor den Wahlen aufs Tapet gebracht, um das bürgerliche Lager seines einzig glaubwürdigen Kandidaten „zu berauben“.

Nebensächlichkeiten

Bei seinem gestrigen Auftritt erweiterte Fillon diesen Vorwurf gegen die Politiker seiner eigenen Partei. Er bezichtigte sie, sie würden an seiner Kandidatur mit egoistischen Hintergedanken und aus Karrieresucht sägen. Er berief sich auf seinen klaren Sieg bei den bürgerlichen Vorwahlen vom November, an denen über vier Millionen Franzosen teilgenommen hatten. Seine Verfehlungen seien – sinngemäß – Nebensächlichkeiten angesichts der Herausforderungen, vor denen Frankreich stünde, und die nur er, mit seiner politischen Statur und Entschlossenheit, bewältigen könne.

Damit hat Fillon der Führung der „Republikaner“, die am Montag zu einer Krisensitzung zusammentrifft, vollends ins Dilemma gestürzt: entscheidet sie einen fliegenden Kandidaten-Wechsel, verliert sie Wähler, die sich hinter Fillon geschart haben. Behalten sie ihn, kann sie all jene Wähler abschreiben, denen Fillons Affären als unentschuldbar erscheinen. In beiden Fällen schrumpfen die Aussichten für den Kandidaten der „Republikaner“ überhaupt in die Stichwahl für das Elysée zu gelangen.

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