Blick auf den Kreml

© dapd/Joerg Koch

Politik | Ausland
09/25/2016

Separatistenbewegungen aus aller Welt tagten in Moskau

"Hier treffen sich mutige Menschen, die niemanden fürchten und die globale Diktatur (der USA) nicht akzeptieren." Die Veranstaltung wurde mit Unterstützung des Kreml finanziert.

Auf einer Konferenz in Moskau sind Vertreter selbstproklamierter Staaten im Ex-Sowjet-Raum sowie Anhänger separatistischer Bewegungen aus Irland, Italien, Spanien und den USA am Sonntag zusammengekommen, um über ihren Kampf gegen "Fremdbestimmung" sowie die "US-Vorherrschaft" zu beraten.

Als Organisator der vom Kreml subventionierten Veranstaltung trat, wie schon 2015, eine "Antiglobalisierungsbewegung Russlands" auf. "Hier treffen sich mutige Menschen, die niemanden fürchten und die globale Diktatur (der USA, Anm.) nicht akzeptieren", erklärte der russische Parlamentarier Michail Degtjarjow in seiner Grußbotschaft. Der Westen habe sich selbst zum Träger von sagenumwobenen demokratischen Werten erklärt, die mit Raketen und Bomben verbreitet würden, sagte der enge Mitstreiter des Rechtspopulisten Wladimir Schirinowski am Sonntagnachmittag in einem Moskauer Innenstadthotel.

Die Konferenz mit dem Titel "Dialog der Nationen", die sich im völligen Einklang mit der außenpolitischen Doktrin des Kreml mit dem Recht der Völker auf Selbststimmung - mit offensichtlichen Ausnahmen wie dem Kosovo - und dem Aufbau einer multipolaren Welt beschäftigen sollte, fand nach einem Auftakt 2015 bereits zum zweiten Mal statt.

Nichtregierungsorganisation

Der Kreml subventionierte die Veranstaltung 2016 mit 3,5 Millionen Rubel (49.200 Euro), für den Rest der Kosten würde man selbst aufkommen, erklärte gegenüber Journalisten der 26-jährige Chef der "Antiglobalisierungsbewegung", Aleksandr Ionow. Er bestritt, dass seine Aktivitäten als Einmischung Russlands in die inneren Angelegenheiten anderer Staaten aufgefasst werden könnten, da seine "Antiglobalisierungsbewegung" eine Nichtregierungsorganisation sei. Das völlige Fehlen von Unabhängigkeitsbewegungen aus Russland selbst begründete er damit, dass es im Land keine ernsthaften derartigen Strömungen gebe.

An der politischen Relevanz zahlreicher ausländischer Organisationen, die am Sonntag in Moskau vertreten waren, hatte Ionow hingegen keinen Zweifel. So trat etwa ein Direktor der Texanischen Nationalbewegung auf, der auf eine baldige Aufnahme diplomatischer Beziehungen eines unabhängigen Texas mit freien Staaten aus aller Welt hoffte, der Präsident einer Unabhängigkeitsbewegung aus Kalifornien übte scharfe Kritik an der US-Außenpolitik. Seiner Bewegung, so sagte Louis Marinelli gegenüber der APA, gehörten 8.000 Kalifornier an, er selbst arbeite hauptberuflich als Englischlehrer im russischen Jekaterinburg.

Irische Sinn-Fein-Partei dabei

Aus der EU waren am Sonntag Vertreter einer Splittergruppe der irischen Sinn-Fein-Partei, von der italienischen Lega Nord sowie einer katalanischen Unabhängigkeitsgruppierung vertreten. Bekannte Gesichter aus den selbstproklamierten Volksrepubliken Donezk und Luhansk in der Ostukraine fehlten indes. "In Bezug auf die Ukraine laufen derzeit ernsthafte Verhandlungen ,und wir wollten unsere Kollegen nicht ablenken", begründete Ionow das Fehlen offizieller Vertreter der beiden von pro-russischen Rebellen kontrollierten Regionen.