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Politik Ausland
04/27/2019

Selbstmordattentäter auf der Flucht? Weiter Angst in Sri Lanka

Das Blutbad bei einer Razzia gegen Islamisten zeigt, dass die Gefahr neuer Anschläge nicht gebannt ist.

von Irene Thierjung

Sri Lankas Behörden zufolge sind noch mindestens 70 Anhänger oder Sympathisanten jener Islamistengruppe auf der Flucht, die für die Anschläge auf Kirchen und Hotels mit mehr als 250 Toten am Ostersonntag verantwortlich war. Einige der Flüchtigen gelten als potenzielle Selbstmordattentäter.

Die Sicherheitskräfte sind in Alarmbereitschaft. Bis auf eine Messe in der Residenz des katholischen Kardinals Malcolm Ranjith, die im Fernsehen übertragen wird, und einer Messe vor der zerstörten St. Sebastian-Kirche sind am Sonntag keine weiteren Gottesdienste geplant.

Wie brenzlig die Lage ist, zeigte sich am Samstag in Sainthamaruthu an der Ostküste. Nachdem Sicherheitskräfte bei einer Anti-Terror-Razzia Freitagabend ein Haus umstellt hatten, wurden sie aus diesem heraus beschossen. Später gab es drei Explosionen in dem Anwesen, die Polizei stürmte es.

Sie fand zwölf Leichen, darunter drei Männer, die sich in die Luft gesprengt hatten, sechs Kinder und drei Frauen. Außerhalb des Hauses lagen die Leichen dreier weiterer Männer. Offenbar waren auch sie Selbstmordattentäter und wurden erschossen. Von wem, war zunächst unklar.

Auch in anderen Städten fanden Razzien statt. In einem mutmaßlichen Islamistenversteck fand sich neben Sprengstoff eine Flagge der Terrormiliz „Islamischer Staat“, die die Anschläge vor einer Woche für sich reklamiert hatte. Insgesamt befinden sich derzeit knapp 100 Verdächtige in Haft, darunter der Vater zweier Selbstmordattentäter von Ostern – ein Gewürztycoon mit Verbindungen in die Politik.

Auch wenn es in den vergangenen Jahren in Sri Lanka zunehmend Spannungen zwischen radikalen Teilen der buddhistischen Mehrheit und Muslimen gegeben hatte, galt islamistischer Terror bis vorige Woche als unbekannt – im Vorfeld hatte es allerdings mehrere, von den Behörden missachtete Warnungen vor bevorstehenden Attacken gegeben.

Im Ausland radikalisiert

Die neun Selbstmordattentäter vom Ostersonntag, darunter eine Frau, waren großteils gebildet und stammten aus wohlhabenden Familien. Wie Sri Lankas Premier Ranil Wickremesinghe dem britischen Guardian erzählte, wurde einer von ihnen wohl im Ausland radikalisiert.

Abdul Lathief Jameel Mohamed habe am Ostersonntag eine Bombe in einem Hotel zünden wollen, diese habe aber nicht funktioniert. Beim Versuch, sie in einem Gästehaus zu reparieren, sei sie explodiert, Mohamed und zwei andere Menschen starben.

Laut Wickremesinghe hatte Mohamed in Großbritannien und Australien studiert, Down Under sei er in islamistische Kreise geraten. Seine Schwester bestätigte das in einem Interview. Ihr Bruder sei nach seiner Rückkehr aus Australien „ein anderer Mann“ gewesen.

Gedenkmesse

Im Wiener Stephansdom wird Samstagabend um 18.00 Uhr der Opfer der Terroranschläge gedacht. Danach sind eine Kerzenprozession auf den Stephansplatz und eine Zeit der Stille geplant. Zur Veranstaltung seien Vertreter aller Konfessionen eingeladen, sagte der Pfarrer der katholischen Gemeinde Sri Lankas in Österreich, Everest Dias.

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