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Politik | Ausland
07/05/2019

"Sea-Watch": Rackete wirft deutscher Regierung Untätigkeit vor

Die Sea-Watch-Kapitänin lässt kein gutes Haar an der deutschen Regierung und kritisiert vor allem Innenminister Horst Seehofer.

Nach ihrer Freilassung in Italien hat sich die Kapitänin der "Sea-Watch 3", Carola Rackete, kritisch über die deutsche Regierung geäußert. "Mein Eindruck war, dass auf nationaler und internationaler Ebene niemand richtig helfen wollte", sagte die 31-Jährige dem Nachrichtenmagazin Der Spiegel laut Vorausmeldung vom Freitag. Italiens Innenminister Matteo Salvini warf sie Respektlosigkeit vor.

Während sie mit zuletzt noch 40 Flüchtlingen an Bord ihres Rettungsschiffes auf dem Mittelmeer festgesessen sei, sei "die heiße Kartoffel immer weitergereicht" worden. Zwar hätten mehrere deutsche Kommunen angeboten, die aus der Seenot geretteten Menschen aufzunehmen. "Es scheiterte dann aber auch an Bundesinnenminister Horst Seehofer, der keine Lust hatte, die Angebote der Städte anzunehmen", sagte Rackete.

"Salvini ist respektlos"

Über Salvini sagte sie: "Seine Art, sich auszudrücken, ist respektlos, für einen Spitzenpolitiker ist das nicht angemessen." Ihre Crew habe jeden Tag Berichte über den medizinischen Zustand der Geretteten an die italienische Rettungsleitstelle in Rom geschickt. "Aber wir fanden kein Gehör", sagte Rackete.

Sie wünsche sich, dass in der Flüchtlingspolitik über das Versagen der EU diskutiert werde statt über "Einzelpersonen wie mich". Dass sie durch ihre Festnahme in Italien in den Mittelpunkt der Debatte gerückt sei, sei ihr unangenehm. "Es ist keine Situation, die ich mir gewünscht habe."

Festnahme für ungültig erklärt

Rackete war mit den geretteten Flüchtlingen zweieinhalb Wochen auf dem Mittelmeer unterwegs gewesen. In der Nacht auf vergangenen Samstag war sie auf der italienischen Mittelmeerinsel Lampedusa festgenommen und unter Hausarrest gestellt worden, nachdem sie ihr Rettungsschiff trotz des Verbots der italienischen Behörden in den Hafen der Insel gesteuert hatte.

Am Dienstag hatte eine italienische Richterin Racketes Festnahme für ungültig erklärt und ihre Freilassung aus dem Hausarrest angeordnet. Seit ihrer Freilassung befindet sich Rackete an einem unbekannten Ort. Wegen zahlreicher Drohungen gegen die Kapitänin werde ihr Aufenthaltsort nicht bekanntgegeben, erklärte ein Sea-Watch-Sprecher am Mittwoch.

Salvini hatte zuvor erbost auf die Freilassung Racketes reagiert und ihre Ausweisung aus Italien angekündigt. Sie gefährde "die nationale Sicherheit", erklärte der Minister.

Rackete wird Salvini wohl verklagen

Rackete will Salvini nun wegen Verleumdung verklagen. "Wir haben bereits eine Klage gegen Minister Salvini vorbereitet", sagte Racketes Anwalt Alessandro Gamberini. Es sei "gar nicht leicht gewesen, alle Beleidigungen zu erfassen, die Herr Salvini in den vergangenen Wochen ausgesprochen hat", sagte Gamberini. Eine Verleumdungsklage sei ein "Signal".

Salvini hatte die deutsche Kapitänin unter anderem als "Nervensäge" und "verbrecherische Kapitänin" bezeichnet und erklärt, Rackete habe "versucht, fünf italienische Soldaten zu töten".