Graffiti in Glasgow

© AP/Jane Barlow

Politik | Ausland
01/13/2019

Schwarzer Humor in dunklen Stunden

Das politische Chaos um den EU-Austritt der Briten bietet Kabarettisten und Karikaturisten willkommene Steilvorlagen

„Brexit – ein viel zu niedlicher Name für so etwas zerstörerisch Dummes“, spottete der Comedian John Oliver in seiner Show „LastWeekTonight“, ehe er die Aufnahme einer Rede der britischen Premierministerin Theresa May einspielte. Dort ist sie im britischen Unterhaus zu sehen, wie sie Werbung für ihren Brexit-Deal macht – und schallendes Gelächter erntet. John Oliver, selbst Brite: „Frau Premierministerin, wie war es, ein Lachen in England zu bekommen? Ich habe das nie geschafft, aber in meinen Träumen fühlt es sich großartig an.“

Seit dem Entschluss der Briten, die EU zu verlassen, haben Kabarettisten und Karikaturisten Hochkonjunktur im Vereinigten Königreich, der berühmte Schwarze Humor kommt nicht zu kurz. Vor allem Theresa May bekommt in den Karikaturen der britischen Tageszeitungen ihr Fett ab – etwa, nachdem sie das Misstrauensvotum ihrer eigenen Partei zwar gewonnen hatte, seitdem aber als „lame duck“, also „lahme Ente“ gilt. Am Dienstag soll im Parlament über den Deal abgestimmt werden – die Aussichten sind mehr als düster für May.

Legendär ist bereits ein Video von Gollum-Darsteller Andy Serkis, der als May verkleidet in Gollum-Manier Selbstgespräche über den Brexit führt.

Jedoch wird May auch Respekt für ihr Durchhaltevermögen gezollt, beispielsweise als Duracell-Häschen.

Alle kriegen ihr Fett ab

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Der britische Kabarettist John Oliver (l.) erreicht in seiner Show „LastWeekTonight“ ein breites Publikum – und nimmt das dankbare Thema Brexit mit Freuden an.

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Die "lahme Ente" am Ende?

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Wie ein Duracell-Hase wirbt May für ihren Deal.

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Jacob Rees-Mogg - Brexit-Hardliner und Zielscheibe seiner Gegner.

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Zu Weihnachten dürften sich viele Briten irische Pässe gewünscht haben.

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Kugelsicher? Theresa May-trix

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Schon öfters benötigte May ein neues Kabinettmitglied – warum nicht von Ikea?

Doch auch Mays Gegner geben treffliche Zielscheiben für Satiriker ab – etwa der Hardcore-Brexiteer, Jacob Rees-Mogg (Tories): Der hochgewachsene Klischeebrite wird wegen seines nasalen Oxford-English gerne „Minister für Aussprache“ genannt, was an Monty Phytons „Ministry for silly walks“ – „Ministerium für dummes Gehen“ – erinnert. Das Wort „Floccinaucinihilipilification“ (im Bild rechts) gilt übrigens als das längste englische Wort und bedeutet „Geringschätzung“.

Rees-Mogg selbst konnte jedoch Humor beweisen: Als ihn eine Journalistin darauf aufmerksam machte, dass die deutsche Kanzlerin Angela Merkel angeblich schallend über Mays Versuche, einen Brexit-Deal auszuhandeln, gelacht habe, antwortete er: „Ich gratuliere den Deutschen dazu, Humor entwickelt zu haben. Sie werden also ein bisschen britischer.“