Schwarzer Humor in dunklen Stunden

Das politische Chaos um den EU-Austritt der Briten bietet Kabarettisten und Karikaturisten willkommene Steilvorlagen

„Brexit – ein viel zu niedlicher Name für so etwas zerstörerisch Dummes“, spottete der Comedian John Oliver in seiner Show „LastWeekTonight“, ehe er die Aufnahme einer Rede der britischen Premierministerin Theresa May einspielte. Dort ist sie im britischen Unterhaus zu sehen, wie sie Werbung für ihren Brexit-Deal macht – und schallendes Gelächter erntet. John Oliver, selbst Brite: „Frau Premierministerin, wie war es, ein Lachen in England zu bekommen? Ich habe das nie geschafft, aber in meinen Träumen fühlt es sich großartig an.“

Seit dem Entschluss der Briten, die EU zu verlassen, haben Kabarettisten und Karikaturisten Hochkonjunktur im Vereinigten Königreich, der berühmte Schwarze Humor kommt nicht zu kurz. Vor allem Theresa May bekommt in den Karikaturen der britischen Tageszeitungen ihr Fett ab – etwa, nachdem sie das Misstrauensvotum ihrer eigenen Partei zwar gewonnen hatte, seitdem aber als „lame duck“, also „lahme Ente“ gilt. Am Dienstag soll im Parlament über den Deal abgestimmt werden – die Aussichten sind mehr als düster für May.

Legendär ist bereits ein Video von Gollum-Darsteller Andy Serkis, der als May verkleidet in Gollum-Manier Selbstgespräche über den Brexit führt.

Jedoch wird May auch Respekt für ihr Durchhaltevermögen gezollt, beispielsweise als Duracell-Häschen.

Alle kriegen ihr Fett ab

John Oliver moderiert eine Sendung zum Thema Brexit.

Der britische Kabarettist John Oliver (l.) erreicht in seiner Show „LastWeekTonight“ ein breites Publikum – und nimmt das dankbare Thema Brexit mit Freuden an.

Eine Karikatur von Gerald Scarfe zeigt eine lahme Ente mit Brexit-Bezug.

Die "lahme Ente" am Ende?

Eine Karikatur zeigt ein rosa Kaninchen, das eine Trommel mit der Aufschrift „Brexit Deal“ schlägt.

Wie ein Duracell-Hase wirbt May für ihren Deal.

Ein Meme mit Jacob Rees-Mogg, das sich über seinen Wortschatz lustig macht.

Jacob Rees-Mogg - Brexit-Hardliner und Zielscheibe seiner Gegner.

Eine Karikatur zeigt Weihnachtselfen und den Weihnachtsmann, die irische Pässe bearbeiten.

Zu Weihnachten dürften sich viele Briten irische Pässe gewünscht haben.

Eine Karikatur von Theresa May, die Kugeln im „Brexit May-Trix“ ausweicht.

Kugelsicher? Theresa May-trix

Theresa May sitzt an einem Schreibtisch und telefoniert.

Schon öfters benötigte May ein neues Kabinettmitglied – warum nicht von Ikea?

Doch auch Mays Gegner geben treffliche Zielscheiben für Satiriker ab – etwa der Hardcore-Brexiteer, Jacob Rees-Mogg (Tories): Der hochgewachsene Klischeebrite wird wegen seines nasalen Oxford-English gerne „Minister für Aussprache“ genannt, was an Monty Phytons „Ministry for silly walks“ – „Ministerium für dummes Gehen“ – erinnert. Das Wort „Floccinaucinihilipilification“ (im Bild rechts) gilt übrigens als das längste englische Wort und bedeutet „Geringschätzung“.

Rees-Mogg selbst konnte jedoch Humor beweisen: Als ihn eine Journalistin darauf aufmerksam machte, dass die deutsche Kanzlerin Angela Merkel angeblich schallend über Mays Versuche, einen Brexit-Deal auszuhandeln, gelacht habe, antwortete er: „Ich gratuliere den Deutschen dazu, Humor entwickelt zu haben. Sie werden also ein bisschen britischer.“

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